Schlosskirche Austoben im Himmel

BAYREUTH. Es ist eine Sanierung mit Aha-Effekt: Die Altersleiden der Schlosskirche werden seit April behoben. Und die Kirche bekommt nicht nur ein neues farbliches Raumgefühl, sondern ein Deckengemälde zurück, das dazu beitragen soll, die Stuck-Ornamente von Giovanni Battista Pedrozzi mit dem Gemälde als Gesamtkunstwerk wahrnehmen zu können.

Es geht bei der Sanierung der Schlosskirche um so etwas wie den denkmalpflegerischen Standard und darum, die Kirche restauratorisch und technisch für die Zukunft fit zu machen. Und es geht um ein Sahnehäubchen, das die Schlosskirche – die einzige katholische Markgrafenkirche – erst wieder zur Schlosskirche macht, der seit über 150 Jahren das Deckengemälde als entscheidendes Element fehlt.

Innen wird die Kirche deutlich heller

Michael Fränkel, der Architekt, der die Innensanierung der Kirche planerisch betreut, sagt am Donnerstag im Gespräch mit unserer Zeitung, dass ein Teil der Arbeiten aktuell schon kurz vor dem Abschluss stünden: „Die Zimmererarbeiten am Dachstuhl sind so gut wie abgeschlossen, das Dach ist fast eingedeckt, es fehlen nur noch Teile der Seite zum Harmoniehof.“ Im November beginne der Einbau der neuen Lüftungszentrale im Dach, „die es vorher nicht gegeben hat“. Ebenso „so gut wie erledigt“: die Elektroinstallation. „Wir hatten hier Kabel drin, die heute streng verboten sind“, sagt Christian Karl Steger, der Pfarrer der Schlosskirche. Parallel wurden die Schäden im Mauerwerk, Risse im Putz und im reichen Stuck der Kirche behoben – „und wir können die Neufassung vorbereiten“, sagt Fränkel. Denn die Kirche wird ein deutlich helleres Gesicht an Säulen, Emporen und Altar bekommen.

Überschreitung wegen der Schadstoffsanierung

Was im Vergleich zu den veranschlagten Kosten von rund 1,4 Millionen Euro eine leichte Überschreitung von rund 20 000 Euro bringen werde, sei die Schadstoffsanierung: „Künstliche Mineralfasern und asbesthaltige Brandschutzklappen werden derzeit ausgebaut und entsorgt“, sagt Fränkel.

Der Kirchenmaler ist schnell

„Was für uns eine Sensation ist: Kirchenmaler Franz Fersch hat Anfang Oktober angefangen – und er wird Ende des Jahres fertig sein. Wenn man die Qualität und seine Technik sieht, ist das großartig“, sagt Fränkel.

Der größte Auftrag für Franz Fersch - zumindest flächenmäßig

Franz Fersch sitzt unter der Decke auf einem rollbaren Gerüst. Kaum hörbar und mit schnellen Bewegungen arbeitet er an dem Deckengemälde, das er für die Schlosskirche entworfen hat. Das die Lücke schließen soll: Die Stuck-Ornamente Pedrozzis waren ein Rumpf, weil die theologische Aussage fehlte“, sagt Steger. Für Fersch, der aus Pondorf im Landkreis Eichstätt kommt, und der seit rund 20 Jahren „als Kirchenmaler, so wie die Laien sich das vorstellen“, unterwegs ist, ist ein Auftrag wie der in Bayreuth Premiere. „Ich habe noch nie ein zusammenhängendes Gemälde von mehr als zehn Quadratmetern gemacht.“ Er habe sich gewunden, als Steger ihn angerufen hat: „Ich saß auf einem Parkplatz und habe erst gar nicht gezogen. Aber irgendwann habe ich gemerkt: Den Pfarrer bekommst nicht mehr los.“ Ja, sagt Steger, „ich bin hartnäckig geblieben“. Schließlich habe Fersch nachgegeben – „sind ja nur 16 mal zehn Quadratmeter“, wie er mit einem Lächeln sagt.

Eigene Handschrift, keine Kopie barocker Vorbilder

Fersch kann sich austoben im Himmel der Schlosskirche, auf den 160 Quadratmetern. „Ich habe bewusst vermieden, originale Vorbilder zu verwenden“, sagt Fersch. Er habe „aus drei verschiedenen Jahrhunderten geklaut“ und eine heilsgeschichtliche Versöhnungsszene von Gott und Mensch entworfen, die „ich mit meiner eigenen Handschrift so darstellen kann, dass es ein Gemälde aus einem Guss wird“. Trotz der Herausforderung, die die große Fläche der drei Deckenspiegel für ihn darstelle.

Das Ende ist absehbar

Pfarrer Steger ist begeistert von der Entwicklung der Sanierungsarbeiten, trotz der Kosten, die bei der Kirchengemeinde hängen bleiben und über Spenden gedeckt werden müssen. „Jetzt macht es Spaß, weil man sieht, wie es vorwärts geht“, sagt Steger. Das Ziel sei absehbar, die Zeit der Gottesdienste im beengten Pfarrsaal – „da haben wir viele Leute verloren“ – bald wieder vorbei. Zu Ostern soll die Kirche wieder eingeweiht werden.

 

0 Kommentare

Kommentieren

  1. Passwort vergessen?
  2. * = Pflichtfeld
Sie haben noch keinen Benutzer-Zugang? Jetzt registrieren!

Wenn Sie einen Kommentar verfassen, so wird dieser unter Ihrem Klarnamen, also dem von Ihnen angegebenen Vor- und Nachnamen veröffentlicht. Sollte Ihr Kommentar nicht sofort erscheinen, bitten wir Sie um etwas Geduld. Wir behalten uns vor, Kommentare vor der Veröffentlichung zu prüfen. Bitte beachten Sie hierzu auch unsere Netiquette.

loading