Plötzlich sind die Bäume weg Anwohner am Neubaugebiet Frickastraße verärgert

Von einer Eiche mit rund 50 Zentimeter Durchmesser steht jetzt nur noch der Stumpf. Foto: Moritz Kircher

BAYREUTH. Es gibt Situationen, da interessiert es Bürger bis zum letzten Moment nicht, was vor ihrer Haustür passiert. Erst wenn alles entschieden ist, gehen sie auf die Barrikaden. Und es gibt Situationen, da schalten sich Bürger von Beginn an in Planungsprozesse ein. So geschehen beim Bebauungsplan Frickastraße. Und doch ist der Grünstreifen, den sie erhalten wollten, nun Geschichte. Die Anwohner fühlen sich übergangen.

Der Garten von Wolfgang Koch grenzt direkt an ein Grundstück im Hussengut, das seit Jahrzehnten brach liegt und das jetzt mit acht neuen Häusern bebaut werden soll. Auf seinem Smartphone hat er Fotos, die die Fläche im Sommer vergangenen Jahres zeigen. Sattes Grün von Büschen und Bäumen. Seit ein paar Tagen liegt alles klein geschnitten auf zwei großen Haufen und wartet auf den Abtransport.

Reich gedeckter Tisch für Kleintiere

„Ich finde das einfach nicht fair“, sagt Koch angesichts des Bildes, das sich ihm jetzt beim Blick über den Gartenzaun bietet. Andere in der Nachbarschaft finden es genauso. Noch am Tag, als die Arbeiter anrückten, versuchte Koch nach eigenen Angaben jemanden im Rathaus zu erreichen, der ihm erklären solle, warum die Bäume weichen müssen. Er hatte damit gerechnet, dass das Grün erhalten bleibt, hatten er und seine Nachbarn – elf an der Zahl, allesamt angrenzend an das Baugrundstück – doch im Verlauf des Planungsprozesses auf den Erhalt der Bäume und Sträucher gedrängt.

In einer Einwendung zum Bebauungsplan vom 4. Februar 2016 schildern sie ein reichhaltiges Ökosystem, das auf dem schmalen Grünzug gebildet habe. Mehrere Fruchtbäume und Nusssträucher bildeten „einen reich gedeckten Tisch“ – so das Schreiben – für Eichhornchen, Fledermäuse, Buntspechte und eine Handvoll anderer Vogelarten. „Durch den weiteren Ausbau der Frickastraße würde dieser Lebensraum zerstört werden“, warnen die Anwohner eindringlich.

Anwohner sehen sich getäuscht

Und noch in einer Zusammenfassung der Stadtverwaltung zur Situation im geplanten Neubaugebiet vom 30. Januar 2017 steht: „Zur Gewährleistung einer ausreichenden Begrünung des Baugebietes wird bei der Planung auf bestehende Bäume Rücksicht genommen.“ Im Bebauungsplan sind die Bäume und Sträucher des Grünstreifens eingezeichnet. Allerdings nur als bestehende Vegetation, nicht als zu erhaltende Bäume, wie das bei einigen anderen in der Nähe der Fall ist. Dennoch wundert sich Koch. Wenn sie ohnehin weg sollen, brauche man die Bäume nicht mehr in den Plan einzuzeichnen. Er sieht sich getäuscht.

Die Frickastraße, zur Zeit noch eine Sackgasse, soll bis zur Furtwänglerstraße ausgebaut werden, um die Bauplätze zu erschließen. Aber warum können die Grundstücke nicht über die angrenzende Erdastraße erschlossen werden, die direkt unterhalb verläuft? Und warum musste der Grünstreifen weichen? Die Stadtverwaltung erklärt auf Kurier-Anfrage: Die erweiterte Frickastraße sei als sogenannte Mischverkehrsfläche geplant – also ohne Trennung von Fahrbahn und Fußweg. Außerdem solle die Straße ebenso wie die anschließende Furtwänglerstraße in beide Richtungen befahrbar sein. Daraus ergebe sich die Notwendigkeit einer breiteren Fahrbahn als in den umliegenden Einbahnstraßen.

Entscheidung Anfang November

Außerdem soll die breitere Straße im Wohngebiet die Befahrbarkeit verbessern – etwa für Feuerwehr und Rettungsfahrzeuge. Das hatte die Stadt bei den Planungen schon früher schriftlich so festgehalten. Dennoch habe man auf die Einwendungen der Anwohner reagiert und die Straße im Plan verschmälert. „Es war aber auch abzusehen, dass nicht jeder Baum im Plangebiet dauerhaft erhalten bleiben kann“, so Stadtsprecher Joachim Oppold.

Die Entscheidung, die Bäume und Sträucher zu den Häusern der Stolzingstraße hin zu roden, sei bei einem Ortstermin Anfang November gefallen. Da es sich um Bäume handele, die unter die Baumschutzverordnung fallen, habe das Tiefbauamt die zuständige Naturschutzbehörde eingeschaltet, die Mitte November eine Genehmigung zum Fällen erteilt habe. Vor Ort „wurde festgestellt, dass ein Erhalt der Bäume und Sträucher nicht sinnvoll möglich ist“, sagt Oppold. Auf dem künftig schmaleren Grünstreifen sollen neue, heimische Sträucher gepflanzt werden. Außerdem würden für die gefällten Bäume „im städtischen Umgriff“ neue Bäume gepflanzt.

"Eine Hauruck-Aktion"

Nur eben nicht mehr am Neubaugebiet in der Frickastraße. Dort haben die Nachbarn nichts mehr von der Entscheidung mitbekommen, dass trotz ihrer Einwände die Motorsägen laufen würden. Erst als es soweit war. Und das, obwohl sie von Anfang Interesse für den Planungsprozess bewiesen hatten. Dass vorher niemand mehr mit ihnen gesprochen hat, ärgert sie nun massiv. „Das war für mich eine Hauruck-Aktion“, sagt Wolfgang Koch. „Wir hätten hier gerne so viel Grün wie möglich erhalten gesehen.“

 

1 Kommentar

Kommentieren

  1. Passwort vergessen?
  2. * = Pflichtfeld
Sie haben noch keinen Benutzer-Zugang? Jetzt registrieren!

Wenn Sie einen Kommentar verfassen, so wird dieser unter Ihrem Klarnamen, also dem von Ihnen angegebenen Vor- und Nachnamen veröffentlicht. Sollte Ihr Kommentar nicht sofort erscheinen, bitten wir Sie um etwas Geduld. Wir behalten uns vor, Kommentare vor der Veröffentlichung zu prüfen. Bitte beachten Sie hierzu auch unsere Netiquette.

loading