Siebenstern Er gibt den richtigen Senf dazu

Senf-Liebhaber und leidenschaftlicher Club-Fan: Ingo Merbach. Foto: Christopher Michael

OBERKOTZAU. Eigentlich wollte er etwas anderes machen – schließlich hat sich Siebenstern-Chef Ingo Merbach doch entschieden, die Firma des Vaters fortzuführen. Wie kam es dazu?

Was wäre eine Bratwurst ohne Senf? Rund zehn Gramm braucht man fürs Paar, drei Tonnen stellt die Senf- und Konservenfabrik Jackstädt in Oberkotzau bei Hof, bekannt unter ihrem Markennamen Siebenstern, täglich her. Das schaffen zwei Männer in der Senfproduktion. 

Die Mini-Firma mit fünf Leuten, darunter Ingo Merbach, der Chef, und seine Frau, beliefert Edeka, Kaufland, Rewe und Real sowie Großverbraucher wie Gastronomie, Metzgereien oder Wurstfabriken. Nicht nur mit Senf, sondern auch mit Sauerkonserven. Gurken, Kraut, Rote Bete, Karotten, Sellerie und vieles mehr.

Gemüse aus Niederbayern

Das Gemüse kauft Merbach in Niederbayern, wo es direkt vom Feld ins Glas kommt. Merbach kooperiert dazu mit mehreren kleineren Abfüllfirmen, die sich an individuelle Vorgaben halten müssen. „Jeder hat seine eigene Rezeptur, sein eigenes Gschmäckle.“

Zum Umsatz von 2,3 Millionen Euro steuern die Sauerkonserven 80 Prozent bei, 20 Prozent macht der Senf aus. Der Senf war es auch, der Merbach letztlich in die Firma führte, die 1927 von Max Jackstädt in Hof gegründet wurde und mittlerweile in der vierten Generation familiär geführt wird. Seinen Vater hat er wegen der vielen Arbeit nur selten zu Gesicht bekommen.

Das tue ich mir mal nicht an, dachte sich Merbach, ging nach der Realschule ein Jahr in die USA, kam 1987 zurück und machte bei der Textilgruppe Hof eine Lehre zum Industriekaufmann. „Eine gute Ausbildung, ich hab‘ viel gelernt“, sagt er heute. 

Es folgten zwei Jahre Bundeswehr bei der Luftwaffe in Naila. Dann, 1992, tritt er doch in die Firma des Vaters ein. Sein Motiv: Mit dem Senf muss es weitergehen. „Der Senf muss einfach sein. Eine Wurst ohne unseren Senf, das wäre wie ein Himmel ohne Sterne.“

Von der Pike auf

Er ist Sachbearbeiter, geht in die Produktion, lernt alle Tätigkeiten in der Firma von der Pike auf. Dann wird er Prokurist, und eines Abends, sein Vater ist mittlerweile 63 Jahre alt, sagt dieser zu ihm: „Ab morgen komme ich nicht mehr.“ 2002 wird Ingo Merbach alleiniger Geschäftsführer und Gesellschafter der Firma. 

Die Zeiten sind schwierig. Der Preisdruck des Handels ist enorm, gleichzeitig steigen die Kosten. Zum Beispiel für Transport, Logistik, Verpackung. Das kleine Unternehmen ist profitabel, aber „die Margen sind zu klein“, sagt Merbach. Die meisten Kunden hat er in Franken, Großverbraucher beliefert er auch im restlichen Bayern, in Sachsen und Thüringen. Seinen Online-Shop hat er wieder eingestellt, weil viele Pakete nicht heil beim Kunden ankamen, Arbeit und Aufwand zu groß wurden. 

Mit seiner Marke Siebenstern verbindet der leidenschaftliche Club-Fan Merbach (Dauerkarte) am liebsten: traditionell, regional, bodenständig. Untermauern will er diese Basis des Geschäftsmodells mit einem eigenen Senfsaat-Anbau in Oberfranken. Das Rohmaterial, das bisher aus Kanada, Russland oder der Ukraine kommt, soll künftig direkt aus der Heimat angeliefert werden.

Noch Luft nach oben beim Senf-Anbau

Einige Landwirte, die mitmachen, wurden schon gefunden und ein erster Versuchsanbau brachte 24 Tonnen, die Merbach verarbeiten kann. Rund 150 Tonnen Senfsaat braucht er im Jahr, es ist also noch viel Luft nach oben beim Senf-Anbau in Oberfranken. Die Tonnen-Preise schwanken stark, liegen laut Merbach zwischen 240 und 1500 Euro und gegenwärtig bei 600 bis 800 Euro.

Mit seiner Familie lebt Merbach, der im Februar 50 wird, in Oberkotzau. Bis zum Ruhestand hat er noch viel Zeit, gleichwohl freut es ihn, dass der Sohn (23), der in Berlin einen Telekom-Laden leitet, nach einer betriebswirtschaftlichen Zusatzausbildung in einigen Jahren in die Firma kommen will.

Der kulinarische Kulturauftrag, den oberfränkischen Senf am Leben zu erhalten, kann also aller Wahrscheinlichkeit nach in bekannter Familienstruktur fortgeführt werden. 

 

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