Seit gut drei Wochen war Huhn Hermine verschwunden – Marder wurde verdächtigt Huhn Hermine in Strohpresse versteckt

Hermine (links) zeigt ihrem Nachwuchs, wo es im Hühnerleben so langgeht. Foto: Dominik Eckert

Hühnerhalter Dominik Eckert hatte das kleine schwarz-weiß gesperberte Huhn mit dem amüsanten Federschmuck am Kopf eigentlich schon abgeschrieben. Seit Mitte Mai war Hermine spurlos verschwunden, ihr Stammplatz auf der obersten Stange in einem der drei Hühnerställe auf dem alten Bauernhof blieb seitdem leer.

Alle Winkel und Ecken des Lucky- Stadls wurden vergeblich abgesucht. Auch die Auswertung der Webcam, mit der man sich die Hühner tagsüber im Internet ansehen kann, brachte kein Licht ins Dunkel. Weil auch regelmäßig Fressfeinde wie Marder und Greifvögel in der Nähe gesichtet werden, schien die Sache klar. Erst im vergangenen Sommer hatte der Fuchs den Hühnerstall am anderen Ende des Dorfs heimgesucht und dabei keine Gefangenen gemacht. Besonders schade war es, weil das optisch außergewöhnliche Hühnchen selbst erst im vergangenen Jahr auf dem Hof in der Dorfmitte aus dem Ei geschlüpft war.

Doch Ende letzter Woche dann die unerwartete Wende. Ludwig Utner machte in seiner auf der anderen Straßenseite gelegenen Scheune eine freudige Entdeckung. Bei Wartungsarbeiten an seiner alten, roten Strohpresse, mit der er kleine Quader produziert, fand er Hermine in dem mit Strohresten vom Vorjahr gepolsterten Ausgabeschacht. Sie hatte sich so gut versteckt, dass lediglich Schnabel und der rote Kamm von außen zu sehen waren. Und die Henne war nicht allein: Neben zerbrochenen Eierschalen piepsten drei kleine "Zieberla“.

Brütende Hühner verteidigen sich

Als er die Presse vor zwei Wochen vom Hof in die Scheune gebracht hatte, muss sie also als blinder Passagier mitgereist sein. Etwa 21 Tage brauchen Hühner, um ihren Nachwuchs ausbrüten. Angesichts der vielfältigen Gefahren sei es schon bemerkenswert, dass sie das so geschafft hat, meint ihr Besitzer: "Aber andererseits wissen brütende Hühner auch, sich eindrucksvoll zu verteidigen.“ Zusammen mit den Kleinen wurde die lange Vermisste ins Kükengehege auf dem Hof gebracht, wo sie sich zusammen mit den anderen Glucken nun ganz der Brutpflege widmen kann.

Dass Hühner nicht immer da brüten, wo man es gerne hätte und dabei auch gerne individuelle Wege gehen, ist allerdings keine Seltenheit. Vor drei Jahren hatte ebenfalls jede Spur eines Huhns gefehlt, ehe die Gemeindearbeiter Ludwig Utner und Johannes Fussi sie früh morgens mitten auf der Kreisstraße auf Höhe der Dorfkreuzung fanden. Im Gefolge hatte sie gleich sieben Küken. Das Nest fand man dann hinter dem Verteilerkasten eines Telekommunikationsunternehmens am Straßenrand. edo

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