Stadtrat: Sitzungssaal kommt aufs Sofa

Licht aus, Spot an: Das wird ab Mittwochnachmittag für 18 Monate bei allen Sitzungen des Stadtrats wörtlich genommen. Denn für einen 18-monatigen Testzeitraum werden die Sitzungen live ins Internet übertragen. Rund 30.000 Euro kostet der Versuch, für den seit Ende Juni die technischen Vorbereitungen getroffen worden waren. Die Premiere ist gleichzeitig die Generalprobe.

Die 44 Bayreuther Stadträte, die Mitglieder der Stadtverwaltung und die - meist wenigen - Zuschauer im Sitzungssaal werden sich umstellen müssen, denn: Im Sitzungssaal im Rathaus werden die Jalousien heruntergelassen. Statt Tageslicht gibt es eher sanftes Kunstlicht. "Die künstliche Beleuchtung erzeugt das günstigste Bild auf die Person", sagt Michael Wittenbeck aus dem Hauptamt der Stadt, der für die Live-Übertragung zuständig ist. "Zum Filmen braucht man eine gleichmäßige Beleuchtung. Bevor die Sitzung losgeht, wird es erst einmal dunkler im Saal", sagt Sabine Haberland, ebenfalls aus dem Hauptamt.

Spots an - und die Downlights

"Dann die Spots an - und die Downlights", sagt Haberland und drückt auf dem Schaltpult links von der Referentenbank die entsprechenden Knöpfe. In den vergangenen Wochen war die Technik für die vom Stadtrat beschlossene Testphase installiert worden. "Eine Kamera vorne, oben neben der Leinwand. Die ist für die Stadträte. Eine hinten im Saal, die ist auf das Podium gerichtet", sagt Wittenbeck. Hinten im Raum neben den Zuschauerrängen hat das Bayreuther Multimedia-Unternehmen TMT, das die Ausschreibung für die Live-Übertragung gewonnen hat, ein mobiles Regiepult aufgebaut. "Es ist immer ein Filmteam vor Ort, damit die Person, die spricht, in Wort und Bild übertragen wird", sagt Wittenbeck.

Nicht alle wollen gefilmt werden

Das ist wichtig, weil: "Nicht alle Stadträte und Referenten haben einer Übertragung zugestimmt. Sie müssen in Wort und Bild ausgeblendet werden", sagt Haberland. Deshalb wird ihr Kollege Michael Wittenbeck für die Zeit der Stadtratssitzungen Regie führen und dem Filmteam - am Mittwoch werden Pamina von der Galiën und Heiko Popp von TMT zuständig sein - sagen, wer gerade spricht. Und wer nicht zu sehen sein darf. Nach Informationen unserer Zeitung haben sieben Stadträte und drei Referenten keine Zusage erteilt.

Genau definierte Position für jeden Stadtrat und Referenten

Wie Haberland sagt, gibt es "für jeden Stadtrat eine genau definierte Kameraposition, die eingenommen wird, sobald er oder sie spricht. Das gleiche gilt für das Podium". Für die Personen, deren Beiträge nicht gesendet werden dürfen, werde eine Tafel eingeblendet, auf der zu lesen sein wird: "Steht in Wort und Bild nicht zur Verfügung." So sehe es das Datenschutzrecht vor, "es gibt eine gigantische Abhandlung des Datenschutzbeauftragten darüber", sagt Haberland. Die Stadt Bayreuth wolle die Übertragungen "schließlich rechtskonform machen. Deshalb wird es auch keine Mediathek geben, in der die Sitzungen gespeichert werden". Sobald der "Live-Stream beendet ist, wird er gelöscht", sagt Wittenbeck. "Ebenso ist es untersagt, den Stream mitzuschneiden."

Lange Vorgeschichte: Erster Antrag kam 2012

Die Live-Übertragung aus dem Stadtrat hat eine lange Vorgeschichte, wie Haberland auf Nachfrage unserer Zeitung sagt: "Der erste Antrag dafür kam im Jahr 2012." Einen ersten Beschluss für eine Live-Übertragung habe es im März 2013 gegeben. Dann seien verschiedene Varianten geprüft worden, schlussendlich sei im Februar 2015 der Beschluss gefasst worden, dass man in der jetzt umgesetzten version eine Live-Übertragung angehen wolle. "Allerdings hat man dann festgestellt, dass die personellen Ressourcen nicht ausreichen. Denn der Aufwand ist sehr groß."

System selbst entwickelt

Markus Spona von TMT sagt, das Unternehmen habe ab Ende Juni an der Lösung für das Bayreuther Rathaus gearbeitet. "Das System, das hier installiert ist, haben wir selber entwickelt." Die beiden Kameras werden laut Spona über zwei Touchscreens gesteuert. "Per Fingertipp fährt die Kamera direkt auf denjenigen, der spricht." Die Kameras hätten standardmäßig nur vier Plätze zur Verfügung gehabt, "jetzt haben wir 50 bis 60 Felder hinterlegt". Es sei "durchaus eine Herausforderung" gewesen, da freie Plätze hinterlegt werden mussten - für die, die ausgeblendet werden müssen.

Eine Sitzprobe mit Statisten gab es

Eine Sitzprobe hatte das Filmteam bereits machen können. Allerdings werde "die erste Live-Übertragung die Generalprobe für uns", sagt Spona. Zudem wird die erste Sitzung nicht ganz einfach: "Wir haben erst mehrere öffentliche Tagungsordnungspunkte, dann einen nicht-öffentlichen. Anschließend noch einmal einen öffentlichen Punkt, bevor der große nicht-öffentliche Teil kommt", sagt Haberland. "Und bei nicht-öffentlicher Sitzung muss auch das Filmteam aus dem Saal."

Maximal 500 dürfen zuschauen

Die Stadtverwaltung rechnet bei den ersten Sitzung mit "300 bis 350 Zuschauern des Streams", sagt Haberland. "Maximal 500", sagt Spona, dürfen gleichzeitig zuschauen. "Aus medienrechtlichen Gründen." Erfahrungen aus anderen Städten hätten aber gezeigt, dass das Interesse an den Übertragungen "mit der Zeit abnimmt und sich auf 20 bis 50 Zuschauer einpendelt".

Die letzte große Debatte gab es im Febraur 2015 zu dem Thema

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