So kam es zur neuen Seilbahn

Damit soll es ein Ende haben: Lange Schlangen an der Seilbahn an starken Winterwochenenden. Auch darum geht es bei der mutigen Entscheidung zum Neubau. Foto: Christopher Häfner

Mit einer mutigen Entscheidung hat der Seilbahnzweckverband mit Landrat Hermann Hübner die Pflöcke eingeschlagen für die nächsten 20 bis 30 Jahre am Ochsenkopf: Für bis zu 20 Millionen Euro soll es eine neue Seilbahn geben, statt die alte zu sanieren (wir berichteten). Doch nun muss auch der Kreistag zustimmen. Und da gibt es auch Kritiker, wenn es um umlagebedürftige Tourismuseinrichtungen in öffentlicher Hand geht.

Die Entscheidung neu zu bauen statt zu reparieren, erscheint aus mehreren Gründen logisch und folgerichtig. 1969 wurden die ersten beiden Seilbahnen am Ochsenkopf in Betrieb genommen, damals für umgerechnet 1,7 Millionen Euro. Sie wurden 22 Jahre später (Bischofsgrün) beziehungsweise 28 Jahre später (Fleckl) gegen neue Bahnen ausgetauscht – Kosten damals: zusammen knapp sieben Millionen Euro. Diese sind unverändert bis heute in Betrieb, also auch schon wieder 26 beziehungsweise 20 Jahre.

Während die erste Seilbahn noch komplett offen war und die aktuelle halboffen mit Hauben fährt, soll die nächste Seilbahn geschlossene Gondeln haben. Sie soll behindertenfreundlicher sein (vor 25 oder gar 50 Jahren noch kein großes Thema, im Gegensatz zu heute) und mit erhöhter Kapazität vor allem an starken Winterwochenenden die Wartezeiten von bis zu einer halben Stunde – vor allem in Bischofsgrün – verkürzen.

Wahlen und Geld in Hülle und Fülle

Dafür, jetzt neu zu bauen, spricht auch, dass derzeit der Staat im Geld schwimmt. Und dass nächstes Jahr in Bayern Wahlen sind. Und dass die Zinsen niedrig sind. Wie lange noch in Deutschland die Steuern sprudeln wie in den vergangenen Jahren, weiß niemand, und dass eine Regierung kurz vor Wahlen gebefreudiger ist, als nach einer Wahl, ist eine Binsenweisheit. Und die Niedrigzinsphase, die Sparer leiden lässt und Kreditnehmer freut, wird nicht ewig dauern.

Trotzdem ist der Entscheidung ein langer Prozess vorausgegangen. Kritik an den Kapazitätsproblemen im Winter gab es schon länger aus Bischofsgrün. Doch die Diskussion über einen Neubau nahm Fahrt auf, als es vor einem Dreiviertel Jahr um die Frage ging, ob für eine Million Euro die Steuerung der Bahn erneuert werden soll. Die Entscheidung wurde vertagt. Im November legte die „Strategiegruppe Seilbahn Bischofsgrün“ ein Thesenpapier mit Expertenmeinungen für einen Neubau vor. Damit schlug Bischofsgrün den gleichen Weg ein wie vor gut zehn Jahren: Als mit klaren Fakten und Daten unterlegt eine künstliche Beschneiung am Ochsenkopf gefordert und begründet wurde. Die Beschneiung kam (Kosten: zwei Millionen Euro), zehn Jahre später weiß man, dass es die richtige Entscheidung war, dem Klimawandel zum Trotz.

Parallel hat ein Südtiroler Fachbüro die bestehenden Bahnen unter die Lupe genommen, um die Variante „Reparatur/Sanierung“ durchzurechnen. Ergebnis: je nach Umfang 1,3 bis 3,7 Millionen Euro wären nötig gewesen, bei 15 Prozent Zuschuss. Landrat Hübner peilt für den Neubau eine Zuschussquote von deutlich mehr als 40 Prozent an.

Seilbahn als Hebel

Mit der mutigen Entscheidung für den Neubau geht auch das politische Bekenntnis einher, dass touristische Einrichtungen in öffentlicher Hand nicht in erster Linie selbst ihr Geld verdienen sollen. Sondern eine Hebelwirkung entfalten sollen. Beispiel: Zu den rund 15 Festangestellten an der Seilbahn kommen noch bis zu 80 Aushilfen im Jahr hinzu. Die Gesamtpersonalkosten im Zweckverband liegen bei fast einer Million Euro. Ein großer Teil davon, bleibt als Löhne und Gehälter in der Region. Das Geld kommt großteils von Urlaubern, die von außerhalb kommen. Von Einnahmen in Hotellerie und Gastronomie ganz zu schweigen.

Anderes Beispiel: Das Feriendorf Obernsees gäbe es ohne die (ebenfalls umlagebedürftige) Therme nicht. Hier sollen übrigens in den nächsten Jahren zwölf Millionen Euro investiert werden.

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