Schüsse auf der anderen Seite

Der "Nordbayerische Kurier" feiert heuer sein 50-jähriges Bestehen. An dieser Stelle blicken wir täglich auf den Tag genau 50 Jahre zurück. Lesen Sie im Artikel die Titelseite von damals und einen Rückblick der lokalen Ereignisse. In der Ausgabe vom 7. März 1968 berichteten wir unter anderem von den Zuständen an der innerdeutschen Grenze und den Tod eines Bayreuther Industriellen.

Der „Nordbayerische Kurier“ berichtete in der Ausgabe vom 7. März 1968 von den in Bayreuth lebenden Angehörigen des Bundesgrenzschutzes, die an der innerdeutschen Grenze eingesetzt waren. 500 Beamte waren eingeteilt, rund um die Uhr einen 60 Kilometer langen Abschnitt der sogenannten Demarkationslinie zu überwachen.

Nur selten kommen Flüchtlinge oder Spione über die Grenze

Tatsächlich reichte diese Anzahl an Beamten nicht aus. So waren es eher Streifen, die immer wieder entlang der Grenze patrouillierten. Den vier Hundertschaften der Bundesgrenzschutzabteilung Bayreuth standen zehn Grenzkompanien der Nationalen Volksarmee der DDR gegenüber. Und nicht nur das: Die ostdeutsche Seite der Grenze wurde durch Sperrzonen, Minenfelder, Lichtstraßen, Gräben, Wachtürme, Bunker, Mauern und Stacheldrahtzäune zusätzlich geschützt. Durch diese Maßnahmen versuchte die DDR ihre eigenen Bürger an der Flucht aus dem Land zu hindern.  Das war ziemlich teuer.

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Auf dem 60 Kilometer langen Abschnitt waren auf ostdeutscher Seite 120.000 Betonpfosten, 3500 Holzpfosten, zwei Millionen Meter Stacheldraht und 14.000 Meter Stacheldrahtrollen verbaut. Außerdem sechs Sichtstraßen mit 30 Scheinwerfern und 150 Lampen sowie 30.000 Minen. Für die Bayreuther Grenzjäger auf der westdeutschen Seite gab es meist nicht viel zu tun. Nur sehr selten griffen sie Flüchtlinge oder Spione aus dem Osten auf, die es über die Demarkationslinie geschafft hatten. Ganz ruhig war es an der Grenze trotzdem nicht. Immer wieder konnten die Grenzjäger Schüsse von der anderen Seite hören, wenn wieder jemand versucht hatte zu fliehen, aber entdeckt worden war.

Staunen über neue Technik

In derselben Ausgabe berichtete der Kurier über eine Lehrschau an der städtischen Berufsschule. Die Industrie- und Handelskammer hatte eine Firma aus Düsseldorf eingeladen, um die neuesten Möglichkeiten der Compact-Hydraulik zu präsentieren. Die Lehrlinge staunten nicht schlecht angesichts der neuen technischen Entwicklungen. Einer der vorgeführten Hydraulik-Kolben maß gerade einmal 30 Quadratzentimeter, konnte aber ein Gewicht von einer Tonne heben und senken. Diese neue Entwicklung sollte den Handwerkern in Zukunft in vielen Bereichen die Arbeit erleichtern.

Des Weiteren berichtete der Kurier vom Tod des Bayreuther Industriellen Daniel Brendel. Der 66-jährige Kaufmann und Unternehmer war während einer Messe in Frankfurt einem Herzinfarkt erlegen. Brendel, geboren in Schnabelwaid, hatte sich 1922 selbstständig gemacht und die Gablonzer Industrie in Bayreuth angesiedelt. Nach 1945 half er den Heimatvertriebenen aus Gablonz, in der Bayreuther Region wieder Fuß zu fassen, wodurch er in Bayreuth und Umgebung Bekanntheit erlangt hatte.

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