Prozess gegen zwei junge Männer, die ihre Aggressionen an Autos ausließen Der zerstörte Sonntag von Eckersdorf

Foto: Britta Pedersen dpa/Archiv

Im Kindergarten spielten sie gemeinsam im Sandkasten, nun sitzen sie miteinander als Angeklagte vorm Bayreuther Jugendschöffengericht. Sie gestehen, im Sommer 2017 eine Spur der Verwüstung durch Eckersdorf gezogen zu haben. Im Prozess stellt sich heraus, dass einer der beiden jungen Männer schon ganz schön kaputt ist.

Die Anwohner der Eckehartstraße, der Flurstraße und der Schulstraße in Eckersdorf schliefen friedlich einem sonnigen Sonntagmorgen entgegen. Für viele sollte der Tag dennoch nicht schön werden. Ein Frühaufsteher, der schon um 6 Uhr vor die Tür trat, traute seinen Augen nicht: Entlang der Straße sah er viele beschädigte Autos stehen, einschließlich sein eigenes und das seiner Frau: Abgetretene Seitenspiegel, die traurig herabhingen. Scheibenwischer, die verbogen oder abgebrochen waren. Kennzeichen, die herausgerissen in Vorgärten lagen. Der Anwohner rief die Polizei und die Streifenbeamten verzichteten zunächst darauf, weitere Menschen aus den Betten zu klingeln. 27 Fälle der Sachbeschädigung nahmen die Polizisten mit ihrer Kamera auf.

Knapp drei Stunden später bekam die Polizei in ihrer Dienststelle einen Anruf: Die Anwohner hatten die Verdächtigen selbst ermittelt. In einer Hofeinfahrt trafen sie zwei junge Männer im Alter von 18 und 16 Jahren an und eine Gruppe von Anwohnern. Im Abschlussbericht der Polizei steht: "Die Stimmung war mehr als erbost" - was der Schöffengerichtsvorsitzende Tosten Meyer mit dem wohl nicht ganz ernst gemeinten Wort "Lynchstimmung" beschrieb. Die Polizisten nahmen die zwei jungen Männer fest und zu ihrem Schutz mit.

Wortkarge Geständnisse

Im Prozess gaben beide Angeklagte wortkarg die gemeinschaftliche Sachbeschädigung zu. "Ja, stimmt alles." Die Verteidiger Doris Benker-Roth und Hilmar Lampert teilten mit, dass ihre Mandanten am Vorabend vor Ort gewesen waren. Der Grillabend bei einem Bekannten ging über in ein Besäufnis, in dessen Verlauf der Gastgeber einschlief. Die zwei Angeklagten entschlossen sich, so beschrieb es Anwältin Benker-Roth, an "die frische Luft zu gehen". Woher genau der plötzliche Zerstörungsdrang kam, blieb unbeantwortet.

Hinweise auf den möglichen Hintergrund geben die Lebensläufe der Angeklagten. Der Ältere ist Schulabbrecher und "hängt" ziellos "rum", beschrieb ihn ein Sozialpädagoge des Jugendamtes. der heute 19-Jährige schlägt sich mittellos durchs Leben, nachdem er von zuhause hinausgeworfen wurde. Im Prozess ergab sich, dass der junge Mann Drogen und Alkohol konsumiert und psychisch angeschlagen ist. Auf Antrag seines Verteidigers Hilmar Lampert wurde das Verfahren gegen ihn abgetrennt. Ein Psychiater soll den 19-Jährigen untersuchen und feststellen, ob er in eine Entzugsklinik eingewiesen werden muss.

Die Eltern geben den Jüngeren nicht auf

Der Jüngere hat als Kind etwas Schlimmes erlebt und rasselte durch die Schule. Sein Fall hat dennoch eine einigermaßen positive Wende genommen, denn seine Eltern stehen zu ihm. Vier der Geschädigten hat der heute 17-Jährige den Schaden gezahlt. Seine Mutter war sogar im Prozess dabei.

Das Gericht bestrafte ihn mit einer Arbeitsauflage von 100 Stunden und stellte ihn für ein halbes Jahr unter Aufsicht eines Betreuers.

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