RIZ Große Lösung für Gründer

Das Regionale Innovations- und Gründerzentrum (RIZ) soll in den Eingangsbereich der Bayreuther Uni platziert werden. Rechts von der Hauptzufahrzt soll der Wallabgetragen und so Platz geschaffen werden, das RIZ zu bauen. Foto: Nils Katzenstein

BAYREUTH. Die Weichen sind gestellt: Mit breiter Mehrheit hat der Bauausschuss in einer gemeinsamen Sitzung mit dem Haupt- und Finanzausschuss am frühen Dienstagabend sich für eine große Lösung ausgesprochen. Auf einem Grundstück im Eingangsbereich der Uni soll das Regionale Gründer- und Innovationszentrum (RIZ) entstehen – kein reines Gründerzentrum, das die andere Variante gewesen wäre.

Das Betriebswirtschaftliche Forschungszentrum für Fragen der mittelständischen Wirtschaft (BF/M) in Bayreuth hat sich knapp ein Jahr lang mit dem Thema befasst. Hat, wie Prof. Daniel Baier am Dienstag vor den Stadtratsgremien sagt, „eine Konzept- und Potenzialanalyse erstellt“, hat mit Unternehmern gesprochen. Ziel müsse es sein, mit einem solchen Projekt die Wettbewerbssituation der Stadt zu stärken, um sie für Gründer, Unternehmer, die hier neu ansiedeln wollen, interessant zu machen und auf die Uni vor Ort aufmerksam zu machen. Zudem gelte es, einen Trend umzukehren: „Die jungen Leute sollen nach dem Studium nicht abwandern, sie sollen bleiben. Oder zurückkommen“, sagt Baier.

Nur Gründerzentrum wäre zu wenig

Dazu gebe es zwei Möglichkeiten: Das Institut für Entrepreneurship an der Uni, das im Aufbau ist – „dort können die Gründer ein Jahr bleiben. Anschließend können sie für vier bis fünf Jahre ins Gründerzentrum wechseln“. Um aber „das innovative Ökosystem“ rund machen zu können, brauche es den weiteren Schritt: Ein Gründer- und ein angedocktes Innovationszentrum, um den Austausch der Unternehmen mit der Wissenschaft und den Gründern zu fördern.

Grundstück im Eingang der Universität

Ein Grundstück hat das Stadtplanungsamt inzwischen ins Rennen geschickt, das nicht nur beim BF/M, sondern im Anschluss auch bei der Mehrheit der Stadträte gut ankommt: Gleich an der Haupteinfahrt zur Uni soll das RIZ entstehen können – anstelle eines Lärmschutzwalls. „Der Standort wäre perfekt“, sagt Baier.

Baukosten: Geschätzte 15,5 Millionen Euro

Ein reines Gründerzentrum, sagt Baier, wäre zwar möglicherweise durch seine Zuschussfähigkeit im Bau günstiger, im Betrieb jedoch spreche langfristig einiges für ein Gründer- und Innovationszentrum, dessen jährliche Betriebskosten für die Stadt nicht bei rund 200 000 Euro, sondern bei prognostizierten rund 100 000 Euro mit sinkender Tendenz je nach Laufzeit liegen dürften. Die geschätzten Baukosten für das RIZ liegen derzeit nach Vorlage der Stadt bei rund 15,5 Millionen Euro, die mögliche Zuschusshöhe ist noch nicht klar, es müssen erst Förderanträge bei der Regierung von Oberfranken gestellt werden.

Wunsch: Landkreis und Kammern steigen mit ein

In der gut einstündigen Diskussion im Anschluss durchläuft der gemeinsame Ausschuss durchaus ein Wechselbad der Gefühlslagen: Während die breite Mehrheit – CSU, SPD, BG, JB, FDP – die große Lösung für Gründung und Innovation unterstützt, sehen die Grünen keine Notwendigkeit für ein solches Projekt. Das RIZ, sagt Alt-Oberbürgermeister Michael Hohl (CSU), habe „einen Reifeprozess durchlaufen, immer wieder angeschoben durch die Wirtschaftsförderung“. Der SPD-Fraktionsvorsitzende Thomas Bauske nennt das RIZ „eine Ideenschmiede“, die er sich „gut vorstellen“ könne. Wie Hohl sagt Karsten Schieseck (BG), dass gerade mit der favorisierten großen Lösung – dem Szenario zwei – „eine Hand gereicht wird, um Institutionen und Kammern zu zeigen, hier ist eine Unterstützung“. Denn bislang, sagt Oberbürgermeisterin Brigitte Merk-Erbe, sei gerade aus dieser Richtung noch wenig gekommen: „Es wäre gut, wenn Kammern und Landkreis sich beteiligen und und auch monetär begleiten würden“.

Grünen lehnen Investition ab

Die Grünen, sagen Tim Pargent und später auch Stefan Schlags, lehnten das Projekt deshalb ab, „weil massiv Steuergeld in die Hand genommen wird“, das möglicherweise fehle, um in die eigentlichen Aufgaben der Daseinsvorsorge investieren zu können. Für Schlags „hat die Sache weder Hand noch Fuß“. Er sehe keine Notwendigkeit Gründern nach einem Jahr im Brutkasten des Instituts für Entrepreneurship „noch vier Jahre ein Wärmebettchen zur Verfügung zu stellen“.

Zögern wäre der falsche Weg

Für den FDP-Fraktionsvorsitzenden Thomas Hacker wäre Zögern und nicht Bauen der falsche Weg: Das RIZ sei „eine Investition in die Zukunft der jungen Leute und der Arbeitsplätze in Bayreuth“. Das Zentrum sei ein „doppelter Glücksgriff“.

Mehrheit ist dafür

Mit jeweils zwei Gegenstimmen schickt der gemeinsame Ausschuss das Thema in die nächste Runde: der Stadtrat wird sich in seiner nächsten Sitzung noch einmal damit befassen.

 

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