Saison-Einzelkritik des Medi-Teams

Unmittelbar nach der 70:95-Niederlage in Ludwigsburg, die das Scheitern im Viertelfinale besiegelte, wirkten die Mienen im Medi-Team naturgemäß nicht glücklich. Mit etwas Abstand darf aber auch jeder einzelne Spieler mit seiner persönlichen Gesamtleistung in der Saison zufrieden sein. Foto: Peter Kolb

Auch unmittelbar unter dem Eindruck des Ausscheidens aus den Playoffs durch drei Niederlagen gegen die Riesen Ludwigsburg fiel die Saisonbilanz von Medi Bayreuth aus der Sicht von Trainer Raoul Korner positiv aus. „Wir waren im ersten Jahr europäisch unterwegs und sind in der Champions League unter die besten Acht gekommen, wir waren im Top-Four-Turnier um den BBL-Pokal und haben relativ locker die BBL-Playoffs erreicht. Jetzt müssen wir zur Kenntnis nehmen, dass wir kein Top-4-Team in der Liga sind“, sagte der Österreicher, der auch in den beiden kommenden Jahren den Ton auf der Kommandobrücke angeben wird. Da überrascht es nicht, dass auch in unserer Saisoneinzelkritik die positiven Aspekte deutlich überwiegen.

Nr. 3 James Robinson

Der Neuzugang vom bosnischen Erstligisten Igokea Aleksandrovac beerbte vor Jahresfrist seinen etwas dominanter, aber deswegen nicht unbedingt erfolgreicher agierenden US-Landsmann Kyan Anderson auf der Position des Spielmachers und konnte sich ähnlich schnell in der BBL akklimatisieren. Er erwies sich als ruhiger, gut ausbalancierter Spielertyp, der gerne seine Mitspieler in Szene setzt, aber in kritischen Situationen auch stets selbst die Verantwortung zu übernehmen bereit ist. In der Champions League stellte er unter Beweis, dass er auch mit Aufbauspielern auf europäischem Topniveau mithalten kann.

Saisonstatistik (37 BBL-Einsätze in 37 Spielen): Punkte pro Spiel: 9,4; Rebounds: 2,2; Assists: 3,5; Einsatzzeit: 23:25 Min.; Effizienz: 10,1; Feldwurfquote: 42,1 Prozent.

Zum Vergleich aus der Saison 16/17: Kyan Anderson (36/36): Punkte pro Spiel: 12,0; Rebounds: 1,7; Assists: 3,6; Einsatzzeit: 25:06 Min.; Effizienz: 9,7; Feldwurfquote: 41,5 Prozent.

Ausblick: Robinson hat noch Entwicklungspotenzial – eine Weiterverpflichtung sollte daher mehr als eine Überlegung wert sein.


Nr. 6 John Cox

Der 36-jährige US-Venezolaner fügte sich klaglos in die ihm zugedachte Rolle als erfahrene Alternative und ruhender Pol hinter den „jungen Wilden“ im Backcourt. Er war da, wenn er gebraucht wurde. Seine Saisonbestleistung von 14 Punkten beim 85:75-Sieg gegen Bamberg beendete die rund 20 Jahre andauernde Negativserie im Oberfrankenderby und sollte einen Eintrag im „Almanach des Bayreuther Basketballs“ wert sein. Ein Vergleich mit seinem Vorgänger David Gonzalvez ergibt sehr ähnliche Werte.

Saisonstatistik (33/37): Punkte pro Spiel: 4,6; Rebounds: 1,2; Assists: 0,8; Einsatzzeit: 13:46 Min.; Effizienz pro Spiel: 4,3; Feldwurfquote: 50,0 Prozent.

Zum Vergleich aus der Saison 16/17: David Gonzalvez (18/36): Punnkte pro Spiel: 6,5; Rebounds: 1,6; Assists: 1,5; Einsatzzeit: 15:48 Min.; Effizienz: 5,3; Feldwurfquote: 43,6 Prozent.

Ausblick: Ob Cox nicht zuletzt angesichts seines fortgeschrittenen Alters eine weitere Saison ins Medi-Dress schlüpfen wird, erscheint fraglich.


Nr. 8 Nate Linhart

Der „Denker und Lenker“ im Bayreuther Spiel verzeichnete eine starke Hauptrunde und war insbesondere in der Champions League aufgrund seiner internationalen Erfahrung von unschätzbarem Wert. In den Playoff-Duellen mit Ludwigsburg wirkte er dann allerdings ausgelaugt und ungewohnt fahrig und blieb klar „zweiter Sieger“ im direkten Vergleich mit seinem Pendant bei den Riesen, Thomas Walkup. Sein Wert für den Erfolg des Bayreuther Spiels wurde dadurch aber noch noch stärker unterstrichen.

