Studi-Idee: Tassen statt Plastik

Das Entwicklerteam auf einem Selfie: Inzwischen kümmern sich acht junge Männer und Frauen darum, die App zur Marktreife zu bringen. Foto: red

Timon Rückel und Dominik Protschkey, Studenten der Universität Bayreuth, sind auf dem Weg, ein Unternehmen zu gründen. Mit Hilfe ihrer App Cobee wollen sie ihre Kommilitonen zu nachhaltigem Handeln ermutigen.

Für weniger Computererfahrene sei erklärt: Eine App (Kurzform des englischen Begriffs "Applikation") ist ein Anwendungsprogramm, verbunden mit einem Webbrowser. Die Studenten, der eine aus der Oberpfalz, der andere aus Oberbayern studieren nicht Informatik, sondern Wirtschaftsingenieurwesen. Den Anstoß gaben ihre Jobs als Hilfswissenschaftler am Kernkompetenzzentrum für Finanz- und Informationsmanagement (FIM) und der Fraunhofer-Projektgruppe Wirtschaftsinformatik des Frauenhofer-Instituts für Angewandte Informationstechnik (FIT).

Kreativ beim Kicker-Spiel

"Die Idee dazu kam uns beim Kickern", sagt der 21-jährige Timon, der am Ammersee aufgewachsen ist. "Wir haben miteinander gequatscht und kamen darauf, dass in der Cafeteria an der Uni immer so viele Plastikbecher herumliegen." Also überlegten sie, wie sie ihre Mitstudenten dazu bewegen könnten, auf die vielen Plastikbecher zu verzichten. Daraus entstand das Konzept: "Bring deine eigene Tasse mit!" (Englisch: "Bring Your Own Cup").

Wie viele Becher täglich benutzt und vom Studentenwerk Oberfranken entsorgt werden, wissen die angehenden Wirtschaftsingenieure nicht. Aber es sind sehr, sehr viele. Sie lassen den Plastikmüllberg weiter anwachsen. Damit Studierende ihr Verhalten ändern, braucht es Anreize, waren sich Timon und Dominik einig.

Belohnung für eignen Kaffeebecher

Und das soll so funktionieren: Wer eine Kaffeetasse statt eines Plastikbechers benutzt, erhält über die App eine Belohnung. Diese sammeln sie in Form von Münzen ("Coins"). Diese spielerischen Elemente sollen die Nutzer bewegen, die App gerne zu nutzen. "Wir wollen mehr Nachhaltigkeit in ihr Handeln bringen und geben ihnen gleichzeitig etwas in die Hand", sagt der 24-jährige Dominik Protschky, der nach dem Bachelor-Abschluss in Bayreuth noch ein Masterstudium anhängt.

Was habe ich davon?

Die Rückmeldungen auf ihre geplante Entwicklung sind bisher gut: "Die meisten haben Interesse an nachhaltigem Handeln", sagt Timon Rückel. "Aber sie fragen natürlich auch: Was habe ich davon?" Deshalb sollen die Nutzer nach dem Sammeln einer festen Anzahl von Punkten etwas erhalten, zum Beispiel Gutscheine für nachhaltige Produkte. Diese "Jagd" nach größtmöglicher Nachhaltigkeit könnte sich auch auf anderen Ebenen abspielen: zum Beispiel dem Nutzen von Mitfahrgelegenheiten, Car-Sharing, Fahrradfahren oder dem Kauf regionaler Produkte. Der Gewinn soll als Spende an Stiftungen und nachhaltige Projekte gehen. "Unser Ziel ist, nachhaltiges Verhalten in den Alltag zu integrieren und das Handeln und Denken grundsätzlich danach auszurichten", beschreibt Oberbayer Timon die Philosophie von Cobee.

Team auf acht Leute angewachsen

Mittlerweile arbeiten acht Studenten an mehreren Unis an der neuen App: Informatiker, Android-Designer, Grafiker. Und Timon und Dominik schlagen sich in ihrer Freizeit mit Businessplänen, Finanzierungsmodellen, Zielgruppen und Marketing herum. Um herauszufinden, ob für ihre Idee ein Markt besteht, führen sie gerade Interviews anhand von Fragebögen durch. "Denn der Nutzer entscheidet letztendlich, ob er das Ganze annimmt oder nicht", sagt Dominik Protschky. An der Universität Bayreuth studieren zirka 13 000 Studenten, in ganz Bayern 380 000 und bundesweit 2,8 Millionen. 52 Hochschulen im Freistaat und 428 in der gesamten Republik könnten auf die App zurückgreifen, haben die Gründer recherchiert. Je mehr Partner sie finden, desto höher ist die Chance auf mehr nachhaltiges Handeln.

Prototyp

Unterstützt wird das Vorhaben von der Heinz Nixdorf Stiftung und der Stiftung der deutschen Wirtschaft (SDW) und deren Gründerinitiative "Herausforderung Unternehmertum". Dort hatten sich die Studenten im Herbst vergangenen Jahres beworben. Auch das FIM und der Raum für Führung (RF/F) stehen hinter Cobee. Das Wort steht für "bewusstes Verhalten" (eng. conscious behaviour) - "das zweite ,e' haben wir einfach dazugestellt, weil es schöner aussieht und an ,bee' wie Biene erinnert", sagt Timon lachend. Im Juli soll der erste App-Prototyp fertig sein. Die Führungskräfte von morgen werden sie nach der Marktreife womöglich in die Welt hinaustragen.

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