Schwelgen am Flügel in Haus Wahnfried Leonard Bernsteins 100. Geburtstag

Leonard Bernstein vor der Galerie der Festspieldirigenten. Foto: red

BAYREUTH. Der Rote Teppich wurde für ihn nicht ausgerollt. Leonard Bernsteins Besuch in Bayreuth ging still und leise über die Bühne. An diesem Samstag wäre der Dirigent und Komponist 100 Jahre alt geworden.

Es war im Jahr 1988 – Bernstein war damals der Jet-Set-Stardirigent schlechthin – als er in Begleitung von Friedelind Wagner das Festspielhaus und Haus Wahnfried besuchte. Auf dem Grünen Hügel schaute er sich den legendären Orchestergraben an und nahm die Galerie mit den Fotos der Festspieldirigenten in Augenschein. Über seinen Besuch in Wahnfried schreibt der damalige Museumsdirektor Manfred Eger: „Er setzte sich gleich nach der Ankunft an den Flügel und improvisierte das Vorspiel zum zweiten Aufzug des „Tristan“. Er schwelgte förmlich in dieser Musik.“ Danach schaute sich Bernstein bei einem Rundgang durch das Haus auch die damalige Nietzsche-Ausstellung an, an der er sich sehr interessiert zeigte. In Egers Aufzeichnung heißt es weiter: „Er umarmte mich und sagte: „Du bist Manfred, ich bin Leonard.““

Eine Begrüßung durch die Festspielleitung blieb dem weltberühmten Dirigenten und Komponisten aber verwehrt. Offenbar legte mal damals auf Starrummel keinen Wert. Zu einem Engagement bei den Festspielen kam es nie.

"Tristan"-Aufnahme von 1981

Wer Bernstein als Wagner-Dirigent erleben will, kann heute auf eine Gesamtaufnahme von „Tristan und Isolde“ aus dem Jahr 1981 mit Chor und Sinfonie-Orchester des Bayerischen Rundfunks zurückgreifen. Peter Hofmann sang den Tristan, der heute in Bayreuth lebende Hans Sotin den König Marke.

Leonard Bernstein war zehn Jahre alt, als seine Tante ihr Klavier zum Einlagern in sein Elternhaus im Ort Lawrence, Massachusetts schickte. „Ma, ich will Unterricht!“, rief der Junge, als er die schwarzen und weißen Tasten sah. Eigener Aussage zufolge hörte Bernstein seine erste Symphonie erst mit 16 Jahren – sehr spät für einen professionellen Musiker und den späteren Dirigenten der New Yorker Philharmoniker. Aber schon während seines Studiums in Harvard zeigte sich, dass der Sohn eines russischen Einwanderers für ein Leben für und mit der Musik bestimmt war.

Vielleicht hatte er so etwas geahnt. Denn als Chefdirigent Bruno Walter von den New Yorker Philharmonikern – Bernstein war dort inzwischen Assistenzdirigent – im November 1943 plötzlich erkrankte, übernahm der junge „Lenny“ das Podium. Die Partituren, darunter Werke von Schumann, Strauss und Wagner, hatte der 25-Jährige für den Fall der Fälle besonders genau einstudiert. Und er glänzte. Bernstein bewies, dass er auch unter schwierigen Umständen technisch selbstsicher war und große Kompositionen hervorragend interpretieren konnte.

Junge Menschen an Klassik herangeführt

Die deutsch-österreichische Musik und Komponisten wie Beethoven, Brahms, Haydn und Schumann hatten in Bernsteins Schaffen einen besonderen Platz. Seine Aufnahmen von Mahlers Symphonien gelten als die besten überhaupt, und Bernsteins Leidenschaft für den Spätromantiker führte in den USA zu einem Mahler-Boom. Mit seinen im Fernsehen übertragenen „Young People’s Concerts“ führte er junge Menschen an die Klassik heran und diente im Konzertzentrum Tanglewood einer ganzen Generation von Musikern als schillernde Leitfigur.

Am Karriereende des Klassik-Superstars stand ein ganzer Berg an Grammys, Emmys, Verkaufsrekorden, Ehrendoktortiteln und allerlei Auszeichnungen aus der Welt von Kunst und Kultur. In Lobreden und Danksagungen wurde immer wieder versucht, seine Musik und seinen Stil zu deuten. Interpretationen gingen Leonard Bernstein aber zu weit. Er brach Musik und deren Bedeutung in seinem ersten TV-Konzert für junge Leute 1958 auf ihre einfachste Form herunter. „Egal, wie oft die Leute euch Geschichten darüber erzählen, was Musik bedeutet, vergesst sie. Geschichten haben mit der Bedeutung von Musik überhaupt nichts zu tun. Musik handelt nie von etwas. Musik ist einfach. Musik ist Noten, wunderschöne Noten, und auf solche Art arrangierte Töne, dass wir es genießen, sie zu hören, und mehr ist es nicht.“ Mit Material von dpa

 

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