Schülerproteste Nass werden fürs Klima

BAYREUTH. „Wir sind hier, wir sind nass, wir machen das hier nicht zum Spaß.“ Dieser Reim erklang häufig aus den Kehlen von rund 200 Menschen, die am Freitag unter dem Motto „Fridays for Future“ durch Bayreuth zogen. 

Und nass war es tatsächlich – vom Beginn des Demonstrationszugs um 11.10 Uhr am Markgräfin-Wilhelmine-Gymnasium (MWG) bis zur Endkundgebung um 13 Uhr am Herkulesbrunnen regnete es ununterbrochen. Die Schüler störte das nicht. Ihr Tenor: „So können wir zeigen, dass es uns ernst ist.“ 

Organisatorinnen der Demo waren diesmal wie beim ersten Bayreuther Bildungsstreik am 18. Januar erneut fünf MWG-Schülerinnen. Deshalb begann der Zug mit etwa 80 Teilnehmern auch vor ihrer Schule. Mit Polizeieskorte – passend zur Klimademo im E-Auto – ging es von der Königsallee über den Hohenzollernring zur Villa Wahnfried. Dort stieß eine große weitere Gruppe hinzu. Auch einige Studenten waren dabei, die im Vorfeld Unterstützung angekündigt hatten. 

Dann zog die nun etwa 200 Personen große Gruppe vor das Gebäude der Regierung von Oberfranken. Dort demonstrierten sie 30 Minuten lang. Aus den Fenstern schossen Mitarbeiter Handyfotos; weitere Reaktionen blieben aus. Die Schüler skandierten springend „Wer nicht hüpft, der ist für Kohle.“ Redner ergriffen das Megafon und forderten die Demonstranten trotz des Regens zum Bleiben auf. Um 12.15 Uhr ging es zum Marktplatz. 

Für Gesprächsstoff unter den Protestierenden sorgte eine Lautsprecherdurchsage, die es laut Erzählungen der Schüler um 9 Uhr am MWG gegeben haben soll. Schulleiterin Elisabeth Götz habe mitgeteilt, dass Entschuldigungen nicht akzeptiert würden. Wer die Schule verlasse, müsse mit Konsequenzen rechnen. Die Schüler sollten sich lieber für einen Klimatag engagieren, den das MWG veranstalten wolle. 

Die teilnehmenden Schüler störte allerdings wenig, dass sie eigentlich gerade in der Schule sein sollten. „Wir wollen uns für unsere Zukunft einsetzen und da geht dann an einem Tag der Streik vor“, sagte die 15-jährige Emma, die mit Freunden aus Hollfeld angereist ist. Nur durch den Streik sei es möglich, Aufmerksamkeit für ihre Ziele zu erhalten.

Neben jungen Leuten liefen auch einige Ältere mit – wie der 65-jährige Peter Hofmann aus Bayreuth. „Ich finde es wichtig und ermutigend, wenn die nächste Generation hoffentlich das macht, was wir versäumt haben.“ Die ersten Reihen überließen die Erwachsenen aber der Jugend.

„Ich finde die Aktion cool. Die Initiative muss aber von den Schülern ausgehen, es ist ihre Sache“, sagte Tim Pargent. Der Grünen-Landtagsabgeordnete begleitete die Demo am Rand.

Die Organisatorinnen waren am Ende patschnass, aber hochzufrieden. Lily Bauschke empfand den erstmaligen Protestzug durch die Stadt als Aufwertung. „Dadurch war trotz Regens die Stimmung noch besser. Und es haben noch mehr Bayreuther von unserer Aktion mitbekommen“, sagte die 18-Jährige. Nach einigen Wochen Pause hatten die Schülerinnen gestern wieder zum Streik aufgerufen, um teilzuhaben am bislang weltweit umfangreichsten „Friday for Future“. In über 110 Ländern gab es Proteste. Und auch in Bayreuth soll es weitergehen. Bauschke: „Wir werden nicht jeden Freitag streiken. Heute war aber definitiv nicht das letzte Mal.“

 

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