Senkrechtstarter bei den Tigers Kevin Kunz schlüpft in tragende Rolle

Immer Vollgas: Der 20-jährige Kevin Kunz hat sich durch starke Leistungen einen Platz in der ersten Sturmreihe bei den Bayreuth Tigers erobert. Foto: Peter Kolb

EISHOCKEY. Shooting Star“ ist nicht nur der Name eines Folksongs von Bob Dylan. Dieser englische Begriff bezeichnet im Deutschen per Definition auch eine Person, die plötzliche Erfolge verzeichnet und Popularität genießt. Solch einen Senkrechtstarter in einer Eishockey-Mannschaft zu finden, die als Tabellenletzter gerade erst zu einem zarten Höhenflug angesetzt hat, ist keine leichte Aufgabe. Der Kreis der Aspiranten beim DEL2-Schlusslicht Bayreuth Tigers ist dementsprechend überschaubar. Am 20-jährigen Kevin Kunz wäre man aber auch bei einer wesentlich üppigeren Auswahl schwer vorbeigekommen.

„Er ist einer, der rackert, immer alles gibt und sich neuerdings auch mit Toren belohnt“, beschreibt Carsten Herrmannsdörfer, der Fanbeauftragte der Tigers, die Vorzüge des flinken Außenstürmers. „Das wird von den Fans schon registriert. Von ihm, so der Tenor, könnten sich einige wesentlich besser Bezahlte eine dicke Scheibe abschneiden.“

Und auch seinem Trainer imponiert die untadelige Einstellung des gebürtigen Sachsen mehr als dessen Statistikwerte, die mit drei Toren und drei Vorlagen noch überschaubar sind. „Er ist ein unermüdlicher Arbeiter, gibt immer Vollgas, auch im Training“, sagt Petri Kujala. „Es ist ja auch kein Zufall, dass ich den Jungen in die erste Reihe gestellt habe.“ Dort an der Seite der technisch versierten Haudegen Michal Bartosch und Ivan Kolozvary blüht der malochende Kunz so richtig auf. Zurück gezahlt hat er das Vertrauen des Trainers mit zwei Toren und einer Vorlage in den vergangenen beiden Spielen.

Apropos Trainer: Die ruhige Art des Finnen, auch im Problem-Management, kommt dem selbst eher introvertierten Kevin Kunz entgegen. „Unser Coach ist jemand, der sachlich bleibt und auch bei Fehlern nicht herumschreit. Ich hatte das auch schon anders, aber so ist mir das viel lieber“, sagt Kunz mit einem Schmunzeln.

Bescheiden und ehrgeizig

Vor der Saison war der 20-Jährige, der in der Jugend in Weißwasser und Berlin spielte, vom Nord-Oberligiten EHC Timmendorfer Strand nach Bayreuth gekommen und davon ausgegangen, weiter Oberliga zu spielen. Aus der Oberliga wurde DEL2. Kevin Kunz hat die Herausforderung angenommen und ist mittlerweile in eine tragende Rolle geschlüpft. „Es gleich in solch eine Reihe zu schaffen, damit habe ich nie gerechnet, ich war mir sicher, dass ich mich erst einmal hinten anstellen muss“, sagt der 170 cm große und 72 kg schwere Stürmer und offenbart damit sein bescheidenes Naturell. Gleichzeitig aber sei er enorm ehrgeizig. Vor diesem Hintergrund klingt seine Zielsetzung, die Pre-Playoffs anzuvisieren, alles andere als vermessen. „Die Liga ist auch viel enger zusammengerückt, und wir haben uns jetzt nach der November-Pause besser gefunden. Ich denke schon, dass da noch einiges möglich ist.“

Ob seine Beziehung zu den Tigers eine heiße Affäre bleibt oder in eine Ehe mündet, möchte Kevin Kunz noch nicht beantworten. „Das ist einfach noch zu früh. Aber es ist schon so, dass ich mich hier enorm wohl fühle.“ Einziges Manko sei die Sprachbarriere: „Dieser Dialekt hier ist echt sehr schwierig, manches verstehe ich, aber oft muss ich drei Mal nachfragen.“

Kevin Kunz über ...

… eigene Stärken und Schwächen: Meine Schnelligkeit bringe ich jetzt schon ganz gut ein, ich muss aber auch aufgrund meiner Körpergröße schon noch ein bisschen an Masse zulegen, um mich in Zweikämpfen noch besser durchsetzen zu können.

… die Zeit außerhalb des Eishockeys: Ich unternehme viel mit meiner Freundin. Wenn ich mit den Jungs weg bin, gehen wir meistens zum Essen ins Ponte. Eigentlich gibt es hier in Bayreuth alles, was man braucht.

… seine Zukunftspläne: Ich habe vor, im nächsten Jahr ein Fernstudium in Sportwissenschaften zu beginnen – entweder in München, Berlin oder Unna.

… die größten Unterschiede zwischen DEL2 und Oberliga: Das Spiel in der DEL2 ist wesentlich schneller, man hat kaum Zeit am Puck und muss schnell eine Lösung finden. Auch vom Körperspiel her ist es härter. Nicht zu vergessen die ganze Organisation – das ist schon wesentlich professioneller als beispielsweise zuletzt in Timmendorf.

… das Zusammenwirken mit den Routiniers Kolozvary und Bartosch: Ich profitiere enorm von den beiden. Sie geben mir viele Tipps. Somit begreife ich das als wichtigen Lernprozess.

 

0 Kommentare

Kommentieren

  1. Passwort vergessen?
  2. * = Pflichtfeld
Sie haben noch keinen Benutzer-Zugang? Jetzt registrieren!

Wenn Sie einen Kommentar verfassen, so wird dieser unter Ihrem Klarnamen, also dem von Ihnen angegebenen Vor- und Nachnamen veröffentlicht. Sollte Ihr Kommentar nicht sofort erscheinen, bitten wir Sie um etwas Geduld. Wir behalten uns vor, Kommentare vor der Veröffentlichung zu prüfen. Bitte beachten Sie hierzu auch unsere Netiquette.

loading