Reich, arm? Angeklagt! Manager vor Gericht

Schillernd – wenn das auf jemanden zutrifft, dann auf den Hofer Anlage-Vermittler Michael T. (47). Erst hochgefeiert und steinreich, dann oft verklagt und jetzt offiziell vermögenslos. Am Dienstag beginnt ein Prozess gegen ihn. Verantworten muss er sich wegen Bankrotts in drei Fällen und Meineids. Es ist nicht sein erster Prozess – und nicht sein letzter.

Die Geschichten über seinen Erfolg, seinen Reichtum und seine Methoden sind Legende. Dass er immer mit seinem Privatflugzeug nach Hof kommt, dass er bei seinen Verkaufsseminaren Falschgeld zu Demonstrationszwecken mitbrachte, dass er auch nach seiner Insolvenz mit einem Bentley zu Terminen kommen soll. Für die Geschichten über ihn, dafür könne er nichts, sagt Michael T. dem Kurier.

Denn mit der steilen Karriere war es 2011 vorbei, T. musste Insolvenz anmelden. Kein Geld mehr. Und genau hier setzt die Anklage an: Der Staatsanwalt ist sicher, T. soll 800 000 Euro an Provisionen in die eigene Tasche gesteckt haben, anstatt sie seinen Gläubigern zu überweisen. In den Jahren 2011 und 2012 soll er laut Pressemitteilung „in Kenntnis seiner Überschuldung“ Provisionszahlungen in dieser Höhe „auf Konten veranlasst haben, die seinen Gläubigern nicht bekannt waren und auf die sie keinen Zugriff hatten“, so die Mitteilung der Staatsanwälte aus Hof.

Entzieht er Geld einem drohenden Insolvenzverfahren?

Sie werfen ihm vor, das Geld einem drohenden Insolvenzverfahren zu entziehen. Außerdem soll er im Oktober 2012 bei der eidesstattlichen Versicherung zu seinem Vermögen falsche Angaben gemacht haben. Meineid. Damals wurde er sogar in seinem Unternehmen in Hof verhaftet. Erst 2013 stellt T. selbst einen Insolvenzantrag. Sollte er verurteilt werden, drohen ihm mehrere Jahre Haft.

Nach seiner Meinung und der seiner Anwälte sei die Sache nicht haltbar. „Da ist vorne nichts dran, hinten nichts und in der Mitte auch nichts“, sagt er. Er habe für den ersten Prozesstag eine Einlassung vorbereitet. Und ihm drohen noch andere Prozesse. Für einen liegt zwar schon seit fast vier Jahren eine 96 Seiten dicke Anklageschrift beim Hofer Landgericht, aber noch kein Prozesstermin. Der Grund für die Verschiebung sind laut Gerichtssprecher Bernhard Heim „personelle Veränderungen“ und zwei „Wirtschaftsgroßverfahren“ – die Prozesse gegen den Ex-Manager von NKD und die als „Dubai-Gabi“ bekannte Anlagebetrügerin Gabriele K.

"Komplexer" Sachverhalt

Der Sachverhalt, so Heim, sei „komplex“. Vorgeworfen wird T. Anlagebetrug bei einem Fonds. Dort sollen beim Verkauf der Geldanlage falsche Angaben gemacht worden sein und so die Anleger um ihr Geld betrogen worden sein. Hinter all dem sieht die Staatsanwaltschaft T. als Urheber. Angezeigt haben soll ihn ein ehemaliger Geschäftspartner. Ein neuer Termin für die Verhandlung steht immer noch nicht fest.

T. hat viel von seinem einstigen Glanz verloren. Seit 2009 hat er viele Zivilprozesse verloren. Das Internet ist voll von Urteilen, die seinen Anlegern zu ihrem Geld verholfen haben. Dazu sagt er auf Anfrage des Kuriers: „Wir haben nie jemanden betrogen.“ Seine Firmen hätten nie Kundengelder entgegengenommen. Er sei „immer nur Vertrieb“ gewesen.

Es geht um 1400 geschädigte Kunden

Bei Ermittlungen gegen einen Finanzdienstleister aus dem schwäbischen Rheinfelden tauchten Ermittler der Mannheimer Staatsanwaltschaft auch in einer ehemaligen Firma T.s in Hof auf. Insgesamt geht es laut Erstem Staatsanwalt Peter Lintz aus Mannheim um 11,5 Millionen Euro und 1400 geschädigte Kunden. Unsicher ist allerdings, ob T. darin verwickelt ist. Nach Informationen des Kuriers hält er sich zurzeit in Deutschland auf. Und er soll in Österreich einen neuen Vertrieb aufbauen, so ein Insider.

Der Prozess gegen ihn beginnt am Dienstag am Landgericht Hof.

 

 

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