Skisaison ist gestartet

Holger Bingart war der Allerallererste: Der 48-jährige Skifahrer aus Weidenberg ist den Mehlmeisler Klausenhang schon runtergefahren, als der Lift noch stand. Anderswo läuft der Lift schon, aber der erste Skifahrer fehlt noch.

Klausenlifte Mehlmeisel, Freitag, 13 Uhr, zwei Grad, leichter Nieselregen. Auf dem Parkplatz an der Talstation steht bereits ein rundes Dutzend Autos. Holger Bingarts Wagen ist nicht darunter: „Ich parke immer oben. Und kann dann schon das erste Mal fahren, wenn der Lift noch gar nicht läuft.“

Vor fünf Jahren erst, mit reifen 43 Jahren, hat Bingart das erste Mal auf Brettern gestanden. Keine Skischule, keine ansteigenden Skilängen – er ist einfach auf normale Skier gestiegen und runtergefahren. An der Bleamlalm war das, „da ist es flacher.“ Und als Nächstes ist Bingart, der ein Naturtalent zu sein scheint, an den Klausenhang gewechselt.

Dass er an diesem Freitag der allererste Skifahrer ist, hat einen Grund: „Skifahren ist mein größtes Hobby, da freue ich mich schon das ganze Jahr drauf.“ Die Piste ist an diesem Freitag etwas herausfordernd: „Sulzig, etwas weich. Man fährt langsamer, rutscht nicht so gut, so dass man in engen Kurven aufpassen muss.“

Einer der ersten Skifahrer an diesem Freitag ist auch Rudolf Meiniger. Der 67-jährige Mitterteicher fährt, anders als Holger Bingart, bereits seit seiner Kindheit Ski: „Ich bin hier schon in Mehlmeisel gefahren, als der erste Lift 1969 eröffnet wurde.“ Der Lift von damals steht heute noch, an der linken Pistenseite, die ist allerdings noch grün. In Mehlmeisel ist man schon vor einigen Jahren dazu übergegangen, lieber die Saison mit halber Piste zu beginnen, als auf einen mehr als einwöchigen Dauerfrost zu warten. Denn so lange bräuchten die Schneekanonen in Mehlmeisel, um den ganzen Hang mit ausreichend künstlichem Weiß zu belegen.

Sonst fährt Meiniger auch in Waldsassen oder Flossenbürg, doch da geht Skifahren noch nicht. In Mehlmeisel war er die Woche schon mal, hat gesehen, dass die Schneekanonen laufen. Und sich dann im Internet schlau gemacht, wann es losgeht. Und als sich ein „Kumpel“ fand, der ebenfalls Skifahren wollte, war die Sache klar, „denn alleine fahre ich nicht gerne“. Meiniger hat sich eine Dreistundenkarte gekauft, „30 Abfahrten schafft man da schon, wenn nicht viel los ist“. Nach der ersten Abfahrt ruft er im Vorbeirauschen „Piste ist gut“ – und lässt sich sofort wieder vom Schlepplift hochziehen.

Zur gleichen Zeit gibt es für Reinhold Unterburger noch nichts zu tun. Er sitzt im Kassenhäuschen an der Talstation des Bleamlalmliftes in Neubau, und um halb zwei, eine halbe Stunde nach Saisonbeginn, muss der erste Skifahrer erst noch kommen. Unterburger bringt das nicht aus der Ruhe: „Freitag um diese Zeit, bei mäßigem Wetter, ist das normal. Um zwei, halb drei kommen schon die Leute“, weiß er aus vierjähriger Erfahrung.

Hinter ihm im Häuschen steht Andreas Liedel. Er ist schon seit acht Jahren am Bleamlalmlift. Wenn die Skifahrer kommen, muss er raus an den Lift, hilft den Gästen in den Bügel und schaut, dass sonst alles seine Ordnung hat. „Dann wechseln wir uns alle halbe Stunde ab“, erläutert Unterburger. So dass man nach einer halben Stunde in der Kälte (die heute gar nicht so kalt ist) wieder eine halbe Stunde im geheizten Kassenhäuschen sitzen kann und Karten abzwickt. Und bis der erste Skifahrer kommt, haben sie es beide warm an diesem Freitag.

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