Rauschgift zentnerweise Wie Drogen fast zu Bitcoins wurden

Ein 55-Jähriger aus Bayreuth hat bestritten, mit einer internationalen Rauschgifthändlerbande zusammen gearbeitet zu haben. Foto: Britta Pedersen dpa-Archiv

BAYREUTH/KOBLENZ. Ein mutmaßlicher Rauschgifthändler, dessen vom Raum Koblenz aus operierende Bande zentnerweise Rauschgift nach Deutschland einschmuggelte, könnte versucht haben, eine Million kriminellen Geldes in Bayreuth zu investieren.

Das geht aus der Beweisaufnahme eines Strafprozesses gegen einen 55-jährigen Geschäftsmann hervor, der wegen zweier nicht zustande gekommener Drogendeals mit dem Großhändler vor Gericht steht. Der 55-Jährige bestreitet das.

Der Fall nahm am 17. Mai 2017 in Malmö in Schweden seinen Anfang, berichtete die Koblenzer Staatsanwaltschaft Anfang Juni. 350 Kilo Rauschgift beschlagnahmte der schwedische Zoll damals.

Die Ermittlungen ergaben, dass möglicherweise ein in Rheinland-Pfalz sitzender 33-jähriger Spediteur hinter dem Schmuggel stecken könnte. Das LKA Rheinland-Pfalz begann verdeckte Ermittlungen, hörte Telefone ab, observierte verdächtige Lastwagen. Sie bekamen heraus: Die Verdächtigen hatten gerade rund 220 Kilo Drogen auf einem Laster. Bei einem als Lastwagenbrand fingierten Einsatz stellten die Ermittler am 12. Januar 2018 rund 220 Kilo Rauschgift sicher.

Die Bande agierte weiter, einige Mitglieder fuhren nach Spanien und kamen von dort mit einem Lastwagen zurück, auf dem wenige Tage später bei einem Zugriff auf der Raststätte Renchtal an der A 5 – das liegt knapp hinter der deutsch-französischen Grenze kurz nach Straßburg - 420 Kilo Rauschgift gefunden wurden.

Insgesamt sollen die Drogen einen Wert von fast zehn Millionen Euro haben. Am 25. Januar wurde der 33-jährige mutmaßliche Bandenchef in Sulzbach-Rosenberg verhaftet.

SEK-Aktion in Bayreuther Hotel

Am 2. Mai betraten Bayreuther Drogenfahnder mitsamt einem Trupp eines Spezialeinsatzkommandos ein Hotel in der Nürnberger Straße auf. Sie nahmen den 55-jährigen Geschäftsmann fest.

Der Verdacht: Er soll versucht haben, für den Chef der internationalen Bande Abnehmer zu finden, die größere Menge Marihuana aufkaufen würden: In einem Fall 80 Kilo, im anderen Fall 125 Kilo. Wert: eine halbe Million Euro.

Am Montag bestritt der 55-Jährige in seinem Prozess vor dem Landgericht die Vorwürfe und erklärte, er sei durch Zufall in die Geschichte hineingeraten. Er habe zusammen mit einem jüngeren Partner in einem Bürogebäude in der Nürnberger Straße versucht, ein Internet-Geschäft mit Bitcoins aufzuziehen.

Dazu braucht man viele Computer, aber vorwiegend spezielle Programme, die nur sehr wenige Programmierer schreiben könnten. Auf rund eine Million Euro bezifferte der Angeklagte die Investition, der er lange Zeit hinterherjagte.

Ein Freund wollte für ihn bürgen – doch wegen seiner Scheidung habe der Mann seine Vermögensverhältnisse nicht offen legen wollen.

Der Angeklagte hat eine kriminelle Vergangenheit

Der Angeklagte berichtete den Richtern der Strafkammer unter Vorsitz von Michael Eckstein, dass er eine harte Jugend gehabt habe, mit einem gewalttätigen und kriminellen Stiefvater. Dass er später in die zunächst noch legale Glücksspielszene abgerutscht sei und – nach dem Verbot von privat geführten Casinos auch verurteilt wurde.

Vorbestraft rutschte er ins kriminelle Milieu und wurde Serieneinbrecher, aber: „Ich habe das hinter mir. Ich will auf die Füße kommen. Ich sah im Bitcoingeschäft meine große Chance.“ In Bayreuth lernte er einen jungen Oberpfälzer kennen, die offenbar ein Händchen für Internettrading hat. Doch dem Duo fehlte die Million.

Da will sich der 55-Jährige Ende 2017 an einen Mann erinnert haben, den er in Frankfurt kennen gelernt hatte, einen Spediteur, der augenscheinlich „gut im Geschäft“ war. Der 55-Jährige berichtete, er habe den 33-Jährigen gefragt, ob er ihm eine Million leihen könne.

Der habe ihm geantwortet, er könne die Million bekommen, aber erst müsse er Drogen verkaufen. Dann habe er den Angeklagten gefragt, ob er jemanden kenne, der größere Mengen aufkaufe. „Ich habe gesagt: ’Ich hör mich mal um’, das war ein großer Fehler. Ich habe das nicht ernst gemeint.“

Zufall? Zur falschen Zeit den falschen Mann getroffen? In der Beweisaufnahme des Prozesses ergaben sich Indizien, die gegen den Angeklagten sprechen: Abgehörte Telefonate, Handy-Chats legen nahe, dass der mutmaßliche Großdealer und der Angeklagte konspirativ und verschlüsselt über Drogen gesprochen haben könnten.

Ein Schlüsseldialog geht um die Frage, wie alt „die Mutter“ der Angeklagten sei – „20,30, 50, 80 oder 150 Jahre“. Die Antwort lautete: „Sie wird 80.“ Ein anderes Indiz ist die Handynachricht des 33-Jährigen an den Angeklagten: „Alles abblasen, B. waren schneller.“ Ein Koblenzer Ermittler sagte als Zeuge aus: „Mit B. waren wir Bullen gemeint.“

Kurz nach dieser Handynachricht zeigte der Angeklagte seinem Partner einen Medienbericht im Internet von dem Lasterbrand, bei dem in Wahrheit die erste Großmenge Drogen beschlagnahmt wurde. Er soll gesagt haben, dass er trotzdem an dem Geschäft „festhalten“ wolle.

Der Prozess wird fortgesetzt.

 

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