Tafel Pegnitz: Gleiches Recht für alle

Helga Koch sieht in Pegnitz keine Probleme zwischen ausländischen und einheimischen Inhabern von Berechtigungsscheinen. Noch, sagt sie. Foto: Ralf Münch

Sie tun Gutes. Für jene, denen es einfach schlecht geht in diesem Leben. Die Tafeln kümmern sich bundesweit darum, bedürftigen Menschen günstige Nahrungsmittel zu besorgen und an sie zu verteilen. Das Problem: Die Zahl jener, die dieses Angebot in Anspruch nehmen dürfen, wächst ständig. Darunter sind auch immer mehr Flüchtlinge, immer mehr Asylbewerber. Das könnte irgendwann auch in Pegnitz zum Problem werden.

Denn: Den Tafeln geht so langsam die Ware aus, in Essen hat das Abweisen von Muslimen für Schlagzeilen gesorgt. In Pegnitz soll genau das Gegenteil der Fall sein: Muslime dürfen bei der Ausgabe als Erste ran, weil sie eben nur bestimmte Dinge essen dürfen (nach Kurier-Informationen). Völligen Unsinn nennt Helga Koch, Vorsitzende der lokalen Tafel, diese Vorwürfe. Denn in Pegnitz existiere ein festes Regelwerk für alle. Ohne Rücksicht auf Abstammung oder Religion.

Vier Farben für vier halbe Stunden

Dieses System basiert auf vier Farben. Farben jener Berechtigungsscheine, die an die Tafel-Kunden ausgegeben werden. Jede Farbe steht für eine halbe Stunde innerhalb der zwei Stunden, während deren der Tafel-Laden am Schlossberg geöffnet ist. So werde ein nicht mehr beherrschbarer Andrang vermieden, so verteile sich die Belastung für die ehrenamtlich tätigen Mitarbeiter auf ein vernünftiges Maß. Ein mit diesen vier Farben hinterlegter Kalender zeige jedem Inhaber eines solchen Scheins an, wann er den Laden aufsuchen darf.

Niemand wird bevorzugt

Worauf Helga Koch Wert legt: Bei der Vergabe dieser Scheine gelte gleiches Recht für alle. Sprich: Sie erfolgt nach dem Zufallsprinzip, nicht nach bestimmten Regeln. Und so könne es nicht einmal theoretisch sein, dass Muslime geballt die erste halbe Stunde eines Ausgabetages nutzen können, um sich mit den Lebensmitteln zu versorgen, die ihren Essgewohnheiten besonders entsprechen.

"Da ist nichts dran"

Nach den Vorkommnissen in Essen und den daraus resultierenden Medienberichten habe sie fast mit solchen Gerüchten gerechnet, sagt Helga Koch. Auch wenn sie hier in eine völlig andere Richtung gehen. Fakt sei jedoch: „Da ist nichts dran.“ Sie hat übrigens Verständnis für das Verhalten der Tafel in Essen, „da stehe ich voll dahinter“. Und es gehe sicher auch anderen Tafeln in Deutschland so. Dort, wo die Zahl von Flüchtlingen nach wie vor zunimmt. Weil irgendwann schlichtweg die Vorräte ausgingen. Die Tafeln seien halt nun mal in erster Linie für die einheimische Bevölkerung da.

Wer bedürftig ist, bekommt etwas

Klar, auch Flüchtlinge hätten ein Recht auf Unterstützung durch die Tafeln. Ob sie nun Muslime sind oder nicht. Was in Pegnitz nicht das große Problem sei. Noch nicht. Haben doch im Schnitt 80 bis 100 Personen einen Berechtigungsschein in der Hand, darunter sind aber nur zehn bis 15 Flüchtlinge beziehungsweise Asylbewerber. Was nicht jeder der deutschen Lebensmittelbezieher begreife, „da gab es schon auch Kritik, warum diese Leute auch etwas bekommen“. Ihre klare Antwort: „Gleiches Recht für alle, wer bedürftig ist, bekommt etwas.“

Wo die Grenzen sind

Aber da gebe es halt Grenzen: „Wenn da ein Ansturm von Flüchtlingen kommt, ist das nicht mehr zu bewältigen.“ Weil man halt nun mal nachvollziehbarerweise erst einmal an seine eigene Klientel vor Ort denken müsse. Ohne jemand brüskieren zu wollen. Aber das sei dann Aufgabe des Bundes, der sich da einfach zu stark aus der Verantwortung ziehe.

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