Schandfleck verschwindet Bauruine der Polster-Bräu in Nankendorf wird abgerissen

NANKENDORF. Von draußen ist nicht viel zu sehen. Ein Förderband, ein paar Container, ein paar Fahrzeuge. Im Inneren dagegen so etwas wie Endzeitstimmung für eine Immobile, deren Tage gezählt sind. Schuttberge, Männer in Schutzanzügen, ein Dach, das am Einstürzen ist. Hier wurde einst im größeren Stil fränkisches Bier produziert? Kaum vorstellbar. Das Gebäude der früheren Polster Bräu in Nankendorf wird abgerissen. In kleinen Schritten – bevor dann alles sehr schnell gehen wird. Doch vorher gilt: Sortieren, bis der Arzt kommt.

400.000 Euro kostet der Abbruch, dafür gibt es vom Freistaat 75 Prozent an Zuschüssen. Zuständig ist das Unternehmen Plannerer aus dem oberpfälzischen Pullenreuth. „Das ist für uns ein Objekt mittlerer Größenordnung“, sagt Geschäftsführer Stephan Plannerer bei einem Ortstermin mit dem Kurier. Seit 1992 ist die Firma in diesem Geschäftsfeld aktiv, „so um die 250 Aufträge wickeln wir pro Jahr im Schnitt ab“. Darunter viele mit einem Auftragsvolumen um die 50.000 Euro, aber auch nicht wenige im Millionen-Bereich.

Schon ziemlich "sauber"

Seit vier Wochen sind die Plannerer-Leute in Nankendorf aktiv. Immer so mit sechs, sieben Leuten. Sie räumen aus, sie entkernen. „So ein Prozess läuft immer von oben nach unten“, sagt René Ziebarth, der dabei das Sagen hat. Er ist seit zwei Jahren bei Plannerer tätig, fungiert quasi als Bauleiter, als Kapo. Er und seine Männer sind schon recht weit gekommen – bis ins Erdgeschoss. Was nicht heißt, dass oben drüber alles erledigt ist. Aber da schaut es schon ziemlich „sauber“ aus.

Wände, Decken und Böden sind mehr oder minder freigelegt. Womit wir beim Hauptproblem eines Abbruchunternehmens wären: dem Sortieren und dem Entsorgen des Materials, das da „gewonnen“ wird. Ein höchst komplexer Prozess, verbunden mit einem hohen bürokratischen Aufwand, so Stephan Plannerer. Da gibt es eine ganze Reihe von Kategorien. Von Metallen über mineralische Stoffe bis hin zu normalem Müll. Von problemlos wiederverwertbar – etwa beim Straßenbau – über „muss aufbereitet werden“ bis hin zu „das muss auf die Deponie‘“.

Als Teerkork noch Styropor ersetzte

In der Ex-Polster-Bräu gilt es einiges zu sortieren. Da ist zum Beispiel jede Menge Teerkork. Der wurde früher gerne zum Isolieren genommen, etwa bei den Kühlräumen, „heute verwendet man da Styropor“. Der mit Teer getränkte Naturkork – sein Vorteil: „Er saugt sich nicht mit Wasser voll“ – findet sich in Nankendorf aber auch in Böden, in Zwischenwänden. Nicht immer lässt er sich komplett von anderen Materialien, mit denen er zusammenhängt, trennen. Die Folge: Viele Säcke mit ganz unterschiedlichen Abbruchstücken, die einzeln beprobt und dann einer Kategorie zugeordnet werden müssen. Nicht nur einmal. Sehr bürokratisch, sagt Plannerer.

Auch beim Gussasphalt, „der ist mal stark bitumenhaltig, mal weniger“. Kann also zum Teil für den Straßenbau genutzt werden, zum Teil nicht. Nicht zu vergessen die quecksilberhaltigen Neonröhren, ziemlich giftiges „Zeugs“. Alles in allem „reden wir hier von an die 30 Sortierungsgraden“. Nicht alles kann wiederverwertet oder verbrannt werden.

Auf eine Deponie in Tschechien

Wie die Rigips-Platten, von denen sich große Haufen an Bruchstücken in den Räumen der Brauerei-Ruine auftürmen. Sulfathaltiges Material, das auf eine Deponie im tschechischen Pilsen wandert. „Bei uns existieren dafür keine“, sagt Stephan Plannerer. Und ergänzt: „Da reden alle von Feinstaubbelastung und dann muss das Ganze über hunderte von Kilometern transportiert werden.“ Er schüttelt den Kopf.

Besenrein soll es sein

Bis Mitte Februar soll das Gebäude in jeder Hinsicht entrümpelt sein. Besenrein, wie Plannerer betont: „Wir müssen das sorgfältig durchkehren, damit auch der ganze Kleinkram weg ist.“ Dann können die Bagger anrollen, dann folgt der eigentliche Abriss. Da wird es dann einfacher mit dem Sortieren.

Übrigens: Alles, was sich zu Geld machen lässt, war beim Eintreffen der Plannerer-Mannschaft schon weg. Die Braukessel, die Kupferrohre, die Handläufe aus Messing. „Nichts mehr da, das wurde sorgfältig rausgesägt“, sagt René Ziebarth. Und das wohl auf die heimliche Tour, vermutet er.

 

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