"Die Probleme beim EHC sind hausgemacht"

Sein Arbeitsplatz ist ab dem 14. Dezember wieder frei: Thomas Bothstede hat seinen Vertrag als Geschäftsstellenleiter beim EHC Bayreuth gekündigt. Foto: red

Nach knapp elf Wochen ist das Kapitel Thomas Bothstede beim EHC Bayreuth schon wieder beendet. Der Geschäftsstellenleiter hat zum 14. Dezember gekündigt. Bothstede war designierter Geschäftsführer der noch zu gründenden GmbH beim DEL2-Aufsteiger und galt als Hoffnungsträger. Nun gesteht er ein: „Ich bin gescheitert.“

Was sind die Gründe für Ihren Abschied vom EHC Bayreuth?
Thomas Bothstede: Wie immer in solchen Situationen sind sie vielfältig. Ich will nicht ins Detail gehen, aber meine persönliche Perspektive hat sich in den letzten Tagen komplett verändert. Das, warum ich zum EHC gekommen bin, war mit dem Rücktritt von Matthias Wendel nicht mehr gegeben. Ich kann mit ganz vielen Situationen umgehen und weiß, dass der Weg von A nach B nicht immer geradlinig verläuft. Aber wenn ich B überhaupt nicht mehr sehe, dann habe ich ein Problem damit. Die geplante GmbH ist ein Beispiel, da wurden mir zuletzt immer wieder Knüppel zwischen die Beine geworfen.

Aber eine Perspektive gab es: Sie hätten auf Dauer der „starke Mann“ beim EHC werden können.
Bothstede: Der wichtigste Punkt waren für mich immer die Finanzen des Vereins. Es hätte noch einige Zeit gedauert, bis ich Matthias Wendels Aufgabe im Sponsorenbereich übernehmen hätte können. Vielen wird jetzt erst bewusst, welchen Rattenschwanz der Rücktritt von Matthias nach sich zieht. Man wird mir jetzt vorwerfen, dass die Ratten das sinkende Schiff verlassen. Das sehe ich anders: Ich übergebe einen Verein, der wirtschaftlich in dieser Saison absolut gesund ist. Aber jetzt hätte man im Verein auf verschiedenen Ebenen ein zweites Mal aufräumen und durchgreifen müssen. Ich hätte in einer Stadt wie Bayreuth mit all dem was im Hintergrund passiert, nur mit dem Rückhalt des Vorsitzenden der starke Mann werden können – auch aus finanzieller Sicht. Ohne Matthias fehlte mir da die Perspektive. Gegen Personen, die zuletzt gegen die Wendels geschimpft haben, stände ich sonst allein auf weiter Flur.

Also könnte der EHC schon in eine finanzielle Schieflage geraten?
Bothstede: Die Situation ist nur existenzbedrohend, wenn jemand die Finanzen übernimmt, der den eingeschlagenen Weg nicht fortführt. Das gilt aber nicht für diese Saison. Ich wüsste nicht was passieren müsste, dass man hier noch in finanzielle Schwierigkeiten gerät. Dann müsste man schon für jedes Auswärtsspiel einen Charterflug buchen. Es ist jetzt nur noch eine Frage der Zukunft. Der Plan war, nächstes Jahr den Kader etwas zu verstärken und dann im dritten Jahr nichts mehr mit dem Abstieg zu tun zu haben.

Aber diese Pläne sind jetzt wohl zunächst ad acta gelegt. Der Verein steckt in einer Führungskrise. Lässt sich der EHC Bayreuth überhaupt ordentlich führen?
Bothstede: Ich glaube schon. Aber so lange persönliche Animositäten im Vordergrund stehen, bleibt es schwierig. Solange man sich nicht darüber einig wird, was man will, wird es Probleme geben. Oft muss man Kinderkrankheiten heilen, wo es doch eigentlich um das große Ganze gehen sollte. Wenn alle beim EHC an einem Strang ziehen würden, dann wäre das ein richtig geiler Verein, in dem jede Menge Potenzial steckt.

Gibt es einen Schuldigen für die aktuelle Krise an der Spitze des EHC?
Bothstede: Man kann nicht der Mainkurve wegen ihres offenen Briefes die Schuld geben, und auch nicht den Medien. Das ist Quatsch. Die Probleme sind seit Jahren im Verein hausgemacht. Jetzt positionieren sich zum Beispiel einige Leute. Aber das ist auch völlig okay. Jetzt müssen eben andere ran.

Langweilig wird es beim EHC demnach nicht. Dabei wollten Sie die Tigers doch zu einem langweiligen Verein machen.
Bothstede: Man kann schon sagen, dass ich gescheitert bin – und zwar an den Nebenkriegsschauplätzen und den persönlichen Befindlichkeiten hier in Bayreuth. Für viele zählt nur schwarz oder weiß. Ich versuche immer einen Kampf zu gewinnen, aber das Ding konnte ich nicht gewinnen.

Mit dieser Entscheidung haben Sie auch Vereinsmitarbeiter und Fans enttäuscht. Für viele waren Sie ein Hoffnungsträger.
Bothstede: Ich habe mit den Mitarbeiterteams sehr gerne zusammengearbeitet. Und wir haben zusammen auch einige Schritte nach vorne gemacht. Ich kann nachvollziehen, dass Mitarbeiter und Fans bitter, bitter enttäuscht sind. Das tut mir leid. Sie haben nicht verdient, was jetzt alles passiert. Sie können nichts für die aktuelle Situation. Ich kann allen aber sagen, meine Entscheidung ist mir wirklich sehr schwer gefallen.

Was muss passieren, um den EHC jetzt wieder in ruhigere Fahrwasser zu bringen?
Bothstede: Am besten wäre, wenn ein Geschäftsmann den Vorsitz übernimmt. Jemand, der noch Sponsoren mitbringt, in Bayreuth angesehen ist und sich nicht von dem ganzen Drumherum anstecken lässt. Im Optimalfall den Verein kennt. Jetzt sind auch die gefragt, die in den letzten Monaten nur gemeckert haben, dass sie alles besser können. Klar ist auch: Man muss schnell jemanden finden. Dann kann ich mir vorstellen, dass es noch lange Profi-Eishockey in Bayreuth gibt.

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