Stadtrat entscheidet heute über Hallenbau an der Wilhelminenaue -- Nahversorger statt Tennisplätze? Mehrheit für eine Basketballhalle steht

So könnte sie aussehen, die Trainingshalle für den Basketballnachwuchs im Eingangsbereich zur Wilhelminenaue. Die Halle soll etwa 4000 Quadratmeter groß und 9,6 Meter hoch werden. Dazu ist ein Verwaltungsgebäude geplant, das etwa 1300 Quadratmeter groß sein soll. Zu guter Letzt soll es Basketballfeld im Freien geben, das von jedermann genutzt werden kann. Das Gebäude des angrenzenden Waldorfkindergartens soll etwa 500 Quadratmeter groß werden, die Freifläche darum herum knapp 2400 Quadratmeter. Jetzt entscheidet der Stadtrat über den Standort. Foto: Medi Bayreuth

Der Stadtrat beschäftigt sich am Mittwoch, 25. Oktober, mit dem Plan, im Eingangsbereich zur Wilhelminenaue eine Trainingshalle für die Nachwuchsmannschaften von Medi Bayreuth zu bauen. Anders als noch vor zwei Wochen scheint der Widerstand im Stadtrat gebrochen. Wenn sich nicht doch noch ein anderes Grundstück findet.

Noch im Bauausschuss hatten die Fraktionen von CSU und FDP/DU gegen die Pläne gestimmt, eine Trainingshalle für den Basketballnachwuchs an der früheren Ouvertüre der Landesgartenschau zu bauen. Von einem „Filetstück“ war die Rede und davon, dass der Eingangsbereich des für etliche Millionen Euro hergerichteten Naherholungsgebietes etwas Schöneres als eine „Betonhalle“ verdient habe. Während Stephan Huttner (FDP) von einer „gruseligen Vorstellung“ sprach und Helmut Zartner (DU) die Bedeutung des Basketballs in Bayreuth infrage stellte, bedauerte CSU-Fraktionssprecher Stefan Specht, dass die Stadtverwaltung alternative Standorte, allen voran Gewerbeflächen, nicht ausreichend geprüft habe. Jetzt sagt Specht: „Wenn keine Alternative mehr vorgestellt wird, werden wir zustimmen. Wenngleich wir den Standort immer noch nicht gut finden.“ Man wolle dem Basketballverein keine Steine in den Weg legen.

Galewski bittet um Unterstützung

Am Montagabend hatte Philipp Galewski, der Geschäftsführer von Medi Bayreuth und der Präsident der Nachwuchsabteilung Tennet Young Heros, noch in der Fraktionssitzung der CSU um Unterstützung gebeten. Im Gespräch mit dem Kurier sagt Galewski: „Es gibt keine geeigneten Alternativstandorte. Wir haben einiges geprüft.“ Des Weiteren habe sich der Verein das Grundstück nicht ausgesucht, sondern es sei von der Stadt angeboten worden, als bekannt wurde, dass der Verein eine Halle bauen wolle.

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Zuvor seien ein Bau auf dem Volksfestplatz, auf dem Gelände der früheren Jugendherberge, auf stillgelegten Tennisplätzen in der Scheffelstraße, in Wolfsbach und an Stelle von Spielflächen an der Hindenburgstraße im Gespräch gewesen. Auch dem Vorschlag von CSU-Stadtrat Helmut Parzen, einen ungenutzten Streifen zwischen Tennisclub Rot-Weiß und dem FC Bayreuth zu nutzen, erteilt Galewski eine Absage. Statt in einer Halle zwei Basketballplätze nebeneinander zu bauen, müssten sie dort hintereinander entstehen. „Das entspricht überhaupt nicht unserem Konzept“, sagt Galewski, der plant, beide Trainingsplätze zu einem Wettkampfspielfeld zusammen zu führen.

Eine Halle als Ergänzung

Den Standort Wilhelminenaue bezeichnet Galewski daher als ideal. Er sei für die Jugendspieler, die teilweise ohne Eltern in Bayreuth lebten, zu Fuß oder mit dem Rad erreichbar. Er liege außerdem in Nachbarschaft zum Markgräfin-Wilhelmine-Gymnasium, in dessen Internat auch Nachwuchsspieler des Vereins untergebracht seien. Zu weiteren Sportmöglichkeiten in der Wilhelminenaue stelle die Halle samt ihrem für jedermann bespielbaren Außenplatz eine gute Ergänzung dar. Auch Vandalismus in der Aue könne die Halle entgegen wirken. „Wir wären schließlich jeden Tag bis 22, 23 Uhr auf dem Gelände.“

