Ruf nach schärferen Regeln Zwiespalt nach Prügelattacke von Amberg

Amberg – hier der Blick über den Marktplatz und auf das Rathaus – war Schauplatz einer Attacke, bei der Asylbewerber wahllos Passanten eingeschlagen haben. Foto: Daniel Karmann/dpa

AMBERG. Mittwochmorgen in Amberg. Am ersten Werktag im neuen Jahr kommt die Stadt in der Oberpfalz wieder in Bewegung. Draußen ist es kalt und grau, die Sonne versucht sich durchzusetzen. Die Wartehalle des typischen Kleinstadtbahnhofs ist gut besucht, Menschen gehen zur Arbeit, treffen sich in Cafés in der hübschen Altstadt. Ein paar Touristen machen Fotos am Marktplatz. Alles scheint wie immer – doch der Tag wird überschattet von Vorfällen vom Wochenende: Vier betrunkene Jugendliche hatten am Samstagabend am Amberger Bahnhof und in der Altstadt willkürlich Passanten attackiert.

Die Beschuldigten sind nach Angaben der Polizei Asylsuchende aus Afghanistan und dem Iran. Zwölf Menschen im Alter von 16 bis 42 Jahren wurden verletzt; ein 17-Jähriger musste wegen einer Kopfverletzung stationär ins Krankenhaus.

Herrmann will schärfere Abschieberegeln

Ganz Deutschland redet über die Vorfälle, Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) erneuert seine Forderung nach schärferen Abschieberegeln. Nach derzeit geltendem Recht können die Tatverdächtigen der Prügelattacke nicht in ihre Herkunftsländer abgeschoben werden. Darauf weist Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) hin. Aktuell sei die Abschiebung „noch in keinem der Fälle rechtlich möglich“, sagte Herrmann. „Wir setzen alle Hebel in Bewegung, um das zu ändern.“

Die Vorfälle vom Wochenende sind ein Schock für viele Einheimische. „Wir sind klein und verschlafen, dachte ich bisher immer“, sagt eine 33-jährige Ambergerin, eine solche Prügelattacke habe sie hier nicht für möglich gehalten. Normalerweise passiere so etwas „weit weg“, sagt eine andere Einwohnerin, „jetzt direkt hier am Bahnhof, das ist schon verrückt“.

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„So was bleibt nicht ohne Wirkung“, meint Oberbürgermeister Michael Cerny (CSU), das sei aber auch „vollkommen normal“. Er merke, „dass der eine oder andere Amberger sagt, ‚fühle ich mich da jetzt noch sicher?’“ Dazu gehen die Meinungen der Amberger an diesem Tag auseinander. Während manche stark verunsichert sind, zeigen sich andere wütend und ärgern sich darüber, dass die Taten unter anderem von rechten Gruppierungen ausgenutzt würden.

Wie die „Mittelbayerische Zeitung“ schreibt, patrouillierten bereits rechte Bürgerwehren in der Stadt. Die NPD Nürnberg teilt auf ihrer Facebook-Seite Fotos von vier Personen, die durch die Amberger Stadt laufen und Westen mit der Aufschrift „Wir schaffen Schutzzonen“ tragen. Eines der Fotos zeigt nach eigenen Angaben auch, wie die Vier Stellung vor einem Heim für Asylbewerber beziehen.

Keine Angst, in die Stadt zu gehen

„Ich gehe um 5 Uhr morgens in die Arbeit, und da wird es dir schon anders“, erzählt eine Ambergerin, sie denke jetzt über einen kleinen Waffenschein für ein Pfefferspray nach. Zwar gebe es „solche Idioten überall“, sagt sie, es sei jedoch „schon auffällig“, dass es Ausländer waren. Auch Tanja Brück aus Amberg sagt, „es passt ins Bild“. Nach Samstag sei ihr wieder bewusster, dass schnell etwas passieren könne.

Die Täter hätten ebenso Deutsche seien können, sagt hingegen Benedikt Kraus aus Amberg – so eine Tat scheine etwa Horst Seehofer „gut in den Kram“ zu passen. Es wird viel diskutiert im Freundes- und Bekanntenkreis, sagt Ruth Lobensteiner. Sie habe sich über die willkürlichen Taten erschrocken, aber keine Angst in die Stadt zu gehen, so die Ambergerin. Sie ist überzeugt davon, dass es keinerlei Zusammenhang mit der Nationalität der Beschuldigten gibt. „Mit Sicherheit hätten das genauso gut Deutsche sein können, gerade wenn Alkohol im Spiel ist.“

„Ich unterscheide immer zwischen Idiot und Nicht-Idiot.“

Alkohol sei oft das Problem, sagt Paul Hartl, Gastronom im Amberger Bahnhof. Seit den 1990er-Jahren erlebt er an Bahnhöfen immer wieder Gewalt von Menschen jeglicher Herkunft. „Ich unterscheide immer zwischen Idiot und Nicht-Idiot.“ Er merkt am Mittwoch bei seinen Kunden keine große Verunsicherung. Auch generell kann er sich nicht vorstellen, dass die Geschehnisse die Stadt nachhaltig verändern. Auch Oberbürgermeister Cerny glaubt und hofft das nicht.

Trotz der Vorfälle ist es dem Stadtoberhaupt wichtig, nicht jeden Asylbewerber unter Generalverdacht zu stellen. Ein Wunsch, den viele in der Stadt haben.

 

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