Schulweg: Warum so knausrig?

Allein soll Marc (11) nicht auf seinem Schulweg über die Landstraße gehen. Ein Gericht entschied jetzt, dass die Eltern fürs Fahren nur von Oktober bis April eine Entschädigung bekommen. Foto: Archiv/Ronald Wittek

Warum muss ein Elfjähriger zwei Mal am Tag mehr als einen Kilometer eine einsame Landstraße entlang bis zur nächsten Bushaltestelle laufen?

Auf dieser Straße dürfen Verkehrsteilnehmer 80 Stundenkilometer fahren. Erfahrungsgemäß fahren sie vermutlich eher schneller als langsamer. Ein Rad- oder Fußweg fehlt ebenso wie eine Straßenbeleuchtung. Dass ein in diesem Alter noch nicht besonders großes Kind da mal schnell übersehen werden kann, liegt auf der Hand.

Und dass die Gefahr besteht, dass der ein oder andere Fahrer ein dort allein laufendes Kind anspricht, kann unschwer abgestritten werden. Daher sind die Ängste der Eltern aus Ziegenburg um die Sicherheit ihres Jungen völlig verständlich. Es ist eben nicht vorauszusetzen, dass Kinder in diesem Alter bereits wissen, wie sie sich in Gefahrensituationen zu verhalten haben.

Auch noch in anderen Punkten ist das Verwaltungsgerichtsurteil wenig überzeugend, das Anfang der Woche gegen den klagenden Stiefvater gefällt wurde. Wenn der Schulweg von Oktober bis April als besonders gefährlich angesehen wird, warum dann nicht das ganze Schuljahr über? Nur weil die Lichtverhältnisse von Mai bis Juli besser sind als im Winter und es statt Schnee nur Regen geben kann, macht das doch die Wegstrecke an sich nicht weniger gefährlich. Die Eltern müssen so oder so fahren oder mitlaufen.

Warum das Landratsamt die Kilometerpauschale die drei Monate im Sommer nicht übernehmen kann, leuchtet daher nicht ein. Natürlich gilt das Gebot der Wirtschaftlichkeit, aber die Behörde erhält schließlich staatliche Zuweisungen, um ihre Aufgaben zu erfüllen, und das nicht zu knapp. Das Gesetz zur Kostenfreiheit des Schulwegs, wenn dieser länger als drei Kilometer ist, wird hier zuungunsten des Schülers ausgelegt. Dabei sind Ausnahmen zulässig, nur scheint das Landratsamt dafür kein Geld ausgeben zu wollen.

Das ist schade, weil auf der einen Seite Familien ermutigt werden, aufs Land zu ziehen, da dort die Bevölkerung abnimmt. Auf der anderen Seite müssen jene, die sich dafür entscheiden, Nachteile für ihre Kinder in Kauf nehmen, weil dort kein Bus fährt. Eine familienfreundliche Politik sieht anders aus.

ute.eschenbacher@nordbayerischer-kurier.de

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