Sinnvoll oder nicht? Eigenleistungen beim Hausbau

Eigenleistungen sind ein beliebtes Mittel, um die Kosten bei einem Hausbau zu drücken. Sie können zudem die Eigenkapitalquote erhöhen und werden daher von den Banken bei einer Kreditanfrage berücksichtigt. Dennoch sind sie umstritten, da sie von den Bauherren oftmals falsch eingeschätzt werden und so zu zeitlichen, finanziellen oder qualitativen Problemen führen können. Es lohnt sich daher ein Blick auf die Frage: Wie sinnvoll sind Eigenleistungen wirklich?

Die „Muskelhypothek“ nicht überschätzen

Auf den ersten Blick klingen die Eigenleistungen attraktiv. Sie erhöhen die Eigenkapitalquote , schmälern damit den Bedarf an Fremdkapital sowie oftmals die Zinsen und sparen zugleich bares Geld durch den Wegfall von Handwerkerkosten. Für viele Bauherren hat es zudem emotionalen Wert, mit den eigenen Händen am Hausbau beteiligt zu sein. Dennoch sollte diese Form der „Muskelhypothek“, wie sie umgangssprachlich gerne genannt wird, nicht überschätzt werden. Es handelt sich nämlich um eine Rechnung, die nicht in jedem Fall aufgeht.

Was viele Menschen unterschätzen, ist der Aufwand, welcher mit einem Hausbau einhergeht. Plötzlich treten unerwartete Probleme auf, die Fertigstellung verzögert sich über den extra genommenen Urlaub hinaus oder die Zeitintensität der Organisation sowie Überwachung des Baufortschritts überschreitet weit die anfänglichen Schätzungen. Fakt ist also: Mit einem Hausbau sind die Bauherren ohnehin gut beschäftigt. Das Projekt zehrt an den Nerven, schluckt eine Menge Zeit und auch Energie, die anschließend bei den Eigenleistungen vielleicht fehlt. Wurden diese dann bereits vertraglich vereinbart, kann das später zu größeren Mehrkosten führen als von Anfang an auf die Eigenleistungen zu verzichten.

Eigenleistungen sind eine Frage des Einzelfalls

Was es auf Seiten der „Eigenleister“ also braucht, ist eine realistische Selbsteinschätzung bezüglich der Energie, der Zeit sowie des Knowhows, welche für die Eigenleistungen zur Verfügung stehen würden. Die von den Handwerkern veranschlagten Arbeitsstunden können nicht eins zu eins auf die Eigenleistungen durch einen Laien beziehungsweise einen mittelmäßig erfahrenen Heimwerker übertragen werden. Wer überhaupt keine Erfahrung aufweisen kann, sollte zudem nur einfache Aufgaben übernehmen. Ansonsten muss er schlussendlich unter Umständen mit einer mangelhaften Qualität des Ergebnisses leben oder dieses von Handwerkern nachbessern lassen, was ebenfalls Mehrkosten bedeuten würde. Ob die Rechnung der Eigenleistungen schlussendlich wirklich aufgeht, liegt also in erster Linie am Einzelfall und der Erfahrung, Zeit sowie Muse des Bauherren, solche handwerklichen Tätigkeiten auf eigene Faust durchzuführen.

Die Zeit ist das Hauptproblem bei den Eigenleistungen

Wie bereits angedeutet, spielt der Zeitfaktor eine tragende Rolle bei der Frage, ob in dem betreffenden Einzelfall die Eigenleistungen sinnvoll wären oder nicht. Denn selbst erfahrene Heimwerker brauchen für solche Arbeiten oftmals deutlich länger als Handwerker, die als Profis Tag für Tag dieser Tätigkeit für mehrere Stunden nachkommen. Zudem können sie in dieser kürzeren Zeit eine bessere Qualität liefern. Ausnahmen bestätigen die Regel, sprich die Handwerker müssen natürlich sorgfältig ausgewählt werden. Das Problem an der Sache ist: Ein Hausbau ist an einen fixen Terminplan gebunden. Verzögert sich ein Arbeitsschritt oder kommt es zu einem Stillstand , können die nächsten Termine eventuell nicht eingehalten werden. Auch das verursacht unter Umständen hohe Mehrkosten, welche die erhofften Einsparungen bei den Handwerkerleistungen um ein Vielfaches überschreiten. Schlimmstenfalls sprengen sie die gesamte finanzielle Planung des Vorhabens.

Lohnanteil ist häufig nur ein geringer Kostenpunkt

Dass die Ersparnisse durch Eigenleistungen oftmals überschätzt beziehungsweise fehleingeschätzt werden, liegt auch am Verhältnis der Lohn- zu den Materialkosten. Denn der Lohnanteil macht am gesamten Rechnungsbetrag meist nur einen kleinen Teil aus. Dementsprechend wären auch die Einsparungen durch den Verzicht auf Handwerkerleistungen deutlich kleiner als auf den ersten Blick vermutet. Zudem profitieren Handwerksbetriebe von Vorteilen beim Materialeinkauf. Sie haben ihre fixen Lieferanten mit den besten Marktpreisen und können eventuell Mengenrabatte nutzen.

