Räumlichkeiten gekündigt Fablab in Bayreuth vor dem Aus

Yomettin Soybaba (links) und Arnulf Daum bangen um das Fablab. Foto: Andreas Harbach

BAYREUTH. Dramatischer Hilferuf: Das Fablab, die für jedermann offene Hightech-Werkstatt im Industriegebiet-Ost, steht vor der Schließung. Grund: Zum 31. März wurden dem privaten Förderverein, der die Einrichtung ehrenamtlich betreibt, die Räumlichkeiten gekündigt.

Eines stellen Yomettin Soybaba, Vorsitzender des Fablab-Fördervereins, und sein Stellvertreter Arnulf Daum sofort und unmissverständlich klar. Dem Logistik-Unternehmer Christian Wedlich, der den Vertrag über die rund 200 Quadratmeter großen Räume jetzt gekündigt hat, machen sie keinen Vorwurf - ganz im Gegenteil: "Er hat uns 2013 die Gründung eigentlich erst ermöglicht, indem er uns die Räume hier zur Verfügung gestellt hat. Und zwar kostenlos, nur die Nebenkosten von rund 300 Euro im Monat müssen wir selber aufbringen. Ohne ihn gäbe es das Fablab wahrscheinlich nicht", betonen die Beiden.

Doch jetzt ist damit Schluss. Wedlich muss im Rahmen der Insolvenz in Eigenverwaltung, die sein Unternehmen gerade durchläuft (der Kurier berichtete mehrfach), seine Lagerflächen deutlich reduzieren. Dazu gehört das angemietete Objekt in der Ritter-von-Eitzenberger-Straße, in dem bislang auch das Fablab untergebracht ist.

Räumlichkeiten in St. Georgen?

Wedlich bedauert die Entwicklung, hält das Fablab für eine "sehr wichtige Einrichtung", weil Jugendlichen das Thema Digitalisierung auf ganz praktische Weise nähergebracht werde. Deshalb hofft er, dass es auch ohne ihn weitergeht. Und schlägt zum Beispiel vor, dass die Stadt die Räumlichkeiten des ehemaligen Stadtteilbüros in St. Georgen gegenüber dem Gefängnis zur Verfügung stellt.

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So sehr ins Detail will Oberbürgermeisterin Brigitte Merk-Erbe auf Kurier-Anfrage nicht gehen, doch teilt sie mit: „Die problematische Raumsituation des Fablab ist der Stadt seit längerem bekannt. Die städtische Wirtschaftsförderung steht im Kontakt mit den dortigen Verantwortlichen. Die Stadt prüft derzeit, ob sie im Rahmen ihrer Möglichkeiten mit räumlichen Ersatz- oder Übergangslösungen helfen kann. Zu prüfen ist auch, inwieweit hier der Freistaat Bayern mit eingebunden werden kann, etwa durch die Anbindung des Fablab an eine bestehende staatliche Bildungseinrichtung."

Hightech-Maschinenpark für 100.000 Euro

Allerdings läuft Soybaba und Daum die Zeit davon. "Wenn wir bis Ende Februar nichts mindestens Gleichwertiges gefunden haben, dann war es das wohl. Dann müssen wir unsere Ausrüstung einlagern und keiner weiß, was dann passiert", sagt Soybaba. Immerhin rund 100.000 Euro sei der Hightech-Maschinenpark unter anderem aus 3-D-Druckern, Lasercuttern und computergesteuerten Stickmaschinen mittlerweile wert. Jede Spende von Unternehmen, jedes Preisgeld hätten sie hier investiert. "Wir leben von der Hand in der Mund", beklagt Daum, eine öffentliche Förderung gebe es nicht.

Kostenlos und für jeden offen

Trotzdem habe man es immer geschafft, das Fablab als für jeden offene Einrichtung zu führen, ohne dass über Materialien hinaus etwas bezahlt werden muss. In ähnlichen Einrichtungen in Nürnberg oder München müsse man dagegen Mitglied werden und Jahresbeiträge von 300 Euro und mehr zahlen, quasi als Eintritt. "Das widerspricht unserem Vereinszweck, ein möglichst niederschwelliges Angebot zur Verfügung zu stellen", sagt Daum, und: "Unsere Zielgruppe sind ja gerade vor allem Schüler und Studenten, die nicht so viel Geld haben. Und gerade dafür werden wir ja auch immer wieder ausgezeichnet."

Viele Auszeichnungen

Gerade erst gab es den mit 10.000 Euro dotierten Rainer-Markgraf-Preis. Auf Vorschlag von Brigitte Merk-Erbe übrigens, wie die Oberbürgermeisterin betont. "Das Fablab hat sich seit seiner Gründung im Jahr 2013 zu einer für Bayreuth wie die Region wichtigen Bildungs- und Technikeinrichtung entwickelt. Viele Schulen nutzen das Fablab als Ergänzung zu ihrem Unterricht. Die gute Arbeit, die dort geleistet wird, zeigt sich auch in den erhaltenen Auszeichnungen", sagt sie.

Gesellschaftlicher Auftrag

Doch auch das Geld von Markgraf ist zum Großteil schon wieder investiert - in eine CNC-Fräse. Was aber auch bedeutet - eine hohe Miete kann das Fablab nicht zahlen. "Ideal wäre wohl wieder so ein Hauptsponsor, wie es Christian Wedlich bislang war", sagt Daum, doch gibt Soybaba zu bedenken: "Man kann das doch nicht hauptsächlich auf die Schultern eines Unternehmers stellen. Wir erfüllen einen gesellschaftlichen Auftrag. Das Wort Digitalisierung steht rund 400-mal im Koalitionsvertrag. Wir machen hier die Basisarbeit dafür."

Kooperation mit der Uni?

Das sieht auch Petra Beermann so. "Das ist schon hervorragend, was die Verantwortlichen im Fablab ohne öffentliche Unterstützung auf die Beine gestellt haben", sagt die Leiterin der Stabsabteilung Entrepreneurship und Innovation an der Universität Bayreuth. Die bereits seit einiger Zeit diskutierte Idee, das Fablab im geplanten Regionalen Innovations- und Gründerzentrum (RIZ) an der Uni unterzubringen, findet sie gut. Dann könne man zusammenarbeiten und Doppelstrukturen vermeiden. Die praktischen Erfahrungen mit Hightech-Maschinen und Digitalisierung, die das Fablab biete, seien eine ideale Ergänzung der Gründungsberatung für Studenten.

Allerdings dürfte das RIZ, für das es bislang erst eine Grundsatzentscheidung des Stadtrats gibt, frühestens 2023 komplett in Betrieb gehen. Selbst eine bereits diskutierte Anlauflösung mit Containern käme nicht vor 2020. Für das Fablab viel zu spät. Es braucht mindestens eine Übergangsunterkunft - und zwar jetzt.

 

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