Saisonstatistik (36/37; zum Vergleich 16/17: 36/36): Punkte pro Spiel: 9,3 (10,5); Rebounds: 4,4 (5,1); Assists: 3,4 (3,5); Einsatzzeit: 27:52 (30:54); Effizienz: 11,5 (11,9); Feldwurfquote: 42,7 Prozent (44,8).

Ausblick: Egal ob in Fürstenfeld, Trier, Venedig, Tel Aviv oder Zaragoza – spätestens nach zwei Spielzeiten sah der BBL-Allstar in der Vergangenheit die Zeit für eine Veränderung gekommen. Eine dritte Saison in Bayreuth wäre indes sicherlich ganz nach dem Geschmack der Medi-Fans.


Nr. 10 Bastian Doreth

Der Kapitän und Nationalspieler machte seinem Ruf als Führungspersönlichkeit und kämpferisches Vorbild einmal mehr alle Ehre. Das galt auch und gerade dann, wenn es für ihn persönlich nicht ganz so rund laufen wollte. In der entscheidenden Saisonphase war er sogar einer der auffälligsten Akteure und stemmte sich mit allen Kräften gegen das sang- und klanglose Ausscheiden gegen Ludwigsburg. Doreth präsentierte sich im Vergleich zur Vorsaison in nahezu allen Belangen verbessert und markierte zum Hauptrundenfinale in Würzburg mit 16 Punkten eine neue persönliche BBL-Bestmarke.

Saisonstatistik (36/37; zum Vergleich 16/17: 36/36): Punkte pro Spiel: 5,0 (3,6); Rebounds: 1,7 (1,4); Assists: 2,4 (2,2); Einsatzzeit: 20:05 (19:12); Effizienz: 6,4 (3,8); Feldwurfquote: 44,8 Prozent (40,0).

Ausblick: Doreth gab bereits zur Saisonmitte nach dem Derbysieg gegen Bamberg seine Vertragsverlängerung bis zum Ende der Spielzeit 2020/21 bekannt.


Nr. 11 Andreas Seiferth

Der Center startete als Backup in die Saison und erlebte nach dem vorübergehenden Verletzungsausfall von Assem Marei eine Leistungsexplosion, die ihm Berufungen in die Nationalmannschaft und in die deutsche Allstar-Auswahl einbrachten. Er steigerte sich gegenüber der Saison 2016/17 in den wesentlichen Statistik-Kategorien deutlich, blieb diesmal verletzungsfrei und gab den Platz in der Startformation auch nach der Rückkehr von Marei nicht mehr her.

Saisonstatistik (37/37; zum Vergleich 16/17: 30/36): Punkte pro Spiel 9,9 (6,9); Rebounds: 4,2 (4,0); Assists: 1,2 (1,2); Einsatzzeit: 19:58 (16:36); Effizienz: 11,8 (6,3); Feldwurfquote: 63,7 Prozent (56,4).

Ausblick: Dass sich der gebürtige Berliner vorzeitig für eine Vertragsverlängerung um weitere zwei Jahre entschieden hat, war eine sehr gute Nachricht für den Bayreuther Basketball.


Nr. 12 Javon McCrea

Der bullige US-Amerikaner kehrte Anfang November als Vertretung für den verletzten Marei nach Bayreuth zurück. Er kam fünfmal in der BBL sowie viermal in der Champions League zum Einsatz, präsentierte sich aber weit entfernt von dem Leistungsvermögen, dessentwegen man ihn nach der Saison 2014/15 gerne weiterverpflichtet hätte. McCrea wechselte noch vor Weihnachten weiter zu Ligaschlusslicht Tübingen. Dort wurde er nach zehn Spielen vorzeitig aussortiert und zog nach Puerto Rico weiter.

Saisonstatistik (5/37; zum Vergleich 14/15: 25/34): Punkte pro Spiel: 3,4 (14,7); Rebounds: 2,0 (5,5); Assists: 0,8 (1,0); Einsatzzeit: 7:07 (24:12); Effizienz: 3,2 (15,6); Feldwurfquote: 55,6 Prozent (59,9).


Nr. 14 Steve Wachalski

Oldie but Goodie: Der mittlerweile 35-jährige Scharfschütze absolvierte bereits seine vierte Saison im Bayreuther Dress und beileibe nicht seine schlechteste. Er stellte sich stets in den Dienst der Mannschaft, war kämpferisches Vorbild und mit rund 47-prozentiger Erfolgsquote einmal mehr der treffsicherste Bayreuther Schütze von der Dreierlinie, wenngleich er damit deutlich unter seinem bärenstarken Vorjahreswert von 53,3 Prozent blieb.

Saisonstatistik (37/37; zum Vergleich 16/17: 35/36); Punkte pro Spiel: 5,9 (6,3); Rebounds: 2,4 (2,9); Assists: 0,6 (0,3); Einsatzzeit: 17:45 (16:54); Effizienz: 6,9 (6,6); Feldwurfquote: 49,7 Prozent (56,5).

