Problem beim Discounter Kundin muss auf Toilette - und darf nicht

Nicht in jedem Supermarkt gibt es Kundentoiletten. Symbolbild: dpa

BAYREUTH. Man ist gerade beim Einkaufen, muss dringend auf die Toilette – und darf nicht. So erging es Monika Vogel (54) aus Mistelgau in der Filiale von Norma in der Altstadt in Bayreuth. Bei dem Discounter gibt es keine Kundentoiletten, und die Personaltoiletten sind offenbar für Kunden gesperrt.

Monika Vogel ist nach einem Schlaganfall schwerbehindert und tut sich mit dem Laufen schwer. Da sie auch Probleme mit dem Sprechen hat, schildert ihr Ehemann Rudolf Vogel (61) unserer Zeitung das Geschehen. Das Ehepaar gehört seit zig Jahren zu den Stammkunden von Norma. Doch den jüngsten Einkauf wird Monika Vogel nicht so schnell vergessen. Sie musste dringend auf die Toilette, wandte sich deshalb an die Kassiererin, und diese rief den Leiter der Filiale. Dieser habe ihr ohne Begründung das Benutzen der Personaltoilette verweigert. Vogel verließ daraufhin den Laden, es kam zu einer äußerst peinlichen Situation.

Norma entschuldigt sich

Das Verhalten von Norma sei entwürdigend, klagt Rudolf Vogel. Er hatte sich nach dem Vorfall schriftlich beschwert, doch nichts sei geschehen. Erst als unsere Zeitung nachfragte, kam Bewegung in die Sache. Ein Verantwortlicher aus der Zentrale in Röttenbach habe angerufen, habe sich entschuldigt und nachgefragt, ob er vorbeikommen könne. Er war dann beim Ehepaar kurz zu Hause und habe eine Schachtel Pralinen und eine Flasche Rotwein vorbeigebracht – weitere Entschuldigungen inklusive.

In Zukunft "kulant handeln"

Winfried Beetz, Verkaufsleiter der Norma-Zentrale in Röttenbach, erläutert auf Anfrage, das Personal sei angewiesen, bei Bitten der Kunden für eine Toilettenbenutzung „entsprechend sensibel zu handeln“. Dies gelte besonders für ältere Menschen, Kinder und Behinderte. Es gebe kein Verbot für das Mitbenutzen der Personaltoiletten. Der zuständige Verkaufsleiter habe sich entschuldigt, die Mitarbeiter seien sensibilisiert. „Das ist eine unschöne Geschichte“, räumt Beetz ein. Man werde in Zukunft „kulant handeln“.

Personal putzt Toiletten

Wie aus Kreisen des Personals zu hören ist, gibt es eine Vorschrift, keine Kunden auf die Personaltoiletten zu lassen. Die Toiletten für männliche und weibliche Mitarbeiter müssen den Angaben zufolge vom Verkaufspersonal geputzt und sauber gehalten werden. Das Einrichten von Kundentoiletten würde zusätzliche Kosten verursachen, hieß es hinter vorgehaltener Hand, und die wolle die Unternehmensleitung vermeiden. Das Ehepaar Vogel kauft auch beim Konkurrenten Aldi ein. Auch dort gibt es keine Kundentoiletten, doch sei es selbstverständlich, dass man in dringenden Fällen als Kunde die Personaltoiletten mitbenutzen könne, berichtet Rudolf Vogel.

 

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