Seniorenbeirat regt an Führerschein gegen Busfahrkarte

Von Klaus Hamann geht die Initiative für den Tausch Führerschein gegen Jahreskarte aus. Der 65-Jährige ist Vorsitzender des Seniorenbeirats. Fotos: Andreas Harbach

BAYREUTH. Ein Jahr lang sollen Senioren in Bayreuth kostenlos Busfahren können, wenn sie ihren Führerschein freiwillig für immer abgeben: Das schlägt der Seniorenbeirat vor. Die Stadt reagiert vorsichtig positiv.

Ob betagte Autofahrer ein Verkehrsrisiko sind, darüber wird in Deutschland immer wieder diskutiert – zuletzt nach dem Autounfall des 97-jährigen Prinz Philip in Großbritannien. Deutsche Versicherer haben mehrfach verpflichtende Fahrten von Menschen ab 75 Jahren mit Fahrlehrern gefordert. Der Seniorenbeirat setzt dagegen auf Freiwilligkeit: Er bittet den Stadtrat und Oberbürgermeisterin Brigitte Merk-Erbe zu prüfen, ob ein freiwilliger Tausch Führerschein gegen Freifahrtskarte für den öffentlichen Nahverkehr für ein Jahr umgesetzt werden kann.

Ein großer Sprung

Im Jahr 1990 sei das schon einmal in Bayreuth angeboten worden, doch wurde dies wegen geringer Beteiligung wieder eingestellt, sagte CSU-Stadträtin Ingrid Heinritzi-Martin. In einem Brief des Seniorenbeiratsvorsitzenden Klaus Hamann, den das Plenum einmütig billigte, heißt es nun, körperliche und kognitive Fähigkeiten ließen im Alter nach, die Risiken im Verkehr stiegen. Die Abgabe des Führerscheins sei aber ein großer Sprung. Immer mehr Kommunen machten sich Gedanken, wie man ältere Menschen motivieren könne, den Führerschein abzugeben.

Erfolgreich ausprobiert

Eine kostenlose Jahreskarte für den öffentlichen Nahverkehr als Gegenleistung sei in mehreren Städten erfolgreich ausprobiert worden, sagte Hamann und verwies dazu auch auf einen Kurier-Bericht aus dem Jahr 2017. Positive Rückmeldungen habe er auch aus den Städten Ulm und Biberach erhalten. In der Kleinstadt Bieberach sei die Stadt nach der Einführung des Tauschs 2018 „förmlich überrannt worden“, sagte Hamann. 140 Führerscheine seien abgegeben worden. Allerdings hatten über diese Aktion überregionale Medien ausführlich berichtet.

Positives Signal der Oberbürgermeisterin

Von Oberbürgermeisterin Brigitte Merk-Erbe gebe es bereits positive Signale, sagte Hamann. Sie habe angekündigt, das Thema dem Stadtrat zur Entscheidung vorzulegen und gegebenenfalls die erforderlichen Mittel in den Haushalt einzustellen. Wenn 50 Senioren ihren Führerschein freiwillig abgeben würden, würden die 50 Ganzjahrestickets die Stadt rund 20.000 Euro kosten.

Mickriger Busplan

Aus den Reihen des Seniorenbeirats wurde der Vorstoß im Grundsatz begrüßt, allerdings gab es auch skeptische Stimmen. Das Busangebot müsse für Senioren auch attraktiv sein. Der Seniorenbeirat hatte bereits mehrfach das Angebot an Wochenenden und in den Abendstunden als zu dünn moniert. „Den Führerschein hergeben würde mir schwer fallen, am Wochenende ist der Busplan mickrig“, sagte Beirätin Renate Fendt.

Holger Lange, bis zu seiner Pensionierung Chefarzt der Geriatrie am Klinikum, sagte, es sei erwiesen, dass Menschen über 80 öfter Autounfälle hätten. Man müsse aber bedenken, dass ältere Menschen gerade auf dem Land auf ihr Auto angewiesen seien, um zum Einkaufen oder zum Arzt zu kommen. „Erst einmal muss der Nahverkehr ausgebaut werden, damit ältere Menschen auf ihr Auto verzichten können.“


Neue Seniorenbeauftragte

Brigitte Nürnberger ist ab 1. April neue Seniorenbeauftragte der Stadt Bayreuth und Leiterin der Bürgerbegegnungsstätte am Sendelbach. Die 46-jährige Sozialpädagogin aus Pegnitz stellte sich am Donnerstag im Seniorenbeirat vor. Unter anderem leitete sie zuvor ein Beratungszentrum für psychisch Kranke.

 

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