Stromtrasse: Projektchef aus Speichersdorf

Der gebürtige Speichersdorfer Andreas Herath ist bei Tennet für die Planung der Gleichstromleitung Südost-Link zuständig. Er zeigt ein Stück Erdkabel, wie es ähnlich auch beim Bau der Leitung zum Einsatz kommt. Foto: Ronald Wittek

Andreas Herath kommt aus Speichersdorf, dort her, wo der Protest gegen die umstrittene Gleichstrompassage Süd-Ost wohnt. In Speichersdorf gibt es eine der aktivsten Bürgerinitativen gegen die Leitung. Seit das Mega-Projekt in die Zuständigkeit des Bayreuther Übertragungsnetzbetreibers Tennet übergegangen ist, ist Herath Projektleiter. Eine hunderte Kilometer lange Erdkabeltrasse durch seine Heimatregion zu planen, bringe ihn nicht um den Schlaf.

Ursprünglich war der Dortmunder Übertragungsnetzbetreiber Amprion für die Leitung zuständig, die bei ihren Gegnern als Monstertrasse verschrien war. Da der neue Endpunkt bei Landshut im Netzgebiet von Tennet liegt, ist jetzt Tennet zuständig. Der Netzbetreiber hat dem Projekt auch gleich einen neuen Namen verpasst. Die Leitung heißt jetzt Südost-Link. Gleichstrompassage Süd-Ost - der Name ist verbrannt.

Noch nie ein solches Ausmaß an Protest erlebt

Die Befürworter der Leitung sagen, es geht um die Energiewende. Über Südost-Link solle vor allem sauberer Windstrom aus dem Norden nach Bayern fließen. Die Gegner sagen, es geht um Braunkohlestrom. Die Leitung habe nichts mit der Energiewende zu tun, verschandele die Landschaft und gefährde die Gesundheit der Betroffenen. Der Protest gegen das ehemalige Amprion-Projekt war heftig.

Das Thema mit den vermeintlichen Monstermasten ist durch. Die Leitung soll jetzt vollständig unterirdisch verlaufen. Wie und vor allem wo, das obliegt der Planung von Andreas Herath. Er habe es bei seinen bisherigen Projekten noch nie erlebt, „dass sich die Menschen so gegen etwas auflehnen“, sagt der Maschinenbau-Ingenieur.

Heraths erstes Großprojekt bei Tennet war der Ostbayernring

Ob er als gebürtiger Speichersdorfer bei den Betroffenen einen Heimvorteil hat? Natürlich kenne er sich in der Region aus. „Und ich weiß vielleicht, wie die Leute hier ticken“, sagt er. „Aber wichtig ist doch, wie man auf die Menschen zugeht.“ Er habe auch schon in Norddeutschland Leitungen geplant. Dort war er ein Fremder. „Aber ich hatte zu den Leuten immer ein gutes Verhältnis.“

Andreas Herath ist Maschinenbau-Ingenieur und hat Betriebswirtschaftslehre studiert. Angefangen hat er beim Energiekonzern Eon, hat an Kraftwerksstandorten in Bayern und Hessen gearbeitet. Seit vier Jahren ist er nun bei Tennet und wieder in Speichersdorf zu Hause. Sein erstes großes Projekt beim Bayreuther Unternehmen war der sogenannte Ostbayernring, der Neubau einer 185 Kilometer langen Stromleitung vom oberfränkischen Redwitz nach Schwandorf in der Oberpfalz.

Mit nur 35 Jahren für ein zentrales Energiewende-Projekt zuständig

Jetzt ist er für die Gesamtplanung des bayerischen Teils von Südost-Link zuständig. Herath soll erarbeiten, wo die Stromleitung entlang führen soll, die in der Politik als eines der zentralen Projekte der Energiewende gilt. Und das mit gerade einmal 35 Jahren. „Das ist schon etwas Besonderes“, sagt er. „So eine Gelegenheit hat nicht jeder.“

Der technische Teil sei eher Routine, auch wenn es unterirdische Gleichstromleitungen in dieser Dimension in Deutschland noch nicht gibt. Die Herausforderung ist für Herath „den Menschen zu erklären, warum und wie man das macht“. Er erinnert sich noch gut an den Januar 2014, als Amprion mit seiner Informationsveranstaltung in der Dr.-Stammberger-Halle in Kulmbach baden ging. Über die Berichte von der Veranstaltung sei er „schockiert“ gewesen, als sich die Amprion-Leute einer Halle voller aufgebrachter Bürger gegenüber sahen.

„Wir müssen verloren gegangenes Vertrauen wieder aufbauen.“

Das soll bei Tennet anders laufen. Erst einmal im stillen Kämmerlein planen und dann Zwischenergebnisse vorstellen, gebe es mit ihm nicht. „Das haben wir schon immer anders gemacht“, sagt der Tennet-Projektleiter. Erste Gespräche mit Kommunalpolitikern und Bürgerinitiativen haben bereits stattgefunden. „Wir müssen verloren gegangenes Vertrauen wieder aufbauen.“

Es gibt eine Grenze, die Herath zieht. Bei der Frage, ob die Leitung überhaupt gebraucht werde, „haben wir keinen Spielraum“. Nicht zuletzt der Energiedialog in München mit Wirtschaftsministerin Ilse Aigner habe bestätigt, dass die Stromlücke, die durch den Atomausstieg in Bayern entsteht, mit neuen Leitungen geschlossen werden soll. Darüber, wo und wie die Leitung gebaut wird, will Herath von Anfang an mit allen Betroffenen diskutieren.

Und was, wenn Speichersdorf am Ende aus dem Trassenverlauf raus ist und der Verdacht aufkommt, der Projektleiter wolle sich die Leitung nicht an der eigenen Haustür vorbei legen? „Nein, da habe ich gar keine Angst“, sagt Herath. Er ist sich sicher, dass er jeden Planungsschritt nachvollziehbar darstellen kann. „Das wird ja nicht ausgewürfelt.“

 

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