Serieneinbrecher verurteilt Staatsanwalt greift in die Vollen

Das Landgericht hat einen Bayreuther verurteilt, der mit Serieneinbrüchen in Autos und Gebäude seine Drogensucht finanzierte. Foto: Heiko Wolfraum/dpa-Archiv

BAYREUTH. Die Strafkammer des Landgerichts hat gegen einen Serieneinbrecher eine Freiheitsstrafe von insgesamt fünfeinhalb Jahren verhängt. Der Mann muss überdies in die Drogentherapie. Staatsanwalt Stefan Hoffmann sorgte nach dem Ende der Beweisaufnahme für einen Paukenschlag: Er beantragte eine Freiheitsstrafe von zusammengerechnet zehn Jahren und acht Monaten.

Eigentlich ist die Höchststrafe für besonders schweren Diebstahl laut Gesetz zehn Jahre. War also der Strafantrag von Ankläger Hoffmann gegen die Gesetzesvorschrift? War er nicht, denn die zehn Jahre und acht Monate setzen sich aus zwei Anträgen für zwei isolierte Einzelstrafen zusammen. Eine solche juristische Konstruktion wird dann notwendig, wenn wie im vorliegenden Fall ein Serientäter über eine lange Zeit Straftaten begeht und dazwischen mal erwischt und abgeurteilt wird. Der 36-Jährige hatte von Januar bis Dezember 2017 im Stadtgebiet immer wieder Autos geknackt, war in Gebäude oder Keller eingebrochen. Im August 2017 war er für eine entdeckte Tat vom Amtsgericht zu sechs Monaten verurteilt worden. Weil dieses Urteil rechtskräftig wurde, waren im Landgericht wegen der zwischenzeitlich aufgedeckten weiteren Einbrüche zwei isolierte Strafen nötig: Für Taten vor dem Amtsgerichtsurteil und für Taten danach. Juristen sprechen in einem solchen Fall von „Zäsur“. Staatsanwalt Hoffmann beantragte einmal zwei Jahre und zwei Monate und einmal achteinhalb Jahre.

In dem Landgerichtsprozess hatte der Angeklagte einen Großteil der ihm angelasteten Taten gestanden und bekannte, er habe eingebrochen, weil er „wieder drauf“ war: Der Mann leidet an einer Sucht nach der Droge Crystal Speed und hatte schon in der Vergangenheit längere Autoaufbruchsserien oder Kellereinbruchsserien begangen, um an Beute zu kommen, die er gegen das Rauschgift eintauschte.

Nach einer Verurteilung zu vier Jahren im Jahr 2011 war er in eine Drogentherapie geschickt worden, nach der er geraume Zeit nüchtern und auch straffrei blieb. Doch dann kam er wieder in Kontakt mit einem mittlerweile verstorbenen Dealer: Von ihm bekam er erst kleiner Einheiten des psychisch stark abhängig machenden Methamphetamins. Dabei blieb es nicht: Der Mann geriet wieder in den Sog der Droge und verlegte sich zur Finanzierung wieder auf seine alte Spezialität des Einbrechens. Sein Markenzeichen beim Knacken von Autos war „Fensterstechen“, also ein Autofenster mit einem Schraubenzieher soweit aufhebeln, bis die Scheibe bricht.

Insgesamt blieben in dem Prozess 16 der schwersten und beweisbaren Fälle übrig.

Mit seinem Urteilsspruch lag das Gericht in der Gesamthöhe genau bei dem, was Verteidiger Tobias Liebau beantragt hatte. Von den fünfeinhalb Jahren muss der Verurteilte erst einmal eineinhalb Jahre ins Gefängnis. Danach kommt er in die Drogentherapie. Wenn die bis zum Halbstrafenzeitpunkt mit Erfolg besteht, kommt eine Entlassung auf Bewährung in Betracht.

 

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