Seilbahn: Vorbild Großer Arber?

Trügerischer Wintertraum: Die Seilbahn am Ochsenkopf gilt als nicht mehr zeitgemäß und überdies ausfallgefährdet. Foto: red

Wann kommt die neue Seilbahn am Ochsenkopf und wer soll sie betreiben? Und kommt sie überhaupt? Im Frühjahr will man bei diesen Fragen einen Schritt weiter sein. Ein Beispiel, wie es erfolgreich gehen kann, gibt es im Bayerischen Wald.

Derzeit erstellt eine Südtiroler Agentur eine Machbarkeitsstudie und einen Businessplan, in dem es um Neubau und Privatisierung der Ochsenkopfseilbahn geht. „Der Businessplan ist in Arbeit, erst wenn dieser vorliegt, kann eine Auswertung erfolgen“, so die knappe Auskunft aus dem Landratsamt, Sitz des Zweckverbandes, der die Seilbahn betreibt. Nach Kurierinformationen soll das Ergebnis noch im Frühjahr vorliegen.Damit befasst ist die Agentur Ropes aus Vintl in Südtirol. Ropes ist spezialisiert auf technische Lösungen rund um die Themen Seilbahnen und Transport durch die Luft, beleuchtet aber auch betriebswirtschaftliche Aspekte. Stephan Obexer von Ropes bestätigt: „Das Ergebnis wird demnächst vorgelegt, der Entwurf ist schon fertig.“ Ropes hatte bereits vor rund einem Jahr den Sanierungsbedarf der Ochsenkopfseilbahn untersucht und kam zu dem Schluss: technisch veraltet, in weiten Teilen sanierungsbedürftig. Anlass für diese Untersuchung war die Überlegung, Steuerung und Antrieb zu erneuern, die ausfallgefährdet sind, Kosten: rund eine halbe Million Euro.

Entscheidung verschoben

Vor anderthalb Jahren wurde die Entscheidung für eine Teilerneuerung verschoben, weil vor allem von Bischofsgrüner Seite auf einen kompletten Neubau der Seilbahn gesetzt wurde. Weil man in ein altes Auto keinen neuen Motor mehr einbaut. Und weil eine neue Seilbahn, moderne geschlossene Kabinen hätte, die Förderkapazität erhöht werden könnte und damit die Wartezeiten von teils mehr als einer halben Stunden an starken Winterwochenenden verkürzt werden können. Stephan Obexer von Ropes will dem Ergebnis seiner Untersuchung nicht vorgreifen, aber er sagt ebenfalls: „Wenn man schon investiert, sollte man neu bauen, die bestehende Bahn ist nicht mehr zeitgemäß.“ Anderthalb Jahre später ist ein Neubau der Bahn zwar immer noch in weiter Ferne, aber man ist mit zwei Grundsatzentscheidungen zwei Schritte weiter: Die Überzeugung hat sich durchgesetzt, dass eine neue Seilbahn besser ist. Indes haben sich die 2016 kolportierten Kosten von rund zehn Millionen Euro inzwischen in etwa verdoppelt.

Besser privat

Ebenso hat sich die Überzeugung durchgesetzt, dass eine neue Seilbahn nur ein Privatgeschäft sein kann, allenfalls mit der öffentlichen Hand als Minderheitsgesellschafter. Der Zweckverband bekommt maximal 15 Prozent Zuschuss, ein Privatunternehmer kann mit 35 bis 40 Prozent Zuschüssen rechnen, so die klare Ansage, die Landrat Hermann Hübner in München bekam. Und dabei soll es keine Tabus geben: Um ein attraktives Paket zu schnüren, würde ein künftiger Seilbahnbetreiber auch die Hand auf der Gipfelgastronomie, Sommerrodelbahn und Alpine Coaster haben.

Der Beweis, dass eine Seilbahn privat erfolgreich geführt werden kann, wird seit Jahren am Großen Arber im Bayerischen Wald erbracht.

Dort betreibt die Unternehmensgruppe Fürst von Hohenzollern drei Seilbahnen (eine Gondelbahn, zwei Sesselbahnen für je sechs Personen in je 33 bis 47 Gondeln/Sesseln), drei Schlepplifte, fünf Förderbänder sowie Gastronomie und Schneekanonen. Die Seilbahnen wurden 1999, 2002 und 2005 gebaut, für die Investitionen gab es geringe öffentliche Zuschüsse, so Betriebsleiter Thomas Liebel, für den laufenden Betrieb gibt es keinerlei öffentliche Zuschüsse oder Betriebskostenumlagen wie am Ochsenkopf. Es gebe auch keine Quersubvention innerhalb des Verbands – „alles profitabel“, so Liebl. Der bestätigt, dass es informative Kontakte zwischen Arber und Ochsenkopf gibt.

Der Berg ist der Leuchtturm

Das Skigebiet am Arber liegt pauschal 300 bis 400 Meter höher als das am Ochsenkopf. Aber am Arber gibt es keine eigenen Sommerattraktionen, keine Sommer- oder Ganzjahresrodelbahn wie am Ochsenkopf, auch keinen Mountainbike-Tourismus; dafür in der Nähe den Arbersee. „Wir setzen im Sommer ganz auf Natur und Wandern. Der Berg ist der Leuchtturm“, sagt Liebl auf die Frage nach einem Leuchtturmprojekt für den Sommertourismus.

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