Sexstreik gegen Krieg

Auf der Suche nach dem Hoffnungsschimmer: Jan Burdinski setzt auf die Frauen. Foto: Michael Weiser

Sex-Streik statt Krieg: Der Fränkische Theatersommer feiert sein 25-Jähriges mit dem Musical „Lysistrata“ nach der Antikriegskomödie von Aristophanes. Mit Regisseur Jan Burdinski sprachen wir über die Frau als letzte Hoffnung, den männlichen Drang zum Kriegführen und den Theatersommer-Mitarbeiter des Monats.

Die "Lysistrata", die „Heeresauflöserin“ also, wurde 400 Jahre vor Christus geschrieben. Was macht das Stück aktuell?

Jan Burdinski: Ich sehe es auch als Verbeugung vor Berta von Suttner an. Deren Wirken liegt zwar auch schon hundert Jahre zurück, sie ist aber nach wie vor hochaktuell, als Initiatorin des Friedens-Nobelpreises. Sie war eine Frau, die für Frieden und für die Gleichberechtigung eintrat. Auch Aristophanes hat in der „Lysistrata“ die Hauptpersonen in Athen wie in Sparta mit Frauen besetzt. Die gesellschaftliche Rolle der Frau hat in den letzten vierzig, fünfzig Jahren eine große Aufwertung erreicht und ein Stück weit sogar Befreiung erlangt. Aber sonst? Sind wir weitergekommen? Man muss nachdenklich werden. Dauernd gibt es irgendwo Krieg, wir taumeln von einer Bedrohung in die nächste. Ein Hoffnungsfunke bleibt: Wenn wir die Frauenrechte weltweit stärken – vielleicht gelingt es dann irgendwann, den Krieg zu ächten. Aristophanes schildert glaubhaft, warum die Frauen den Krieg bekämpfen: Auf ihren Schultern liegt in Wahrheit die Hauptlast der Kriege.

 

Die Frau hatte in Griechenland außerhalb des Hauses nicht viel zu sagen. Wie kam Aristophanes auf diese ungewöhnliche Konstellation?

Burdinski: Er muss verzweifelt gewesen sein. Er hat drei pazifistische Stücke geschrieben. Und wahrscheinlich hat er wirklich als letzte Hoffnung die Frauen gesehen. Sie hatten keine gar so großen Rechte, aber er hat ihre Stimme durchaus gehört.

 

Seine Heimat Athen befindet sich in einem Krieg auf Leben und Tod, und er schreibt Stücke gegen den Krieg. Ganz schön tolerant, die alten Griechen.

Burdinski: Vielleicht war sich die männliche Seite ihrer Sache auch nur einfach allzu sicher, vielleicht hat sie auch einfach nur an den schlüpfrigen Stellen – und davon gibt es einige – ihren Spaß gehabt. Vielleicht war Aristophanes auch einfach schon zu prominent. Jedenfalls traut er sich was. Die Soldaten sind einigermaßen dümmlich dargestellt, aber sie sind auch nur Kanonenfutter, im Hintergrund erkennen wir klar die Strippenzieher aus der Politik, und die bekommen wahrlich ihr Fett weg. Da merkt man bei allen Zoten die Ernsthaftigkeit seines Anliegens. Die Politiker agieren übrigens auf eine Art und Weise, die man heute noch kennt. Da behaupten sie dann einfach, Athen sei nicht anders zu retten als durch Krieg.

 

"Das Stück ist brisant"

Tja aber dann gibt es Gegenrede durch Lysistrata. Und einen Sex-Streik.

Burdinski: Ja. Die Frauen sind übrigiens auch gar nicht naiv, sie nehmen als erstes die Kriegskasse. Die schlüpfrigen Späße sind nicht die Hauptsache. Aristophanes hat klug gedacht. Er erklärt sogar die Feinheiten der besseren Diplomatie, mit der man das Wollknäuel aufdröseln kann, indem man hier mit dem redet und dort mit jenem, und er zeigt so auf, wie eine Friedensdiplomatie aussehen kann. Das Stück ist brisant, auch wenn es als Komödie daherkam.

 

Warum gerade dieses Stück zum Jubiläum?

Burdinski: Erstes weil Frauen leider auch in der Theaterwelt selten die Hauptrolle spielen. Im Theatersommer aber war das Übergewicht immer auf der weiblichen Seite. Dieses Stück ist nicht nur ein Stück für Frauen, es ist auch noch ein grandioses Stück. Das Salz in der Suppe ist die Musik von Hans Martin Gräbner. Er hat anspruchsvolles Musiktheater geschrieben, vor dem aber niemand Angst haben muss. Mit seiner Musik macht er auch Ironie sichtbar. Wir haben uns schon bei den Proben trefflich amüsiert. Der Seiltanz zwischen Ernst und Humor ist klasse gelungen. Ich bin einfach nur dankbar, dass er das übernommen hat; das gesamte Ensemble freut sich, von einem solchen Meister begleitet zu werden.

 

Ein Dutzend Darsteller, Musik, Choreographie – wann haben Sie das letzte Mal ein so aufwendiges Stück aufgeführt?

Burdinski: Es ist unser aufwendigstes Stück. Der „Sommernachtstraum“ und „Mirandolina“ waren auch aufwendig, „My fair Lady“ hatte sogar einen Tick Personal mehr, aber insgesamt: der Aufwand einer Eigenkomposition und eines eigenen Textes ist eines 25-jährigen Jubiläums hoffentlich würdig.


Info: Premiere für das Musical „Lysistrata“ von Jan Burdinski und Hans Martin Gräbner (Musik) ist am Freitag, 18. Juni, um 18 Uhr im Innenhof von Schloss Aufseß. Bei Regen in der Scheune. Karten unter www.theatersommer.de

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