Stimmung durchwachsen Wetter trübt Weihnachtsgeschäft in Oberfranken

Endspurt im Weihnachtsgeschäft: Viele Geschäfte locken inzwischen mit satten Prozenten. Foto: Christian Charisius/dpa

BAYREUTH. Für die Händler in Oberfranken lässt das Weihnachtsgeschäft zu wünschen übrig. Im Regen Ende Dezember ist bei dem ein oder anderen potenziellen Kunden wohl keine Weihnachtsstimmung aufgekommen. Thorsten Becker, Geschäftsführer des Handelsverbandes Bayern für Oberfranken, ist dennoch optimistisch. 

Zwar sind die Zahlen vom Dezember noch nicht da, aber Becker ist bis dato mit dem Geschäftsjahr 2018 „ganz zufrieden“: „Wir werden wahrscheinlich ein leichtes Umsatzplus hinkriegen“, bilanziert er. Zwar sei der Dezember „relativ durchwachsen“ gelaufen, aber der Vormonat sei im Verhältnis gut gewesen.

„Im November gab es viele umsatzstarke Aktionen. Dazu gehören zum Beispiel der Black Friday und der Cyber Monday – also Aktionen, die aus Amerika zu uns herübergeschwappt sind.“ Findet das neue Haupt-Weihnachtsgeschäft jetzt also im November statt? Nein, glaubt Becker. „Wir sehen ja, was die Leute kaufen, und das sind hauptsächlich Elektronikartikel und Medien. Das sind nicht die klassischen Geschenke, so etwas kauft man eher für sich selbst.“  

Zum Weihnachtsgeschäft kann Becker noch keine Bilanz ziehen, Zahlen liegen noch nicht vor. Dennoch, das Zwischenfazit des Geschäftsführers fällt bescheiden aus: „Die Umsätze sind bisher nicht sonderlich gut. Das liegt vor allem am Wetter, das wir in den letzten Wochen hatten. Nass, warm, dunkel – da kommt bei den Leuten einfach keine Weihnachtsstimmung auf.“ 

Auch der Jahresumsatz der Textilbranche lässt – wetterbedingt – zu wünschen übrig. „Es wurde im Juni warm, als die Herbstware kam. Und es blieb so warm, sodass man diese Produkte gegen Ende der Saison mit entsprechenden Rabatten abverkaufen musste.“

Allgemein bekomme das Wetter einen immer größeren Einfluss auf das Kaufverhalten der Menschen. „Die Kunden brauchen entsprechendes Wetter, um einkaufen zu gehen. Ist es zu heiß, verlagert sich der Kundenstrom in klimatisierte Einkaufszentren, sind die Temperaturen normal, gehen die Leute eher in die Stadt“, berichtet Becker. Gut lief 2018 in Oberfranken der Lebensmittelhandel. „Viele Kunden legen mehr Wert auf gute, regionale Produkte. Und die sind etwas teurer.“ 

Ein großes Ladensterben sehe er aufgrund des wachsenden Onlinehandels nicht, sagt der oberfränkische Verbandsgeschäftsführer. „Natürlich gibt es immer Geschäfte, die den Platz räumen, aber dafür wird auch etwas Neues geschaffen.“ Becker: „Man kann ja kaum von Konkurrenz reden, wenn über 70 Prozent der Einzelhändler selbst einen Online-Shop als zweites Standbein aufgebaut haben.“ Zudem seien in vielen Branchen die Sättigungsgrenzen für Online-Shops bereits erreicht, sodass kaum neue dazu kamen.

Für 2019 nennt Becker ein paar Tendenzen. Die erste Prognose betrifft alle Produkte, die „im Zusammenhang mit handwerklichen Tätigkeiten“ stehen, beispielsweise Parkett oder Möbel. Diese Branche laufe zwar momentan gut, aber es gebe kaum mehr Luft nach oben. Der Grund dafür sei der nach wie vor gravierende Handwerkermangel.  

So könnten Hersteller nichts mehr über den Preis verkaufen, da die Käufer entweder keinen Handwerker fänden, der das Produkt aufbaut oder installiere, oder der Aufbau allein schon zu teuer sei. Das ebnet aber den Weg für eine weitere Branche: „Baumärkte laufen jetzt besser, weil die Kunden lernen müssen, kleinere Arbeiten selbst zu machen“, erklärt Thorsten Becker. 


Plus in 2018: Der oberfränkische Einzelhandel erwirtschaftete nach Verbandsangaben zuletzt einen Jahresumsatz von knapp 5,3 Milliarden Euro. Die Branche bietet 34.000 sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze. Mehr als ein Drittel des Gesamtumsatzes entfällt auf die Oberzentren Bayreuth, Bamberg, Coburg und Hof. 

Bayernweit machte der Einzelhandel 2017 insgesamt 67.5 Milliarden Euro Umsatz, 2018 werden es rund 70 Milliarden sein. Das entspricht einem Plus von 3,5 Prozent. 

 

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