Stadthalle: Tonnenschwere Überraschungen

Sieht aus wie ein unidentifiziertes fliegendes Objekt, ist aber nur die Eröffnung überm Foyer der Stadthalle, mit den Mitgliedern des Bauaausschusses als Besucher, Foto: Andreas Harbach

War’s das mit den Kostensteigerungen an der Stadthalle? Die Experten machen dem Bauausschuss leise Hoffnungen. So manchem Stadtrat wurde aber wohl erst bei der gestrigen Begehung zur Sitzung des Bauausschusses klar, welch massive Herausforderung das nunmehr auf 62 Millionen Euro veranschlagte Mega-Projekt in Wirklichkeit ist.  

Man blickt auf nackten Sandstein und Ziegelwände, einst von Holzpanelen versteckt; nach oben kann der Blick ungehindert bist zum Giebel schweifen, nun, da die Zwischendecke abgetragen ist.

Mit dem Drumherum schwindet auch die Erinnerung an Konzerte, Bälle, Theater. Man kann sich nur noch mit Mühe erinnern, wie das früher mal ausgesehen, wie es sich angefühlt hat: die braunen Holzverkleidungen, die moosgrünen samtenen Sitze, das kühle matte Licht, das aus den weißen Quadraten der Saaldecke aufs Parkett fiel. Alles ist in den vergangenen Monaten abgetragen worden, „zurückgebaut“, wie Leute vom Fach sagen. Auch der Boden ist längst weg, die Abgründe der Stadthalle liegen einem offen vor Augen, die Schächte, Korridore, der Raum unter der Bühne, der Orchestergraben: eine Betonlandschaft, von Schluchten durchzogen.

Die Macken eines Hauses

Offen vor Augen liegt einem nicht nur der Untergrund des Großen Hauses, es kommen auch Macken zum Vorschein. „Nur eine Reithalle aus dem Barock zu sanieren, wäre nicht so schwierig“, sagt Stadtbaureferentin Urte Kelm. Aber eine einfache Barock-Reithalle ist der Komplex eben nicht. Mehrfach umgebaut, immer wieder ergänzt, mit angestückelten Gebäuden. Im Sektor der Handwerkskammer, im ersten Stock, überspannen zwei massive Stahlträger den Raum. „Nein, die sind nicht aus dem Barock“, sagt Hochbaumtsleiter Stefan Bouillon auf eine nicht ganz ernst gemeinte Frage.  

Wann genau und wie die beiden Monstren da reingekommen sind, wäre schon schwieriger zu beantworten, erst recht, wie sie sich überhaupt dort oben halten, auf ihrem windigen Ziegellager. Ein paar Räume weiter schließt ein aus Sandstein gemauerter Originalabschnitt der markgräflichen Reithalle an ein Ziegel-Mäuerchen, statisch irgendwie bedenklich. Auf Flickwerk stößt man häufiger beim Rundgang, „die haben damals manchmal echt anders gearbeitet“, sagt Bouillon. Heißt: gut im Improvisieren, manchmal anscheinend ganz versessen darauf, mitunter auch verspielt. Durch Löcher im Boden des  Balkonsaals kann man in die Wandelhalle  blicken. Dünn ist der Beton dort, sehr dünn. Dass er trägt, liegt an den Rippen, die eingezogen wurden. Trickreich, aber akustisch unzureichend:  Schalldicht bekommt man den Saal so nicht, genau das aber soll er in Zukunft sein.  

Bald beginnen die Arbeiten an der Tiefgarage

Es sind Überraschungen wie diese, die den Bau teurer machen. 3,3 Millionen Euro allein wegen der schlechten Rohbausubstanz, hinzu kommen weitere 2,6 Millionen Euro wegen Kostensteigerungen. Mehrkosten, die möglicherweise an Bayreuth hängenbleiben. So viel war bei der Haushaltsberatung zu erfahren.  

Im Großen  Haus werden demnächst Betonmäuerchen abgetragen, danach wird der Untergrund zwei Meter tief ausgeschachtet, nun schon unter den Augen von Archäologen, die solche Projekte begleiten müssen, ebenso wie demnächst die Ausschachtung der Baugrube des Kleinen Hauses. „Dass sie etwas finden, ist nicht zu erwarten“, sagt Urte Kelm. Auch Projektleiter Stefan Bergmann äußert sich optimistisch. Was die Teile betreffe, die böse Überraschungen bergen könnten, sei man „aus dem Gröbsten raus“. Der Tanker bleibt vorerst auf Kurs. Im Laufe des März sollen dann auch die Arbeiten an der maroden Tiefgarage unter dem Geißmarkt beginnen.

    

  

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