Seniorenwohnheim erschreckt Anwohner

Auf dieser Wiese beim Wohngebiet Weidig soll ein Seniorenheim der Firma Senivita entstehen. Die Anlieger sind mit der Planung nicht einverstanden und äußerten vor der Sitzung des Marktgemeinderates ihre Kritik. ⋌Foto: Ronald Wittek

Wird das geplante Seniorenwohnheim im Wohngebiet Weidig zu groß? Ist der Bau zu hoch? Werden spielende Kinder durch das höhere Verkehrsaufkommen gefährdet und die angrenzenden Straßen zugeparkt? Diese und weitere Fragen stellten Anwohner bei der Bürgerfragestunde vor der Sitzung des Marktgemeinderates.

Etwa ein Dutzend Anlieger des Projekts aus dem Wohngebiet hätten dabei gerne Genaueres über das Projekt von Senivita erfahren, doch einen konkreten Plan gebe es noch gar nicht, betonte Bürgermeister Hans Wittauer. Mit dem sei frühestens im April 2017 zu rechnen. 

Das Projekt: Wie berichtet, plant die Senivita Social Estate AG (SSE) im Ortsteil Weidig ein Seniorenwohnheim nach dem Modell der Altenpflege 5.0 mit 48 Pflegewohnappartements mit integrierter Sozialstation sowie 60 Tagespflegeeinheiten mit 60 Plätzen. Dabei handelt es sich um eine Kombination aus drei Bausteinen: Seniorengerechtes Wohnen, Pflege in der eigenen Wohnung und Tagespflege unter einem Dach. Dieses seit acht Jahren erprobte und immer weiterentwickelte Modell biete gegenüber der stationären Pflege höheren Wohnkomfort, mehr Privatheit, individuelle Versorgung und sehr gute Betreuungsqualität bei Demenz oder Intensivpflege, heißt es.

Anlieger fordern: Wiese sinnvoll nutzen

Die Anlieger: Zuvor hatte Walter Schütz, einer der Anlieger, drei Punkte im Zusammenhang mit dem Bau des Seniorenwohnheims vorgebracht. „Wir wollen alle, dass die Wiese sinnvoll genutzt wird“, sagte Schütz, „aber es muss auch passen, muss stimmig sein.“ Erstens müsse man eine sinnvolle Parkregelung finden, damit die Autos von Heimbesuchern vor allem an den Wochenenden nicht die Straßen im Weidig zuparken. Zwar seien 24 Stellflächen geplant, doch reichten die wohl nicht aus. Zweitens handle es sich in Weidig um ein intimes Wohngebiet mit vielen spielenden oder Rad fahrenden Kindern. Deshalb müsse die Zufahrt zum Seniorenheim unbedingt über die Industriestraße erfolgen. Drittens seien Größe und Form des Gebäudes diskussionswürdig. Das hohe und aus zwei Kuben und einem Verbindungsgebäude bestehende Haus soll seines Wissens an die Grundstücksgrenze gebaut werden. „Hier stellt sich die Frage: Passt das zum Baugebiet Weidig?“ Das Vorhaben müsse stimmig sein und dürfe die Homogenität des Gebiets nicht kaputt machen. Man sollte überlegen, ob das Ganze nicht eine Nummer kleiner realisiert werden könnte, mit mehr Grün drum herum wie beim Awo-Seniorenheim. Nicht so gut kam bei den Zuhörern eine Bemerkung des Bürgermeisters an, der zum Ende der Fragestunde die Möglichkeit eines Flüchtlingswohnheims ins Spiel brachte. „Das ist Erpressung. Das hätte es nicht gebraucht“, rief ein aufgebrachter Anlieger beim Verlassen des Sitzungssaals Wittauer zu.

Gebäude ist kein Stilbruch

Der Bürgermeister: Das Projekt habe schon lange auf der Agenda der Seniorenarbeit der Gemeinde gestanden und man freue sich, dass man mit Senivita einen kompetenten Investor gefunden habe, sagte Wittauer nach der SSE-Zusage im September. „Daran hat sich auch nichts geändert“, betonte der Bürgermeister gestern gegenüber dem Kurier. Es gebe eine immer größere Nachfrage nach solchen Einrichtungen, der man als Kommune gerecht werden müsse. Er sehe keine größeren Probleme bei der Realisierung des Projekts. Das mit einem Flachdach geplante Gebäude sei auch kein Stilbruch, wie von einigen Anwohnern befürchtet. „Wir haben beim Bahnhof und im Bereich der Schule auch Sattel- und Flachdächer nebeneinander. Das harmoniert durchaus“, so Wittauer. Die Anlieger führten Punkte ins Feld, die noch gar nicht bekannt seien. „Wir haben zwar die Änderung des Bebauungsplans beschlossen, aber noch keinen konkreten Bauplan für das Seniorenheim vom Investor vorliegen.“ Dennoch werde man die Anregungen der Bürger sehr ernst nehmen und versuchen, die Planungen so zu steuern, dass am Ende alle zufrieden seien. Auch der Marktgemeinderat sei sich bewusst, dass die Pläne zum Umfeld passen müssten.

Anregungen und Bedenken einbringen

Das Ergebnis: Der ersten öffentlichen Auslegung des Bebauungsplans folgt nun eine zweite vom 7. Dezember bis zum 7. Januar 2017. Bürger sowie die Träger öffentlicher Belange werden insofern einbezogen, als sie sich darüber in der Gemeinde informieren und ihre Bedenken und Anregungen vorbringen können. Der Bau selbst wird wohl nicht vor Sommer nächsten Jahres beginnen. Geplant ist auf Anregung von Bürgermeister Hans Wittauer auch ein runder Tisch mit Bürgermeister, Marktgemeinderäten und Anliegern in Weidig. Darüber freut sich auch Walter Schütz: „Es ist sehr gut, dass der Bürgermeister das angeregt hat. Wir wollen ja schließlich, dass am Ende alle zufrieden sind.“

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