Sängerin Micaela di Catalano Hommage an Nilsson und Varnay im Markgräflichen Opernhaus

Micaela di Catalano vor ihrem Konzertplakat in Bayreuth. Foto: red

BAYREUTH. In diesem Jahr wären beide Sängerinnen 100 Jahre alt geworden. In einem Gesprächskonzert am Samstag, 22. September, um 19.30 Uhr im Markgräflichen Opernhaus erinnert die Sopranistin Micaela di Catalano an die beiden großen Wagnersängerinnen. Es gibt Musik, Filme, Interviews und Anekdoten.

Frau Catalano, Sie sind in Münchberg bei Hof geboren und in Oberfranken aufgewachsen. Wie sind Sie denn mit Oper in Kontakt gekommen?

Micaela di Catalano: Die klassische Musik hat mich von Klein an interessiert. Mit fünf Jahren habe ich angefangen Geige zu spielen, mit zwölf war ich bei meinem ersten Opernbesuch im Theater Hof. Entweder man liebt die Oper vom ersten Moment an oder nicht. Damals hätte ich aber nicht gedacht, dass ich selbst mal singen werde.

Wie ist die Idee zu dem Gesprächskonzert entstanden?

Catalano: Da ich selbst im Wagnerfach singe, gehören besonders Astrid Varnay und Birgit Nilsson zu meinen großen Vorbildern. Wen man sich mit diesem Fach beschäftigt, kommt man an diesen Künstlerinnen nicht vorbei. Sie zählen zu den bedeutendsten Wagnersängerinnen und hätten in diesem Jahr ihren 100. Geburtstag gefeiert. Als ich in Bayreuth bei den Generalproben war, habe ich festgestellt, dass im Kulturkalender der Stadt eine solche Veranstaltung fehlt. So habe ich mit Unterstützung des Kulturamtes und von Sponsoren diesen Abend organisiert. Ich bin sehr beeindruckt von der barocken Illusionsmalerei, die man im Markgräflichen Opernhaus bewundern kann. Ich lasse die Kulissen offen, damit der Zuschauer den ganzen Abend den Eindruck haben kann, er hätte den Blick in einen weiten Palastraum.

Was kann man als junge Sängerin von den beiden Heroinen lernen?

Catalano: Alles. Man kann besonders technisches lernen, aber vor allem auch den Ausdruck. Besonders wichtig ist, dass man sich mit den Rollen beschäftigt, die Inhalte kennt und sich mit diesen Operncharakteren identifizieren kann. Dass man weiß: Was hat dieser Charakter gedacht, warum steht das im Text? Darauf hat man früher sehr stark geachtet. Besonders bei Varnay sieht man ja diesen Ausdruck, das Schausspielerische. Sie hat das nicht nur mit der Stimme gemacht, sondern auch mit dem Körper. Sie war eine unglaubliche Darstellerin.

Welche der beiden Sängerinnen schätzen Sie mehr?

Catalano: Schwierig zu sagen, weil jede für sich fantastisch ist. Die Nilsson war mehr die Kühlere, aber dramatisch mitreißend. Die Varnay war vielleicht die größere Schauspielerin. Sie hat eine unglaubliche Körpersprache. Technisch ist vielleicht die Nilsson klarer. Man kennt sie auch deshalb besser, weil sie mehr Aufnahmen hinterlassen hat. Ich habe sehr viel über sie gehört durch meinen Coach Richard Trimborn, der in Bayreuth schon unter Knappertsbusch Assistent war, und mit diesen beiden Sängerinnen zu tun hatte. In seinen Noten hat er Notizen gemacht, wie sie geatmet haben und hat mir erklärt warum. Wenn man solches Hintergrundwissen hat, fühlt man sich mit solchen Sängerinnen viel näher verbunden.

Welchen Part wird bei dem Gesprächskonzert Germinal Hilbert übernehmen?

Catalano: Es freut mich, dass er an diesem Abend dabei sein wird. Er war der Agent von Birgit Nilsson und wird aus dem Nähkästchen plaudern und persönliche Eindrücke schildern.

Überwiegend an diesem Abend Gespräche oder Gesang?

Catalano: Es wird eine bunte Mischung. Ich werde aus dem Wagner-Repertoire von Nilsson und Varnay singen, aus „Tannhäuser“, „Walküre“, „Siegfried“, „Götterdämmerung“ und „Tristan“. Ich habe einen fantastischen Pianisten von der Oper Leipzig. Mit Germinal Hilbert werde ich über die Sängerinnen sprechen. Frank Piontek wird einige Anekdoten aus der Bayreuther Zeit erzählen. Da gibt es einige lustige Geschichtchen. Zu Beginn möchte ich mit Hilfe von kleinen Filmen einen Rückblick auf den Werdegang der Sängerinnen zeigen. Dabei hört man sie auch singen und erkennt ihren persönlichen Charakter in Interviews.

Würden Sie bitte eine kleine Bayreuth-Anekdote erzählen?

Catalano: Birgit Nilsson entdeckt eines Tages auf der Speisekarte eines Lokals ein Omelett alla Varnay. Sie wollte wissen, was das ist. Als der Ober das Omelett mit Beeren brachte, krabbelte kleine Tierchen auf dem Teller, die wohl aus den Beeren kamen. Sie zum Kellner: aha, deswegen alle Varnay. Obwohl sich die beiden ja gemocht haben, sieht man doch dieses Sticheleien. Das finde ich entzückend. Am nächsten Tag kam die Nilsson wieder in das Lokal. Da sagte der Ober: Heute haben wir was Neues auf der Karte. Rumpsteak à la Nilsson.

Hat sie das Steak gegessen?

Catalano: Natürlich. Das blieb dann auch auf der Karte.

 

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