Auf gut Deutsch: Die Materialkosten auf dem Kostenvoranschlag können ebenso wenig eins zu eins auf die Eigenleistungen übertragen werden. Stattdessen müssen die Bauherren oft deutlich mehr Geld für das benötigte Werkzeug, Material, die Maschinen & Co hinblättern, sodass sie unterm Strich überhaupt keine oder nur noch geringe Einsparungen verzeichnen würden. Sie bekommen beim Handwerker also mehr für ihr Geld und können ihre wertvolle Zeit für andere Dinge nutzen.


Die Nachteile des Verzichts auf Handwerker

Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass Eigenleistungen ein Vorhaben sind, das nur für geübte Heimwerker mit einer realistischen Selbsteinschätzung sowie ausreichend Zeit und Knowhow geeignet ist. Bestenfalls verfügen sie über Kontakte für die günstige Beschaffung von Materialien, Werkzeugen sowie Maschinen. Ansonsten kommen sie häufig teurer weg als bei der Beauftragung eines Handwerksbetriebs. Wer verschiedene Angebote einholt sowie vergleicht, kann auch beim Outsourcing der Leistungen gute Preise erzielen, wobei die Lohnkosten eben nur einen geringen prozentualen Anteil ausmachen. Dementsprechend wären die Einsparungen durch Eigenleistungen meist geringer als vermutet. Zudem riskieren die Bauherren durch eine Fehleinschätzung die Verzögerung des Baufortschritts oder qualitative Mängel. Beides kann erhebliche Mehrkosten bedeuten. Werden die Arbeiten hingegen durch einen Handwerksbetrieb ausgeführt, ist dieser für solche Probleme auch haftbar und übernimmt somit das finanzielle Risiko.

Die Vorteile der Eigenleistungen im Fokus

Nichtsdestotrotz sind die Vorteile der Eigenleistungen bei einem Hausbau natürlich nicht von der Hand zu weisen. Wer handwerkliches Geschick, ausreichend Knowhow und eine realistische Selbsteinschätzung mitbringt, kann dadurch nämlich durchaus Geld sparen. Doch der finanzielle Aspekt steht nicht alleine:

  • Bekanntlich herrscht in vielen Branchen derzeit Handwerkermangel. Wer also selbst Hand anlegt, bleibt unabhängig von Verfügbarkeit, Zeiten, Angeboten & Co der Handwerksbetriebe.
  • Wer eine Arbeit auf eigen Faust ausführt, hat zudem die Macht darüber, wie diese gemacht wird. Verfügt der Bauherr also über das Knowhow sowie die Materialien, um eine gute Qualität zu fertigen, so kann er sich dieser vergewissern. Probleme mit Baupfusch hat er hingegen nicht zu befürchten, zumindest eben nicht im Rahmen der Eigenleistungen.
  • Last but not least, kommt an dieser Stelle wieder der emotionale Wert der Eigenleistungen ins Spiel. Die Verbundenheit zum zukünftigen Zuhause wächst enorm, wenn beim Bau mit angepackt wurde. Das gilt sogar für geringfügige Tätigkeiten wie das Streichen der Wände.

Die Frage für jeden Bauherren lautet deshalb nicht nur, ob er Eigenleistungen erbringen soll, sondern auch welche.

Welche Tätigkeiten für Eigenleistungen geeignet sind

Diese unterscheiden sich grundlegend darin, wie viel Zeit, Geld sowie Knowhow sie für ein qualitativ hochwertiges Ergebnis benötigen. Einfachere sowie kleinere Arbeiten können durchaus auch von weniger geübten Heimwerkern erledigt werden. Dazu gehören zum Beispiel

  • Gartenarbeiten,
  • das Verlegen von Böden inklusive leichter Montage von Leisten,
  • das Tapezieren sowie Streichen der Wände,
  • die Dämmung sowie der Ausbau des Dachgeschosses.

…und welche eher nicht

Bei sämtlichen Arbeiten, welche mit Sanitär- oder Elektroinstallationen zu tun haben, sollte hingegen unbedingt ein Profi ans Werk. Das kann ansonsten nicht nur gefährlich, sondern aufgrund von erheblichen Folgeschäden auch sehr teuer werden. Den Handwerkern überlassen werden sollten zudem

  • das Mauern der Wände,
  • Rohbauarbeiten und der Nässestrich,
  • Arbeiten an der Heizungsanlage,
  • der Einbau von Treppen, Türen sowie Fenstern,
  • das Verputzen der Wände und
  • Dacharbeiten.

Fazit: Wie sinnvoll sind Eigenleistungen?

Schlussendlich gibt es keine pauschale Antwort auf die Frage, ob Eigenleistungen sinnvoll sind oder nicht. Der Bauherr muss selbst entscheiden, inwiefern er Zeit, Lust und Know-How hat, um die Tätigkeiten fristgerecht sowie in hoher Qualität auszuführen. Ansonsten stellen sie ein großes finanzielles Risiko dar und können unter Umständen zu deutlichen Mehrkosten führen, welche die angedachten Ersparnisse auffressen. So attraktiv sie auf den ersten Blick also vor allem für Bauherren mit (zu) wenig Eigenkapital klingen mögen, so riskant können sie auf den zweiten Blick für das Vorhaben des Hausbaus sein. Die Kosten sowie der Zeitaufwand müssen realistisch eingeschätzt werden und genau hier liegt meist der Fehler. So oder so, ist die zusätzliche körperliche sowie zeitliche Belastung durch Eigenleistungen sehr hoch, weshalb diese sorgfältig abgewägt und im Zweifelsfall lieber den Profis überlassen werden sollten.

 

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