Technik-Chef bei Bosch Marathonläufer mit einem Händchen für Technik

Der Bamberger Bosch-Chef Stefan Schmitz mit einem Einspritzventil für Benziner der neuesten Generation, das den Treibstoff mit bis zu 350 Bar Druck einbringt. Foto: Roland Töpfer

BAMBERG. Der Physiker Stefan Schmitz verantwortet die technischen Belange im Bamberger Bosch-Werk – Was hat es mit ihm, einem Waldhorn und einem  alten Porsche alles auf sich?

Im weißen Kittel im Labor stehen, das wollte er nicht. Und so startete Stefan Schmitz nach dem Physik-Studium in Aachen („Ich wollte wissen, wie funktioniert die Welt“) und der Promotion in den Ingenieurwissenschaften an der Universität Erlangen-Nürnberg 1998 seine berufliche Karriere als Fertigungsplaner Benzineinspritztechnik im Bamberger Bosch-Werk. 

Seit 2016 ist der 53-Jährige Werkleiter Technik in Bamberg. Hier hat er eine besonders anspruchsvolle Aufgabe: Das Werk mit seinen rund 7500 Beschäftigten hängt zu 100 Prozent am Verbrennungsmotor. Jeweils 45 Prozent entfallen auf Komponenten für Einspritzsysteme für Diesel und Benziner, zehn Prozent auf Zündkerzen. 

Schockwellen der Dieselkrise

Die Dieselkrise hat bereits erste leichte Schockwellen nach Bamberg geschickt: Rund 200 Arbeitsplätze wurden im letzten Jahr per Fluktuation abgebaut. Für dieses Jahr wird  ein Stellenverlust auf ähnlichem Niveau erwartet. Schmitz und sein kaufmännischer Chef-Kollege Martin Schultz müssen die Fabrik vor dem Beginn der Elektrifizierung der Auto-Mobilität mittelfristig neu ausrichten. Der Transformationsprozess beginnt gerade. 

Ein Arbeitskreis Zukunft denkt intensiv über alternative Erzeugnisse für das Bamberger Werk nach, sagt Schmitz. Parallel dazu werden mit einer Kompetenzfeldanalyse die Stärken des Werks herausgearbeitet, die in neuen Produktideen münden könnten. Das Ziel: 2023 sollen in Bamberg zehn Prozent der Produkte nicht mehr am Verbrenner hängen.

Technische Keramik, die bei Haushaltsgeräten oder in der Medizintechnik eingesetzt wird, wäre eine Möglichkeit, sagt Schmitz. Auch die stationäre Brennstoffzelle, an der gerade intensiv gearbeitet wird (wir berichteten), zählt dazu. Schmitz: „Wir gestalten den Wandel.“

Wobei man bei Bosch fest davon ausgeht, dass der Verbrenner noch viele Jahre eine wichtige Rolle spielen wird. Eine Prognose geht davon aus, dass von global 105 Millionen Neuzulassungen im Jahr 2025 rund 85 Millionen Verbrenner sein werden. 2030 sollen noch 70 Prozent Verbrenner sein. Schmitz sieht auf längere Sicht die Batterie „nicht unbedingt als primäre Antriebsquelle“. 

Technik-Gene in die Wiege gelegt

Aber entscheidend werde nun erst einmal sein: Wo wollen die Autohersteller hin? So oder so: Bamberg muss sich breiter aufstellen, darf nicht mehr allein vom Auto abhängig sein. „Das Bamberger Werk schafft das“, sagt Schmitz. Aber wie viele Beschäftigte werden es in einigen Jahren sein? „Das ist eine gute Frage.“

Die Technik-Gene wurden dem in Essen geborenen Stefan Schmitz quasi in die Wiege gelegt. Sein Vater war Schlosser, seine Mutter Dekorationsnäherin. „Ich komm‘ aus dem Praktischen.“ Mit seinem Vater ging er oft und gerne Autos gucken. „Ich hatte schon immer ein Faible für Autos. Am Sonntagmorgen haben wir uns beim Händler die Autos angesehen, Probefahrten gemacht, gefachsimpelt.“ 

Die Liebe zum Auto ist bis heute geblieben. In seiner Freizeit restauriert der Bosch-Chef einen alten Porsche 911, Baujahr 1972, sechs Zylinder, 2,4 Liter Hubraum, 140 PS. Wenig Rost. „Der kam aus Texas.“

Schmitz hat den 911er in alle Einzelteile zerlegt und wieder zusammengebaut. Vor fünf Jahren sollte er eigentlich schon fahren, seit sieben Jahren ist er aber nun schon drüber. Jetzt soll gegen Ende des Jahres die erste Ausfahrt starten. „Er wird gerade lackiert.“ Signalorange – ein richtig schönes Apfelsinenorange, was damals ja eine typische 911-Farbe war. 

Eigentlich wollte er 
Pilot werden

Pilot wollte Schmitz auch mal werden, aber da gab es gerade einen Aufnahmestopp bei der Lufthansa. Die hätte tatsächlich sein Physik-Studium verhindern können. 
An seinem Arbeitsort hat Schmitz ein Zimmer, mit seiner Familie (zwei Kinder) wohnt er in Schweinfurt. Dort war er seit 2007 für Bosch tätig, 2010 bis 2016 als technischer Werkleiter. „Für mich ist Bamberg berufliche Heimat. Ich kann mir vorstellen, bis zur Rente hierzubleiben.“
Früher ist er gerne gelaufen, hat auch einmal einen Franken-Marathon in Ebermannstadt knapp unter vier Stunden geschafft. „Dann hat sich mein Knie gemeldet.“ Da würde sich vielleicht anbieten, mal wieder zum Waldhorn zu greifen. Das hat Schmitz nämlich schon bis zum Abitur und dann auch noch während des Studiums im Studentenorchester gespielt. Eigentlich wollte er am Anfang ja viel lieber Schlagzeug lernen. War aber gerade keins da. Da muss man schön flexibel bleiben. Womit wir wieder beim Bamberger Bosch-Werk wären. 

 

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