Phillipp Heydens emotionale Rückkehr

Im Hinspiel hatte Phillipp Heyden (rechts) einen einen schweren Stand. Seine Tübinger unterlagen mit 77:87, und auch Bayreuths Center Assem Marei war mit 18 Punkten und acht Rebounds einer der Schlüsselspieler. Foto: Peter Kolb

Während das am Samstag (20.30 Uhr) stattfindende Bundesliga-Heimspiel für die Akteure von Medi Bayreuth nur eine Routineübung darstellen dürfte, ist es für einen Spieler der Gäste „das vielleicht emotionalste Spiel meiner ganzen Karriere“. Bayreuth ist für Phillipp Heyden immer noch etwas ganz Besonderes, eine Herzensangelegenheit. „Ich werde nervös sein, werde aber auch versuchen, die Atmosphäre zu genießen und hoffe auf einen freundlichen Empfang.“ Den wird es für den Center der Tigers Tübingen bei seiner Rückkehr in die Oberfrankenhalle zweifelsohne geben. Phillipp Heyden ist mehr Bayreuther als die meisten seiner Gegenspieler. Er spielte nicht nur vier Jahre für den BBC und für Medi, er ist hier verheiratet, hat viele Freunde in der Stadt und wohnt mit seiner Familie in einem Haus in den Birken.

Eigentlich könnte der 29-Jährige mit dem Fahrrad zum Spiel und danach wieder nach Hause fahren. Das aber geht schon deshalb nicht, weil seine Frau Kim hochschwanger in der Zweitwohnung in Tübingen weilt und auf die Geburt ihres zweiten Kindes wartet. Deshalb wird sich Phillipp Heyden nach dem Spiel in der Oberfrankenhalle nicht lange aufhalten, um Hände zu schütteln und alte Weggefährten und Freunde zu begrüßen. Auch auf das Bierchen mit seinem besten Freund und Trauzeugen, Medi-Forward Steve Wachalski, wird er verzichten, sondern mit dem Auto sofort wieder nach Tübingen düsen. Tragisch ist das für ihn nicht, denn Zeit in Bayreuth verbringen, seine Freunde treffen, das kommt bald wieder. Spätestens nach Saisonende.

Wie es nach Ablauf der aktuellen Spielzeit für ihn in Tübingen weitergeht, steht noch in den Sternen. Heyden hat noch Vertrag für ein weiteres Jahr. Der aber gilt nur für die Bundesliga. Und nach Bundesliga in der kommenden Saison sieht es bei den Schwaben momentan nicht aus. Die Tigers sind abgeschlagenes Schlusslicht, haben erst einen Sieg auf dem Konto. Der Abstand zum rettenden Ufer beträgt schon acht Punkte. Warum die Saison einem Fiasko ähnelt, versucht Heyden mit einer Mischung aus „strammes Auftaktprogramm, unglückliche Niederlagen und Negativspirale“ zu erklären. „Wir haben qualitativ gute Spieler, keine Frage. Aber wir schaffen es nicht, diese Qualität auf den Platz zu bringen. Wir müssen auch kapieren, dass es im Abstiegskampf nur mit Einsatz und Leidenschaft geht.“

Teamkollege von Javon McCrea

Er selbst fühlt sich auf Grund der prekären Situation auch noch nicht so richtig angekommen in Tübingen. Nach seinem Weggang aus Bayreuth heuerte der 206 cm große Center erst beim ProA-Ligisten Heidelberg an und wechselte vor Saisonbeginn zu den Tigers. Heimisch geworden sei er in der 87 000 Einwohner zählenden Universitätsstadt noch nicht. „Das liegt aber einzig und alleine an der sportlichen Situation. Ich könnte in der schönsten Stadt der Welt wohnen, und ich würde mich nicht wohlfühlen angesichts solch einer Bilanz.“ Dabei läuft es für ihn persönlich gar nicht schlecht. An der Seite seines früheren Bayreuther Teamkollegen Javon McCrea kommt er pro Spiel auf durchschnittlich 15:20 Minuten Einsatzzeit 5,4 Punkte und drei Rebounds.

„Das sind ja immer so meine Werte seit ich in der Bundesliga spiele. Da mache ich mir aber gar nichts draus“. Vielmehr versucht er nach seiner im Dezember erlittenen Kapselverletzung im Sprunggelenk wieder in den Rhythmus zu kommen. Das aber sei schwer „in einem Team ohne Selbstvertrauen“. Den Kopf in den Sand stecken – das wird er nicht. „Wir brauchen eigentlich nur eine Initialzündung“, sagt er, überlegt kurz und fügt dann hinzu: „Ein Überraschungssieg in Bayreuth, das wäre genau das richtige Signal an die Liga vor unserem Do-or-Die-Spiel am Mittwoch gegen Bremerhaven.“

"Medi hat einen unglaublichen Lauf"

Dabei weiß er selbst am besten um die Schwere der heutigen Aufgabe. „Medi hat einen unglaublichen Lauf, das Team ist klasse, unter dem Korb mit Assem und Andi sehr stark besetzt, dann aber auch aus der Distanz extrem gefährlich. Die gute Balance zwischen Inside- und Outside-Spiel macht die Qualität aus. Und dazu kommt dann noch die Atmosphäre.“ Für seine Mannschaft bedeutet das: „Wollen wir was reißen, muss wirklich alles passen. Unsere Würfe müssen fallen und wir müssen darauf hoffen, dass die Bayreuther vielleicht nicht so hundertprozentig fokussiert sind nach dem Athen-Spiel und vor dem Pokal-Halbfinale.“

Schon aufgrund der räumlichen Nähe und der guten Kontakte weiß er bestens Bescheid über seinen Ex-Verein. Dass Medi gerade so „durch die Decke“ geht, ist keine so ganz große Überraschung für den gebürtigen Schwaben. „Dass sehr viel Potenzial im Verein und im Standort steckt, war nie ein Geheimnis. Raoul Korner hat nun an den richtigen Schrauben gedreht. Er hat hier vieles bewegt.“

„Sehr schade“ findet Phillipp Heyden, dass bei all der Euphorie die Spieler in Vergessenheit geraten seien, die auch in den schwereren Zeiten „den Kopf hingehalten“ hätten. Damit meint er auch sich selbst, nennt aber explizit den früheren Kapitän Simon Schmitz. „Der hat hier fünf Jahre einen super Job gemacht. Von ihm spricht bei Medi heute keiner mehr.“ Bei ihm selbst ist das ein bisschen ähnlich. Aber das will er ändern. Am Samstagabend in der Oberfrankenhalle!

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