Sinnlose Berufung Von neuer Anklage kalt erwischt

Symbolfoto: Daniel Karmann/dpa

BAYREUTH/MAINLEUS. Kalt erwischt nennt man so etwas: Dem Kulmbacher Verteidiger Werner Brandl hat eine neue Anklage gegen einen Mandanten eine Berufung verhagelt.

Wegen des Diebstahls von fünf Päckchen Wurst erschien ein 44-Jähriger aus Mainleus vor der Berufungskammer des Landgerichts unter Vorsitz von Torsten Meyer. Der Mann hatte Mitte November 2018 beim Strafrichter in Kulmbach dafür eine zweimonatige Freiheitsstrafe erhalten.

Ohne Bewährung – wegen eines Beutewertes von sechs Euro? Der Strafrichter in erster Instanz hatte die Vorstrafen des Angeklagten in die Waagschale geworfen und eine Bewährung versagt, weil der 44-Jährige zum Zeitpunkt des Diebstahls noch unter Bewährung gestanden hatte.

Den Diebstahl gestand der 44-Jährige ein: Er hatte die Wurstpackungen in seinen Einkaufswagen gelegt, sie unter einer Stofftasche versteckt und einen Kasten Bier darauf gestellt. „Für das Bier hatte ich Geld, das hatte mir ein Kumpel gegeben. Für die Wurst langte es nicht.“

Nachdem der 44-Jährige auf frischer Tat gefasst worden war, machten Polizisten einen Atemalkoholtest. Der ergab einen Wert von rund 1,3 Promille. „Wenn ich getrunken habe, weiß ich nicht mehr so recht, was ich tue“, versuchte der Angeklagte seine Tat zu erklären. Warum er Berufung eingelegt hatte, dafür schon: „Ich wollte mal sehen, ob ich wirklich unbedingt deswegen ins Gefängnis muss.“

Dieser Ansicht war auch sein Verteidiger, der die Berufung auf eine Verhandlung der Bewährungsfrage beschränkt hatte – üblicherweise ist das ein gutes Mittel, in einer Berufungsverhandlung Pluspunkte zu sammeln.

Im vorliegenden Fall ging das jedoch nicht. Staatsanwalt Jan Köhler wandte ein, eine Verhandlung des Diebstahls mache deshalb keinen Sinn, weil gegen den 44-Jährigen gerade eine neue Anklage wegen weiterer Eigentumsdelikte erhoben worden sei: Im Mai werde das Amtsgericht in Kulmbach 14 Fälle von Computerbetrug behandeln, in denen der Mainleuser mit einer fremden EC-Karte unberechtigt Geld abgehoben haben soll.

„Davon weiß ich nicht“, sagte Verteidiger Brandl. Wie sich herausstellte, war in dem Fall des Computerbetruges ein anderer Rechtsanwalt als Pflichtverteidiger bestellt worden.

Für den Angeklagten ergab sich nun folgende Lage: Sollte er im Mai erneut verurteilt werden, müsste die Strafe für den Wurstdiebstahl so oder so mit eingerechnet werden. Nach einer kurzen Beratung erklärte der Verteidiger die Rücknahme der Berufung.

 

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