Raus aus der Einsamkeit - rein ins Kino

Prominenter Andrang im Hollfelder Kintopp: Gesundheitsministerin und Vorsitzende des Vereins Oberfranken Offensiv Melanie Huml (Dritte von links) und Regierungspräsidentin Heidrun Piwernetz (Mitte) stellten das Projekt Silberfilm vor, das sich an Seniorinnen und Senioren jenseits der 65 richtet. Foto: Andreas Harbach

Selten hat man den Kinosaal des Hollfelder Kintopps bei einer Filmvorführung so voll gesehen. Und schon gar nie war der Altersdurchschnitt des Publikums so hoch wie am Freitagmittag. Grund für den enormen Andrang war eine Premiere: Die Auftaktveranstaltung des Kulturnetzwerkes Silberfilm. In unregelmäßigen Abständen wird das Kintopp als bisher einziges Kino in Oberfranken immer wieder freitags Filme zeigen, die sich an ein Publikum wenden, das von der Filmbranche weitestgehend ignoriert wird: Menschen ab 65.

Dass viele ältere und alte Kinobesucher mit und ohne Begleitung ins Kintopp kamen, dass sogar Bayerns Gesundheitsministerin Melanie Huml und Oberfrankens Regierungspräsidentin Heidrun Piwernetz nach Hollfeld gekommen waren, weist auf die Bedeutung dieser Veranstaltung hin: Es war der Auftakt eines Projektes des Demographie-Kompetenzzentrums von Oberfranken mit Sitz in Kronach, das sich die zukunftsorientierte Gestaltung des demographischen Wandels in Oberfranken zum Ziel gesetzt hat. Das Kompetenzzentrum, ein Kind des Vereins Oberfranken Offensiv, solle die Region „durch Entwicklung und Umsetzung innovativer Lösungsstrategien demographiefester machen, konkrete Initiativen anstoßen und nachhaltig unterstützen“, betonte Huml. Ein Baustein sei das Kulturnetzwerk Silberfilm, das ihr, so Huml, besonders am Herzen liege. Dabei geht es nicht nur darum, im Kintopp Filme für die Generation 65 plus zu zeigen, Filme also, die in Kinos nicht gezeigt werden. Sondern in erster Linie darum, ältere und alte Menschen aus ihrer Einsamkeit und Isolation zu holen und ihnen die Teilhabe am Leben zu ermöglichen. Unabhängig davon, ob sie noch gesund, pflegebedürftig oder an Demenz erkrankt sind. Gerade das Kino mit seinen Filmen und Liedern könne bei den Besuchern Erinnerungen wecken an die Jugendzeit, könne verschüttete Gefühle wieder aufblühen lassen.

Partner des Projektes Silberfilm ist der Verein Curatorium Altern gestalten in Mittelfranken. Der Verein hat sich, wie Geschäftsführerin Sabine Distler betonte, zum Ziel gesetzt, die kulturelle Teilhabe von Senioren zu sichern. Die Gesellschaft sei noch nicht richtig vorbereitet auf die Bedürfnisse von Menschen jenseits der 60. Ein Baustein des Vereins ist das von ihm zusammengestellte Kinoangebot für Senioren. Mehrere dafür erhaltene Auszeichnungen beweisen den Erfolg dieses Angebotes.

In Hollfeld freut man sich darüber, als Standort für das Projekt Silberfilm ausgewählt worden zu ein. Was nicht nur an der zentralen Lage des Ortes liegt, sondern auch daran, dass die schon bisher geleistete Seniorenarbeit im Mehrgenerationenhaus durch das Kinoangebot erweitert wird. Leiterin Ruth Domide nannte es nicht nur spannend, wenn Enkel und Oma gemeinsam ins Kino gehen. Sie verwies auch darauf, dass es den zumeist gut versorgten Senioren an sozialen Kontakten mangele. Der Kinobesuch ermögliche auch, alte Freunde wieder zu treffen und frühere Kontakte wieder aufleben zu lassen.

Groß ist die Freude auch bei den Betreibern des Kintopps. Vereinsvorsitzender Winfried Hartl verwies auf den „großen Vorteil des Kinos: den Mediengenuss in einem sozialen Umfeld“. Und auf die Möglichkeit, im Bistro die sozialen Kontakte in gemütlicher Runde zu vertiefen.

Infos: Als nächster Silberfilm wird am Freitag, 18. Mai, um 14.30 Uhr die Operette Das Dreimäderlhaus gezeigt. Der Eintritt in das barrierefreie Kintopp beträgt sieben Euro. Weitere Infos unter www.kintopp-online.de oder Telefon 0 92 74/96 77.

 

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