Studentenvertretung der Universität Bayreuth will Thessalia zu Prag vom Mensaabend ausschließen Rechte Gesinnung? Studierendenparlament will Burschenschaft ausschließen

Burschenschaft Thessalia zu Prag in Bayreuth,Wittelsbacherring 16,Foto,Karl Heinz Lammel,2011,

Darf die Burschenschaft Thessalia zu Prag an der Uni Bayreuth für sich werben? Das Studentenparlament hat mit Zweidrittelmehrheit dafür gestimmt, die Gruppe vom Mensaabend auszuschließen. Der Grund: Thessalia wird häufig im Zusammenhang mit rechtsextremem Gedankengut genannt.

Es war nur eine kurze Notiz auf der Facebookseite des Studierendenparlaments: „Das StuPa befindet mit zwei Dritteln Mehrheit, dass die Burschenschaft Thessalia zu Prag in Bayreuth als extremistische oder extremistisch beeinflusste Organisation eingestuft werden könnte bzw. verfassungsfeindliche Zielsetzungen verfolgt. Daher regt das StuPa an, die Thessalia von einer weiteren Kooperation, z.B. im Rahmen des Mensaabends, auszuschließen, das weitere Vorgehen wird mit der Hochschulleitung abgesprochen.“ An diese Nachricht schließt sich eine kontroverse Diskussion an, in der es vor allem um den Nachweis möglicher rechtsextremer Aktivitäten der Burschenschaft geht.

Roland Fink ist Mitglied des Studentenparlaments und treibende Kraft hinter dem Ausschlussverfahren. Finks Familie kommt aus dem Sudetenland, er selbst ist im Heimatverein aktiv. Er sagt: „Die rechte Propaganda der Thessalia stört mich ganz persönlich. Solche Leute schaden dem Anliegen der Vertriebenen.“ Es gebe immer wieder Hinweise auf enge Kontakte zu Neonazis. Offiziell lehnt die Vereinigung zwar den Rechtsextremismus ab, schließt Ideologen wie den von 2000 bis 2004 zur NPD gehörenden Publizisten Jürgen Schwab sogar aus der Burschenschaft aus. Aber: Die Thessalia gehört zum Verband Deutscher Burschenschaften. Dieser erntet häufig Kritik wegen nationalistischer Töne und rechtsradikaler Umtriebe. Und auf der Internetseite der Thessalia heißt es: „Aus dieser burschenschaftlichen Tradition heraus ist es selbstverständlich, dass nur Thessale werden kann, wer deutscher Abstammung ist, egal welchen Pass er trägt.“ Und weiter: „Thessalen sollen demnach männliche Studenten deutscher Abstammung sein, die sich geistig und körperlich ausbilden, um später in führender Position für das Wohl eines einigen und freien Vaterlands zu wirken.“

Wie verträgt sich das mit der Zielsetzung der Universität, junge Menschen aus aller Welt im Geiste von Offenheit und kultureller Vielfalt auszubilden? Uni-Präsident Stefan Leible sagt dazu: „Diskriminierung aufgrund von Staatsangehörigkeit, Religion, ethnischer Zugehörigkeit oder sexueller Ausrichtung haben in Deutschland und erst recht an einer international agierenden und weltoffenen Universität wie der Universität Bayreuth nichts zu suchen.“ Die Hochschulleitung begrüße daher nachdrücklich das Bestreben des Studierendenparlaments, künftig nur noch Gruppierungen zum Semestereröffnungsabend zuzulassen, die keine diskriminierenden Zugangsvoraussetzungen haben.

Diese Woche fand ein Gespräch zwischen Hochschulleitung und Stupa über das weitere Vorgehen statt, an dem die Burschenschaftler nicht teilnahmen. Eine endgültige Entscheidung über den Ausschluss der Thessalia vom Mensaabend ist noch nicht gefallen.

Die Burschenschaft ließ telefonische und schriftliche Anfragen des Kuriers unbeantwortet.

Info: Der Mensaabend findet zu Beginn des Wintersemesters statt. Er dient der Begrüßung der Erstsemester. Dabei stellen sich die verschiedensten Organisationen, die an der Uni aktiv sind, vor.

 

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