Kommt die Halle nicht, befürchtet der Geschäftsführer dagegen weitere Wettbewerbsnachteile für den Verein. Nachwuchsspieler aus der Region würden schon heute zu anderen Clubs wechseln, weil die Trainingsmöglichkeiten vielerorts besser seien als in Bayreuth. „Wir werden kaum noch Talente rekrutieren“, prophezeit Galewski. Dass die Stadt dem Verein zu Trainingszwecken in Oberfrankenhalle und Sportzentrum oft den Vorzug gebe, bezeichnet Galewski als eine Notlösung, die die Verantwortlichen der Basketball-Bundesliga vielleicht eines Tages nicht mehr tolerierten. Bedingung für eine Lizenz für die höchste deutsche Spielklasse sei aber auch, dass die Vereine ihre Nachwuchsabteilungen auf Bundesliganiveau betrieben. Für 22 Millionen Euro sei deshalb in Ulm ein Nachwuchszentrum in Planung, und selbst Abstiegskandidaten wie Göttingen hätten ein mehrere Millionen Euro teures Trainingszentrum bekommen. Verglichen damit sei der etwa 2,5 Millionen Euro teure Hallenbau in Bayreuth geradezu billig. Die Kosten wollen Verein und Sponsor Tennet stemmen.

Nachteile für andere Vereine

Aber nicht nur für Medi befürchtet Galewski auf Dauer Nachteile. Wenn die Oberfrankenhalle aufgrund von Messen oder Bällen für einige Tage nicht genutzt werden könne, vertrieben die Profi-Basketballer andere Vereine und Mannschaften aus dem Sportzentrum, die dann wiederum nicht trainieren könnten.

Galewski sagt: „Wir müssen kein anderes Grundstück finden, weil es konkret kein anderes Projekt gibt, das dorthin passt.“ Tatsächlich ist die Basketballhalle das einzig bislang bekannte Projekt, das auch noch Platz für einen Waldorfkindergarten auf dem Gelände ließe. Der wiederum wird von allen Fraktionen im Stadtrat unterstützt. Plänen, wonach der Tennisclub Rot-Weiß von der Friedrich-Ebert-Straße an die Wilhelminenaue ziehen könnte, erteilt mittlerweile auch CSU-Fraktionssprecher Specht eine Absage: „Halle bleibt Halle, das macht keinen Unterschied.“ Zu Gerüchten, wonach dieser Schritt nötig sei, um an Stelle der bestehenden Tennisplätze Platz für einen Nahversorger zu machen, sagt Specht: Die Pläne seien noch so unkonkret, dass man den Basketballverein so lange nicht warten lassen könne.

Weitere Themen im Stadtrat:

Es wird ein historischer Tag werden. Nach 57 Jahren wird der Stadtrat Bayreuth den Namen "Herzogmühle" von der Stadtkarte streichen. Die Straße, die künftig geradewegs durch das Sanierungsgebiet verläuft, soll wie das neue Wohngebiet heißen, das dort entsteht: Untere Rotmainaue. Die zwei letzten verbliebenen Häuser entlang der Straße sollen nach Auszug der Bewohner abgerissen werden. Anschließend wird das Viertel von der Gewog neu aufgebaut.

Auf Antrag der Uni Bayreuth soll zudem eine Straße nach dem 2013 bei einem Verkehrsunfall in Köln verstorbenen Unipräsidenten Rüdiger Bormann benannt werden. Weil Bormann maßgeblichen Anteil an der Gründung der Technologie-Allianz Oberfranken (TAO) habe, soll die Straße, die vom neuen Kreisel an der Universitätsstraße zum TAO-Gebäude führt, nach ihm benannt werden.

Auf dem Gelände, auf dem bis vor Kurzem noch der Baywa-Turm stand, soll ein Quartier mit Seniorenheim, Wohngebäuden, Gewerbe und anderem entstehen. Der Stadtrat muss entscheiden, ob er dieses Quartier noch einmal vergrößern will. Zu der Fläche von bislang sieben Hektar, könnten rund 1,5 dazu kommen. Nachdem die Pläne zum ersten Mal öffentlich ausgelegt wurden, soll das neue Mischgebiet im Westen um ein Gebäude an der Straße Grüner Baum erweitert werden, im Osten um das Gelände der ehemaligen Nagelfrabrik und im Süden bis zur ehemaligen Gefängnismauer vor dem Ordensschloss.

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