Stadthalle: Lieber Osmund statt Aub

Das Forum am Hofgarten, der von einer Kommission gefundene Name für die Stadthalle, steht in der Kritik. Nachdem Halil Tasdelen den Rabbiner Joseph Aub als Namensgeber ins Spiel gebracht worden war, kommt Verwunderung über diesen Vorschlag aus der jüdischen Gemeinde. Foto: Archiv/Eric Waha

Verwunderung über den Vorstoß von Halil Tasdelen (SPD), die Stadthalle nach dem Rabbiner Joseph Aub zu benennen: Der Vorsitzende der Israelitischen Kultusgemeinde (IKG), Felix Gothart, sagt am Sonntag im Gespräch mit unserer Zeitung, er begrüße zwar den Vorschlag grundsätzlich, "die jüdischen Bürger Bayreuths zu berücksichtigen, was in anderen Städten längst üblich ist". Aber: Kulturell einen ganz anderen Stellenwert hätte ein anderer Namensgeber: Emanuel Osmund.

Joseph Aub sei für ihn nicht der geeignete Namensgeber der Stadthalle, sagt Felix Gothart. "Es hat vor Aub schon jüdische Mitbürger gegeben, die maßgeblich am Leben, an der Entwicklung und auch an der Gestaltung Bayreuths beteiligt gewesen sind", widerspricht Gothart dem Historiker Norbert Aas. Untrennbar mit dem markgräflichen Hof und damit auch mit der Entwicklung Bayreuths zu Zeiten von Markgräfin Wilhelmine und Markgraf Friedrich - der ja ebenfalls als Namensgeber im Gespräch ist - verbunden: "David und Moses Säckel. Sie waren als die Finanzminister von Markgraf Friedrich nach Bayreuth geholt worden", sagt Gothart.

Wohlhabend, hoch gebildet, international vernetzt

Und sie haben zehn Familien mit nach Bayreuth gebracht. Die, so ist es im Buch "Jüdisches Bayreuth" nachzulesen, mussten nach Vorgabe des Markgrafen ein Mindestvermögen nachweisen können. "So kamen relativ wohlhabend jüdische Leute nach Bayreuth, die hoch gebildet waren und über internationale Vernetzung verfügten. Das belegt auch die Genisa, in der wir viele Schriften gefunden haben", sagt Gothart. Die jüdischen Mitbürger hätten sich sehr wohl am Leben in Bayreuth, auch am gesellschaftlichen, beteiligt. Vor Aub. Und auch nach Aub. Jüdische Mitbürger aus Bayreuth hätten international Anerkennung erfahren: Egal, ob es Julius Herz war, der Bruder des Professors Jakob Herz, unter dessen Leitung die Sankt Gallisch-Appenzellische Eisenbahn gebaut wurde. Oder Fischel Arnheim, der als "zweiter Jude in die bayerische Abgeordnetenkammer gewählt wurde", wie Gothart sagt.

Rabbiner: "Nicht optimal"

Gothart sagt, er wolle sich nicht in die Namensgebung der Stadthalle einmischen, "das sollen wirklich andere entscheiden". Aber: Wenn ein jüdischer Mitbürger als Namensgeber für die Stadthalle fungieren solle, dann "sehe ich einen Rabbiner als nicht optimal für eine Kulturstätte an". Viel näher liege da Emanuel Osmund - schon allein durch die räumliche Nähe zum Jean-Paul-Platz, Jean Pauls Denkmal und der Stadthalle: Osmund, Kaufmann, Bankier und Güterhändler, war einer der engsten Freunde Jean Pauls. Osmund sei - "ein trauriges Beispiel für den herrschenden Antisemitismus", wie Gothart aus dem Buch zitiert - von betrunkenen Offizieren nahe der Schlosskirche 1792 misshandelt worden, weshalb er ein Leben lang schwerhörig war.

Bekannt mit bedeutenden Zeitgenossen, benannt nach Jean Pauls Vorschlag

Jean Paul und er hatten sich ein Jahr darauf kennengelernt, Osmund unterstützte den Dichter nicht nur bei der Wohnungssuche, sondern kümmerte sich auch um den Biernachschub für seinen Freund. Zudem war Emanuel Osmund, "für die damalige Zeit wirklich ein cooler Typ", wie Gothart es formuliert, mit bedeutenden Zeitgenossen bekannt, sagt Gothart: Johann Gottfried Herder, Paul Emil Thierot, Karl August von Wangenheim und Charlotte von Kalb, die nicht nur mit Jean Paul, sondern auch mit Goethe bekannt war. Und: Jean Paul fungierte 1813 als Namensgeber für Osmund, als der nach Einführung des bayerischen Judenedikts einen festen Familiennamen annehmen musste.

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