Präsident Leible sieht die Planungen kritisch Uni braucht keine neue Stadthalle

Die Universität, sagt Präsident Prof. Stefan Leible, braucht keine neue Stadthalle. Sie braucht ein Kongresshotel in Campus-Nähe. Foto: Archiv/red

55 Millionen Euro für eine runderneuerte und multifunktionale Stadthalle. Eine Stadthalle, in der Kultur und kleine Kongresse stattfinden können. Die Universität Bayreuth veranstaltet pro Jahr um die 100 Tagungen, Seminare und Kongresse. Die Uni braucht die Stadthalle nicht unbedingt. Die Hochschule hat andere Pläne. Und ihr Präsident sieht kritisch, was da im Stadtrat beschlossen wurde.

Herr Leible, würde die Universität eine sanierte und umgebaute Stadthalle nutzen?

Stefan Leible: "Sofern das für uns interessant ist, würden wir die Stadthalle sicher nutzen. Aber ich habe auch schon immer gesagt, dass für uns ein Ort für Kongresse in der Nähe der Universität besser wäre. Das brauchen wir wirklich. Und am Besten zusammen mit einem Hotel."

Daran mangelt es also der Stadthalle als Tagungsort? An den nahegelegenen Übernachtungsmöglichkeiten?

Leible: "Sie müssen nicht im gleichen Haus sein, aber die Übernachtungskapazitäten müssen nahe dran sein. Und daran fehlt es an der Stadthalle in der Tat."

Sie sagen, die Universität braucht Tagungs- und Kongressräume. Kriegen Sie denn solche Veranstaltungen nicht mit eigenen Gebäuden hin?

Leible: "Die Veranstaltungen, die wir unterbringen können, werden in Bayreuth schon organisiert. Aber es gibt immer wieder Anfragen für größere Kongresse. Und die können wir in Bayreuth bislang einfach nicht abbilden. Die Kapazität des Audimaxs liegt bei 700 Personen. Bei allen Veranstaltungen, die darüber hinaus gehen, müssen wir nach Nürnberg ausweichen. Oder wir müssen absagen. Oder die Kollegen hier an der Universität bemühen sich gar nicht erst, solche Veranstaltungen einzuwerben."

Also werden da Chancen nicht genutzt, weil es an der Infrastruktur fehlt?

Leible: "Ich habe das vor zwei Jahren deutlich gemerkt. Damals hat Prof. Volker Altstädt einen großen Kongress im Bereich der polymeren Verfahrenstechnik veranstaltet. Der fand im Nürnberger Messezentrum statt, weil es in Bayreuth nicht möglich war."

Ein Kongress der Universität Bayreuth in Nürnberg - wie wirkt das nach außen?

Leible: "Es ist zumindest unbefriedigend, wenn man als Bayreuther Universitätspräsident einen Kongress in Nürnberg eröffnen muss."

Was braucht die Universität konkret?

Leible: "Nicht nur die Universität, sondern auch viele Unternehmen in Bayreuth brauchen ein Kongresshotel. Ein Haus, das geeignet ist, auch größere Veranstaltungen durchzuführen und genügend Übernachtungskapazitäten hat. Solche Häuser haben wir in Bayreuth. Aber eines mehr würde nicht schaden."

Ein zusätzliches Kongresshotel würde auch die Frage aufwerfen, ob die Stadthallle einen Seminar- und Tagungsbereich wirklich braucht. Der ist drin in den derzeitigen Planungen, verursacht Kosten beim Umbau und Kosten danach. Wie denken Sie über die Multifunktionalität von Tagungen und Kultur, die die Stadthalle erfüllen soll?

Leible: "Ich verstehe nicht, dass die öffentliche Hand an dieser Stelle in Konkurrenz mit privaten Anbietern tritt. Wir haben in Bayreuther Hotels bereits Veranstaltungsräume. Ob die öffentliche Hand dazu ein Alternativangebot eröffnen sollte, erscheint mir durchaus zweifelhaft."

Wir haben unseren Lesern in einer Meinungsumfrage drei Möglichkeiten für das weitere Vorgehen bei der Stadthalle vorgeschlagen: Weiterplanen, Abspecken oder Planungen stoppen und Alternativen prüfen. Welche davon enstpricht Ihrer persönlichen Meinung?

Leible: „Ich tendiere zu Planungen stoppen und Alternativen prüfen. Wenn wirklich 55 Millionen Euro oder noch mehr investiert werden, braucht Bayreuth ein Projekt mit großer Strahlkraft nach außen. Ich hätte kein Problem mit einer Investition in dieser Größenordnung oder sogar noch darüber hinaus. Aber sie muss geeignet sein, viele Besucher von außen nach Bayreuth zu bringen, die hier vielleicht auch einkaufen gehen und übernachten und so zum Gewerbesteueraufkommen beitragen. Denn dadurch lässt sich die Stadthalle meiner Meinung nach zumindest zum Teil refinanzieren. Wenn wir das Geld nur investieren, damit wir Bayreuther eine schöne Stadthalle haben, sollte man aus meiner ganz persönlichen Sicht zumindest noch einmal darüber nachdenken.“

Das Gespräch führte Frank Schmälzle.

Mehr zum Thema:

Hier geht es zur Kurier-Meinungsumfrage zur Zukunft der Stadthalle

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