Skulptur wird versetzt Fettabscheider verdrängt Marsyas

Wird wohl einen neuen Standort zugewiesen bekommen: die Skulptur Marsyas von Alfred Hrdlicka. Foto: Archiv/von Pölnitz-Eisfeld

BAYREUTH. Die Mitglieder des Vereins der Freunde des Kunstmuseums sind sauer. Die Skulptur Marsyas des österreichischen Künstlers Alfred Hrdlicka wurde versetzt. Grund ist unter anderem ein neuer Fettabscheider für die angrenzende Gaststätte.

Marsyas ist weg. Und zwar schon seit Herbst. Bekanntlich zierte die filigrane, von dem berühmten Bildhauer und Maler Alfred Hrdlicka erschaffene, Skulptur seit April 2001 die Brautgasse am Alten Rathaus in Bayreuth. Und ließ erahnen, dass hinter dem historischen Gemäuer, das im einen Teil eine Gaststätte beherbergt, möglicherweise auch wertvolle Kunstwerke verborgen sind. Den Winter hat der griechische Satyr im Eingangsbereich des Kunstmuseums zugebracht.

Und das kam so: Im Herbst war im Kunstmuseum ein Schreiben des städtischen Baureferats eingetroffen, in dem die Versetzung der Skulptur angekündigt wurde. Innerhalb weniger Tage musste ein Interims-Standort gefunden werden.

Ein ein Meter hoher Kasten

Der Grund für die Maßnahme ist keineswegs in künstlerisch-ästhetischen Kategorien zu suchen, sondern lässt sich in deutlich profaneren Dringlichkeiten verorten. Denn: Das ans Kunstmuseum angrenzende Gasthaus braucht dringend einen neuen Fettabscheider. Offenbar wird das derzeitige Gerät, das im Keller des Gebäudes untergebracht ist, dem enormen Schäufele- und Bratwurstausstoß des Restaurants nicht mehr Herr.

Was sich ungünstig auf den bisherigen Standort des Marsyas auswirkt, ist der Umstand, dass der neue, vermutlich weitaus Schäuffele-tauglichere Fettabscheider ein entsprechend großes Bedienelement benötigt. Und das soll nun an die Stelle des Satyrs treten. Einen Meter hoch soll der Kasten sein, 60 Zentimeter breit und 50 Zentimeter tief.

Folglich ist im Zusammenhang mit der jüngsten Sitzung des Vereins der Freunde des Kunstmuseums Bayreuth von Enttäuschung und durchaus auch von einer Portion Unverständnis die Rede. Der Vorsitzende Ekkehard Beck verweist im Gespräch mit dem Kurier darauf, dass es sich bei der Stelle in der Brautgasse um den optimalen Standort für die Skulptur handele, der ja einstmals zusammen mit dem Künstler Alfred Hrdlicka ausgewählt worden sei.

Beck zählt den österreichischen Bildhauer zu den wichtigsten der vergangenen 50 Jahre. Entsprechend schwer wiege dessen Einschätzung. Für den Vorsitzenden des Freundesvereins lautet die Frage aller Fragen: Warum soll Marsyas für ein Bedien-Element eines Fettabscheiders weichen? Gerade im Jahr des 20-jährigen Bestehens des Vereins empfinden einige Mitglieder den wenig sensiblen Vorstoß des Baureferats als „sehr unfreundliche Aktion“.

Anschlussrohre für geruchsfreie Fettabsaugung

Bei der Stadt wählt man indessen eine völlig andere Terminologie. Die Rede ist hier nicht von einem Bedien-Element, sondern von einem „kleinen Schrank“, vergleichbar einem Elektro-Verteilkasten. Dieser soll die Anschlussrohre für die geruchsfreie Fettabsaugung aufnehmen. Und: „Er steht mehr als zehn Meter vom künftigen Standort des Marsyas entfernt“, heißt es in einer Mitteilung aus dem Bayreuther Rathaus. Die zwingend notwendige Erneuerung des Fettabscheiders, der unterirdisch eingebaut wird, bedinge den Bau der erforderlichen Anschlussarmaturen.

Für Hrdlickas Skulptur heißt das, dass sie künftig nicht mehr exakt den Standort einnehmen wird, den sie seit ihrer Enthüllung innehatte. Marsyas soll leicht in Richtung Museums-Haupteingang versetzt werden, um den gewünschten größtmöglichen Abstand zu dem neuen Schrank zu gewährleisten. Zwischen dem Kunstwerk und den Anschlussarmaturen soll eine Distanz von mehr als zehn Metern liegen.

Bauarbeiten sollen vier Monate dauern

Was dem Vorsitzenden des Freundesvereins überdies Sorgen bereitet, ist die für die Dauer der Bauarbeiten notwendige Absperrung der Brautgasse, „die dem Museum nicht gut tut“. Das Kunstmuseum sei ohnehin nicht gut auffindbar.

Wie die Stadt mitteilt, ist der Baugebinn im späten Frühjahr dieses Jahres vorgesehen. Die Arbeiten werden voraussichtlich vier Monate dauern. Auf die Frage, wie es mit dem Zugang zum Kunstmuseum während der Bauarbeiten aussieht, heißt es: „Der Zugang zum Haupteingang des Kunstmuseums ist jederzeit gewährleistet, bei baubedingter Sperrung der Brautgasse allerdings mit einem kleinen Umweg über die Kämmereigasse.“

 

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