SpVgg: Flutlicht für 1,5 Millionen

Soll eine Flutlichtanlage erhalten, wenn die Spielvereinigung den Aufsteig in die Dritte Liga schafft: das Hans-Walter-Wild-Stadion in Bayreuth. Foto: Archiv/Ronald Wittek

In der Regionalliga Bayern belegt die Spielvereinigung Bayreuth derzeit den 15. Platz. Die Stadt hat also noch Zeit, das Hans-Walter-Wild-Stadion auf die Anforderungen höherklassigen Fußballs vorzubereiten. Es mit einer Flutlichtanlage auszustatten beispielsweise. Einer, die den Anforderungen einer Fernsehübertragung genügt. In diesem Jahr hat die Stadt mit der Planung begonnen. Sie will schließlich vorbereitet sein, wenn der Aufstieg in die Dritte Liga gelingt. Wären da nur nicht die Kosten. Und die Anwohner.

Die Stadt Würzburg hat es vorgemacht. Rund 350.000 Euro soll die Flutlichtanlage dort gekostet haben, so heißt es aus dem Bauausschuss der Stadt. In Bayreuth wird es aber teurer. Alleine 120.000 Euro haben die Stadträte zu Beginn des Jahres bereitgestellt, um mit der Planung zu beginnen. Unter anderem galt es zu ermitteln, ob der Boden für den Aufbau großer Flutlichtmasten überhaupt geeignet ist.

Für vier Masten mit insgesamt rund 250 Lampen wird die Stadt aller Voraussicht nach 1,5 Millionen Euro in die Hand nehmen müssen. Mindestens. Denn wenn statt mit Halogenlampen mit LED aufgerüstet wird, dann kommt eine weitere Million dazu.

800 Lux: Von Champions League weit entfernt

800 Lux stark soll die Beleuchtung im Falle eines Aufstiegs der Spielvereinigung Bayreuth sein. Gemessen nicht in 45 Metern Höhe, also dort, wo im städtischen Stadion künftig die Lampen hängen sollen, sondern 1,50 Meter über dem Spielfeld. Das schreibt der Deutsche Fußballbund (DFB) in seinem Stadionhandbuch für Stadien der Dritten Liga vor. 800 Lux, das entspricht etwas mehr als der Ausleuchtung eines Fernsehstudios und ist deutlich weniger, als man von den Stadien großer Vereine kennt. Um ein Spiel der Champions League austragen zu können ist eine Beleuchtung von mindestens 1400 Lux nötig. Die Regeln des DFB sehen aber noch mehr vor. Zumindest dann, wenn die Abendspiele der Spielvereinigung künftig im Fernsehen zu sehen sein sollen. Dann nämlich ist vom ersten Spieltag an eine zweite Stromquelle vorzuhalten, damit es im Falle eines Stromausfalls allenfalls zu einer Spielunterbrechung, keinesfalls aber zu einem Abbruch kommt. Dazu hofft die Stadt, dass das "HaWaWi" mit entsprechender Beleuchtung künftig auch wieder häufiger zur Bühne für Konzerte wird.

Energieeinsparung? Gering!

Einen großen Unterschied macht die Art der Leuchtmittel nur bei den Anschaffungskosten, weniger beim Stromverbrauch. Stadtbaureferentin Urte Kelm rechnet damit, dass sich die Stadt mit LED an den wenigen Betriebstagen im Jahr nur etwa 1500 Euro jährlich spart. Die Mehrkosten von rund einer Million Euro rechnen sich damit frühestens nach 600 Jahren. Die Frage, die sich stellt, ist daher vielmehr: Welches ist das Leuchtmittel der Zukunft? Eine Antwort darauf hat das Bauamt noch nicht.

Es sind aber nicht nur die Masten und die Lampen, die die Kosten in die Höhe treiben. Es ist auch die Vielzahl technischer Anlagen, die gebraucht wird. Um die Flutlichter an das Mittelspannungsnetz der Stadtwerke anzuschließen. Um den Strom auf verträgliche Niederspannung herunter zu regeln. Um die Masten vor Blitzeinschlägen zu schützen. Um die Fluchtwege auch im Falle eines Stromausfalls leuchten zu lassen. Zu guter Letzt, das haben die Bodenuntersuchungen ergeben, müssen die Fundamente für die Masten und Trafogebäude mehrere Meter tief im Boden gesetzt werden. Dem Schwemmland, auf dem das Stadion in unmittelbarer Nachbarschaft zum Roten Main gebaut ist, sei Dank.

Ein heller Fleck inmitten der Stadt

Weitgehend einig sind sich die Stadträte, dass die Planungen weitergetrieben werden sollen. Zumindest bis zur sogenannten Leistungsphase vier. Dann erst wird geprüft, ob eine so helle Beleuchtung inmitten der Stadt überhaupt genehmigt werden kann. Die Bauverwaltung rechnet damit, dass Ausnahmegenehmigungen für wenige Betriebstage im Jahr erteilt werden  können.

Die Grünen und der Stadtrat der Unabhängigen, Helmut Zartner, sprechen sich gegen die Pläne aus. Sie verweisen auf den Sparkurs der Stadt und darauf, dass eine Flutlichtanlage rein kommerzielle Zwecke verfolge, die die Stadt nicht zu unterstützen habe.  Die Mehrheit sieht das aber so wie Georg Kämpf, Stadtrat der Bayreuther Gemeinschaft und ehemals Basketballspieler bei Steiner Bayreuth: "Wir können nicht verantworten, dass die Spielvereinigung eines Tages nur deshalb nicht aufsteigen kann, weil wir die Voraussetzungen in unserem Stadion dafür nicht geschaffen haben."

 

 

 

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