"Pulse of Europe" kommt in Bayreuth an

Das Blau der EU-Flagge dominierte am Sonntag am La-Spezia-Platz. Foto: Andreas Harbach

Pegida in Deutschland, Marine Le Pen in Frankreich und der Brexit in Großbritannien – im vergangenen Jahr dominierten die Europaskeptiker und -gegner die Schlagzeilen. Dem will die Bewegung „Pulse of Europe“ etwas entgegen setzen. Und das jetzt auch in Bayreuth. Zur ersten Demonstration der hiesigen Gruppe kamen am Sonntagmittag rund 150 Menschen. Die Gründer der Bayreuther Gruppe haben einiges vor.

Mit so viel Zuspruch hätte Sören Borghardt nicht gerechnet. Eine Veranstaltung mit 30 bis 100 Teilnehmern hatten er und seine Mitstreiter beim Ordnungsamt angemeldet. „Wir sind sehr zufrieden“, sagt er im Gespräch mit dem Kurier. Wir, das ist eine Gruppe von Studenten, die die „Pulse of Europe“-Bewegung nun auch nach Bayreuth tragen wollen. Künftig soll jeden Sonntag von 14 bis 15 Uhr eine Kundgebung in der Innenstadt stattfinden. Der Sonntag und diese Uhrzeit, das ist so etwas wie das Markenzeichen der Bewegung, die sich im vergangenen Jahr von Frankfurt aus formierte und in immer mehr Städten Europas ihre Anhänger findet.

„Ich bin eine begeisterte Europäerin“

Es sind Menschen wie Heidi Zeitler, die sich von der Bewegung angesprochen fühlen. Die Bayreutherin hat sich eine Europafahne umgebunden und ist zur Demonstration gekommen. Die Studenten fordern die Teilnehmer auf, das Mikrofon zu ergreifen und ihre Gedanken zu Europa zu formulieren. Heidi Zeitler ist eine der ersten, die sich traut.

„Ich bin eine begeisterte Europäerin“, sagt sie und schildert, welche Vorteile ihr und ihrer Familie das geeinte Europa bisher gebracht hat – von privaten Kontakten, die ohne die EU nicht zustande gekommen wären, bis zu ihren Kindern, die ohne weiteres im EU-Ausland studieren können. „Europa ist das Größte für mich“, ruft die Frau ins Mikrofon. „Wir müssen schauen, dass wir uns das erhalten.“ Beifall.

Für Europa eintreten, nicht gegen die Gegner

Die Studenten von „Pulse of Europe“ wollen ausdrücklich auch kritische Stimmen zu Europa zulassen. Aber es sind genau solche Aussagen, die sie sich erhoffen. Der Student Fritz Espenlaub, der die Demonstration moderiert, erklärt, was die Bewegung will, die sich als überparteiliche Bürgerinitiative versteht. Man wolle kein Zeichen gegen etwas setzen. Gegen Rassismus etwa, gegen Kleinstaaterei oder Nationalismus.

„Es geht uns darum, uns für etwas auszusprechen.“ Wofür, das fasst er vor den 150 Teilnehmern der Kundgebung so zusammen: „Wir sind für Europa, für den europäischen Gedanken und für die europäische Einigung.“ Wieder Beifall am La-Spezia-Platz. Über den Demonstranten wehen an den Masten die Fahnen Oberfrankens, Frankens, Bayerns, Deutschlands und die blaue EU-Fahne mit dem Sternenkreis. Das ist auch das Banner, das die Demonstranten eint.

„Vielen Dank an die jungen Leute hier“

Oliver Gabler tritt ans Mikrofon. Der Bayreuther ist deutlich älter als die Studenten, die hier zur Kundgebung aufgerufen haben. „Vielen Dank an die jungen Leute hier“, sagt er. „Es ist wichtig, dass die Jungen das hier tun. Denn es ist euer Europa, in dem ihr leben werdet.“ Wieder Beifall. Moderator Fritz Espenlaub hatte sich darauf eingestellt, während der Kundgebung viel zu sprechen. Aber immer mehr Menschen signalisieren ihre Bereitschaft, ans Mikrofon treten zu wollen, und ihre Gedanken zu Europa zu äußern.

„Wir wollen Europa in Bayreuth sichtbar machen“, sagt Sören Borghardt. Die 100 Flyer, auf denen die Ziele von „Pulse of Europe“ stehen, sind im Nu vergriffen. Die Studenten wünschen sich, dass es in Bayreuth in den kommenden Wochen immer mehr Menschen werden, die nicht nur zu den Demos kommen, sondern in der Gruppe aktiv werden. Zur Halbzeit der Kundgebung spielen die Veranstalter Beethovens „Ode an die Freude“ ein – die Europahymne. Auf den Flyern steht der Text. Diesmal gibt es keinen Beifall. Die Menschen singen.

Info: "Pulse of Europe" informiert auf seiner Facebookseite über aktuelle Aktionen.

 

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