Schlaflos an der Baustelle In Untersteinach sorgt die Umgehungsstraße für Ärger

Taghell ist es während der gesamten Nacht auf der Baustelle für das Galeriebauwerk im Zusammenhang mit dem Bau der Untersteinacher Ortsumgehung. Für die direkt gegenüber lebenden Menschen sind das gleißende Licht und auch der Lärm von Generatoren zur Belastung geworden. Foto: Melitta Burger

UNTERSTEINACH. Matthias Weber sagt: „Bei uns ist es gerade wie im Sommer am Nordpol. Dort wird es auch nie dunkel.“ Doch von Gefühlen, wie sie im Urlaub beim Erleben der Mitternachtssonne wohl aufkommen, ist die Familie Weber weit entfernt. Matthias Weber, seine Frau und die fünfjährige Tochter sind in Untersteinach, in der Kulmbacher Straße. Ihr Haus liegt genau gegenüber der Baustelle, wo gerade das große Galeriebauwerk entsteht, das später die Talbrücke und die Auffahrt von Untersteinach aus verbinden wird.

2016 hat der Bau der Umgehungsstraße von Untersteinach begonnen. Ende 2020 soll das Bauprojekt abgeschlossen sein. Rund 60 Millionen Euro wird der Bau der 4,2 Kilometer langen Strecke kosten. Sechs Brücken, darunter auch die mehr als 400 Meter lange Talbrücke samt der Brückengalerie sind für die Umgehung nötig. Rund um die Uhr wird gebaut. Die Baustelle ist nachts in gleißendes Scheinwerferlicht getaucht. Die Lichter sind in Richtung des Hauses gerichtet, das die Familie Weber bewohnt.

Das Licht ist aus, es bleibt hell

„Wir brauchen eigentlich in der Nacht bei uns im Haus kein Licht mehr einschalten“, sagt der Familienvater. Als er im Wohnzimmer die Lampen löscht, bleibt es tatsächlich hell im Raum. Die Baustelle ist allgegenwärtig, unübersehbar. Auch wenn man nicht direkt aus dem Fenster schaut. Das Licht erhellt das Grundstück und alle zur Straße gelegenen Räume des Wohnhauses. Viele Jahre lang haben die Untersteinacher um ihre Ortsumgehung gerungen. Jetzt wird sie gebaut. Viele im Ort werden sich freuen, wenn dann nicht mehr täglich rund 14 000 Fahrzeuge mitten durch den Ort rollen.

Ob sich die Webers und ihre Nachbarn auch freuen werden, darf man allerdings jetzt schon bezweifeln. Vieles mussten sie schon ertragen. Als die Spundwände installiert wurden, haben die direkten Anwohner Geld für die Übernachtung in Hotels bekommen. Die Pfosten konnten wegen des Bahnverkehrs nur nachts eingeschlagen werden. Das war, wie Matthias Weber erzählt, nicht nur infernalisch laut. „Das ganze Haus hat gedröhnt und gewackelt“, erinnert er sich.

"Wir können kein Fenster mehr aufmachen."

Jetzt wird seit fünf Wochen erneut rund um die Uhr an dem Galeriebauwerk gearbeitet. Das Bauamt hat die Familie informiert, dass weitere zwei Wochen Nachtarbeit vorgesehen sind. Für die Tatsache, dass die Scheinwerfer in Richtung der Häuser gerichtet sind, hat der Familienvater kein Verständnis. „Aber wir können kein Fenster mehr aufmachen, nur noch mit heruntergelassenen Rollos schlafen. Unsere Tochter wacht nachts von dem Baulärm auf.“

Mehrfach hat Matthias Weber bereits ans Bauamt geschrieben, berichtet er. Über Wochen hat er nichts gehört. Antwort hat er erstmals an dem Tag bekommen, als Medien wegen des Themas bei der Behörde nachgefragt hatte. „Das Bauamt hat mir geschrieben, sie würden sich der Sache annehmen“, sagt der Untersteinacher.

Manche Arbeiten gehen nur nachts

Kurt Schnabel ist Leiter des Staatlichen Bauamts in Bayreuth. Er redet erst gar nicht drumherum: „Es ist richtig: Es gibt in Untersteinach Gebäude und Anwohner, die schon immer sehr nah an der Straße waren.“ Genau in dem Bereich, wo die Webers wohnen, muss die Verlegung der Bundesstraße wieder auf den Bestand anschließen. Irgendwo endet ja jede Umgehungsstraße. Diese Anwohner hatten schon immer die Bundesstraße. Sie wird auch künftig in ihrer Nähe bleiben.“ Doch am Ende werde es auch für diese Menschen eine Verbesserung geben, verspricht Schnabel. „Bei der Planung lag ein großes Augenmerk auf dem Lärmschutz. In diesem Bereich wird es einen baulichen aktiven Lärmschutz für diese Anlieger geben, so dass sich die Situation nach dem Bau verbessern wird.“

Nicht nur der Straßenlärm werde besser abgeschirmt. Durch die neue Straße werde auch der Lärm von der Bahnlinie abgeschirmt. Ohne Lärm und Beeinträchtigungen gehe eine Baustelle leider nie vonstatten.

Dem Chef des Bauamts ist klar, dass die Zeit bis zum Ende der Baustelle hart ist für die Nachbarn. Schnabel erinnert an den Bau der Spundwände, der nur nachts erfolgen konnte. So laut wie im Sommer werde es diesmal nicht mehr. Derzeit werde dort nur betoniert. Dass auf der Baustelle das Licht auch dann brennt, wenn dort gar keiner arbeitet, mag Schnabel so nicht stehenlassen. „Wenn die Baustelle beleuchtet ist, wird dort auch gearbeitet, sonst macht das ja keinen Sinn. Das ist ja auch eine Sache, die mit Kosten verbunden ist“, sagt er. Dass man im Vorübergehen niemanden arbeiten sieht, sei nicht ungewöhnlich.

 

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