Renter verurteilt Leere Flaschen, schwerer Diebstahl

Ein Mann aus dem Landkreis Kulmbach wollte sich mit gestohlenen Pfandflaschen ein Taschengeld verdienen -- nun wurde er bestraft. Foto: Daniel Bockwoldt/dpa -Archiv

BAYREUTH/NEUDROSSENFELD. Gibt es sie – die Armen in unserem reichen Deutschland? Ja, es gibt sie. Einer stand nun als Angeklagter vor Amtsrichterin Christiane Breunig. Die Plastikpfandflaschen, die er stehlen wollte, hätte er gern zu Kleingeld gemacht.

Der 68-jährige Rentner aus dem Landkreis Kulmbach gab die Tat zu: „Das war eine große Dummheit“. Er verfüge über eine Rente von 780 Euro und über Pachteinnahmen aus seiner kleinen Landwirtschaft. Dieses Einkommen ist recht wenig, also verwendet der Mann einige Zeit auf das Sammeln von Pfandflaschen: „Das ist immer ein kleines Taschengeld für mich.“

Flaschensammler wie er durchstöbern öffentliche Mülleimer. Das Mitnehmen achtlos weggeworfener Pfandflaschen ist keine Straftat. Ein Diebstahl ist es jedoch, wenn solche Flaschen erkennbar jemand anderem gehören.

Wie im vorliegenden Fall: Die Plastikflaschen befanden sich in Müllsäcken, die wiederum in einem Container auf einem Firmengelände in Neudrossenfeld. Der Deckel des Containers war mit einem Metallstift und Draht gesichert. Weil der 68-Jährige diese Sicherung mit einer Kombizange entfernte, lautete der Vorwurf der Anklage denn auch: besonders schwerer Diebstahl. Dafür gibt es im Normalfall mindestens eine dreimonatige Freiheitsstrafe.

Der Angeklagte versuchte sich in einer Erklärung: Er sei schon zwei Mal an dem Container gewesen, da sei die Klappe immer offen gewesen... „Das wollen wir jetzt gar nicht so genau wissen“, bremste ihn Amtsrichterin Breunig aus: „Sonst müssen wir deswegen noch ein Verfahren einleiten.“ Der Rentner sagte: „Ich dachte, es ist ein Abfallcontainer und die Sachen sind für die Müllverbrennung.“

Tatsächlich dachte der Mann nicht ganz falsch. Der korrekte Hausmeister, der ihn bei dem Diebstahl Ende August erwischte, sagte als Zeuge vor Gericht aus: Zwar waren in den Säcken, die der Angeklagte sich herausgenommen hatte, etwa 60 Flaschen mit Pfandwert zu je 25 Cent, aber sie seien für die „Müllpresse“ bestimmt gewesen. Der Zeuge bestätigte auch: Der Container sei verschlossen gewesen.

Das Argument von Verteidiger Stefan Linhard, sein Mandant habe die Flaschen als Müll angesehen und nicht als eine Sache, die einem Fremden gehört, zog nicht: Die Richterin sprach den Rentner wegen Diebstahls in einem besonders schweren Fall schuldig: Das liege auf der Hand, wenn man mit Hilfe einer Zange an die Beute kommen müsse.

Bei der Bildung der Strafe folgte Breunig den Argumenten von Staatsanwalt Jan Köhler, der einen nach unten abweichenden Ausnahmefall sah und für eine Geldstrafe plädierte. Das Ergebnis: 120 Tagessätze zu je 25 Euro, macht 3000 Euro. Dafür muss der Rentner lange Flaschen sammeln.

 

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