Ausblick: Die überwiegende Mehrzahl der Medi-Fans wird sich gewiss freuen, wenn auch in der kommenden Saison das lang gezogene „Steeeeve“ durch die Oberfrankenhalle schallen würde.


Nr. 15 Robin Amaize

Der Energizer steigerte sich gegenüber der Vorsaison in vielen Bereichen und konnte auch das Interesse von Bundestrainer Henrik Rödl auf sich lenken, der ihn in den A-Kader der Nationalmannschaft berief. Der 24-Jährige, der 2016 gemeinsam mit Trainer Raoul Korner aus Braunschweig kam, verfügt über reichlich Talent und weiteres Entwicklungspotenzial, ist aber gelegentlich noch etwas zu ungestüm.

Saisonstatistik (34/37; zum Vergleich 16/17: 30/36): Punkte pro Spiel: 6,7 (6,2); Rebounds: 2,6 (1,7); Assists: 1,4 (1,1); Einsatzzeit: 16:18 (14:12); Effizienz: 6,7 (4,5); Feldwurfquote: 43,2 Prozent (50,8).

Ausblick: Amaize hat noch einen laufenden Vertrag in Bayreuth, allerdings mit Ausstiegsklausel. Gerüchten zufolge soll aber nicht zuletzt der FC Bayern München ein Auge auf den gebürtigen Gießener geworfen haben.


Nr. 24 De’Mon Brooks

Zu dem ungemein athletischen und agilen Power Forward, der aus der Distanz Gefahr ausstrahlt, das Brett aber auch aus dem Dribbling heraus attackieren kann und über ein großes Repertoire im Low Post verfügt, gab es im aktuellen Medi-Kader so gut wie keine Alternative. Er zielte nicht ganz so erfolgreich wie in der Vorsaison, leistete aber einmal mehr zuverlässig ausgesprochen wertvolle Beiträge in der Defensive gegen zuweilen körperlich überlegene Kontrahenten.

Saisonstatistik (33/37; zum Vergleich 16/17: 36/36): Punkte pro Spiel: 10,2 (12,1); Rebounds: 3,8 (3,4); Assists: 1,2 (0,7); Einsatzzeit: 21:33 (23:34); Effizienz: 10,6 (8,0); Feldwurfquote: 47,8 Prozent (51,0).

Ausblick: Der Verbleib von Brooks in Bayreuth erscheint angesichts seines gestiegenen Marktwertes fraglich, er könnte aber ein ungemein wichtiger Baustein für das Team 2018/19 sein.


Nr. 32 Gabe York

Raoul Korners „Mann mit der Lizenz zum Werfen“. Keiner stand länger auf dem Parkett und keiner nahm mehr Würfe als der US-Amerikaner. Dabei erzielte er als Topscorer im Schnitt 14,2 Punkte mit gut 40-prozentiger Trefferquote, in der Champions League sogar 16,9 Punkte (46 Prozent). Mit voranschreitendem Saisonverlauf traf York auf immer engmaschigere Gegenwehr. Offensiv hat er im Vergleich mit seinem Vorgänger Trey Lewis einen kleinen Nachteil, den er aber in der Defensive ausgleichen kann.

Saisonstatistik (37/37): Punkte pro Spiel: 14,2; Rebounds: 3,0; Assists: 2,5; Einsatzzeit: 28:11; Effizienz: 11,6; Feldwurfquote: 40,5 Prozent. Zum Vergleich aus der Saison 16/17: Trey Lewis (36/36): Punkte pro Spiel: 15,3; Rebounds: 2,6; Assists: 2,1; Einsatzzeit: 28:48; Effizienz: 10,9; Feldwurfquote: 45,6 Prozent.

Ausblick: Nicht zuletzt mit seinen starken Auftritten in der BCL wird York das Interesse zahlungskräftigerer europäischer Clubs auf sich gerichtet haben.


Nr. 50 Assem Marei

Der Ägypter startete bärenstark in die Saison und sammelte in den ersten sieben Saisonspielen durchschnittlich fast 17 Punkte und über acht Rebounds, bevor ihn im Heimspiel gegen Gießen Ende Oktober ein Muskelbündelriss in der Wade bis kurz vor Weihnachten aus dem Verkehr zog. Danach trat er nicht mehr so dominant auf, haderte im Spiel oft mit sich und den Schiedsrichtern, schaffte es aber dennoch, seine Effizienz insgesamt gegenüber der Saison 2016/17 zu steigern.

Saisonstatistik (32/37; zum Vergleich 16/17: 36/36): Punkte pro Spiel: 11,8 (11,9); Rebounds: 6,5 (7,2); Assists: 1,3 (1,3); Einsatzzeit: 19:58 (22:36); Effizienz: 15,0 (12,4); Feldwurfquote: 59,7 Prozent (54,5).

Ausblick: Marei verzeichnete die mit Abstand beste Plus-Minus-Bilanz im Medi-Team (+3,8) und wird jetzt unter einer Vielzahl an attraktiven Angeboten auswählen können.

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