Persönlichkeitstrainer „Ziele sollten ehrgeizig, aber erreichbar sein“

Jörg Löhr – einst Spitzen-Handballer, heute gefragter Redner. Foto: red

BAYREUTH. Jörg Löhr ist gefragt als Persönlichkeits- und Managementtrainer und einer der am besten gebuchten Redner in diesem Bereich. Am Montag, 25. März, spricht er beim Wirtschaftsforum Bayreuth. Im Interview zeigt der ehemalige Handball-Nationalspieler unter anderem Parallelen zwischen Spitzensportlern und Managern auf.

Herr Löhr, Sie waren ein erfolgreicher Handballer. Heute sind Sie erfolgreicher Unternehmer, gehören zu den bekanntesten Persönlichkeitstrainern in Deutschland. Wie viel Spitzensportler steckt noch in Ihnen, oder: Was können Führungskräfte von einem Spitzensportler lernen?

Jörg Löhr: Wer einmal Spitzensportler war, nimmt aus dieser Zeit eine Menge für sein weiteres Leben mit. Da geht es um die Entwicklung von Fähigkeiten, die unabdingbar sind, sowohl für den Erfolg im Sport als auch in jedem anderen Beruf. Ich denke dabei etwa an das Entdecken der eigenen Talente, die man dann durch ausdauerndes Training zu echten Stärken ausbaut. Ich denke auch an Begeisterung, hohe Selbstmotivation, Teamfähigkeit, die Entwicklung spezieller Strategien, das Setzen klarer Ziele, an den Umgang mit Druck und Stress oder auch an das Feiern von Erfolgen, das oft vergessen wird. All das zeichnet Top-Athleten aus und all das können Führungskräfte von ihnen lernen.

Sie beraten Unternehmen ebenso wie Spitzensportler. Wo sind die Parallelen und wo gibt es Unterschiede?

Löhr: Aus meiner Sicht stehen hier die Parallelen im Vordergrund. Für Unternehmen gilt letztlich das Gleiche wie für jeden Einzelnen. Schließlich werden Unternehmen wie auch Mannschaften von Menschen geformt, und diese Menschen brauchen die bereits erwähnten Eigenschaften, um gemeinsam Erfolg zu haben. 

Ihre Referenzliste umfasst Hunderte Namen, darunter auch sehr bekannte Unternehmen. Es ist auch kein Geheimnis, dass Sie mit etlichen Fußball-Bundesligisten zusammenarbeiten. Oft mit solchen, die im Abstiegskampf sind. Worauf kommt es da an? Können Sie Beispiele nennen – und hat der 1. FC Nürnberg schon wieder angerufen?

Löhr: Was den Bereich Fußball betrifft, habe ich mittlerweile mit elf Bundesligisten zusammengearbeitet, darunter auch der FCN, allerdings zu der Zeit, als Dieter Hecking Trainer war. Aktuell gibt es keinen Kontakt nach Nürnberg. Worauf es beim mentalen Coaching von Vereinen ankommt, kann man schwer pauschal beantworten, weil jedes Team und jede Situation eine ganz individuelle Herangehensweise erfordert. Darum erarbeiten wir hier immer gemeinsam mit Trainern und Verantwortlichen ganz spezielle Schulungsinhalte.

Handball ist ein Mannschaftssport, bei dem es mitunter ziemlich hart zugehen kann. Vor allem für die Kreisspieler, wie Sie einer waren, trifft dies zu. Ein Vorbild für den Aufstieg zur Führungskraft?

Löhr: Mit Sicherheit ist das Durchsetzungsvermögen, das man als Handballer haben muss, etwas, das auch Führungskräfte brauchen. Es gibt aber weitere Parallelen. Beispielsweise spielen Spitzen-Handballer zum einen mannschaftsdienlich, sind aber jederzeit in der Lage, mit einer herausragenden Einzelaktion ein Match zu entscheiden. Sie reißen ihre Teamkollegen mit und geben die Richtung vor, sie verfolgen sowohl ihre eigenen Ziele als auch die der Mannschaft.

Immer mehr Menschen empfinden im Arbeitsleben zunehmenden Druck – auf allen Ebenen. Bestimmt lassen sich im Umgang mit Druck auch Lehren aus dem Spitzensport ziehen?

Löhr: Auf jeden Fall. Im Spitzensport steht man nahezu permanent unter Druck. Mit der Zeit lernt man, diesen auszuhalten, ja, ihn sogar positiv für sich zu nutzen. Mich persönlich hat es als Handballer unheimlich motiviert, dass die Fans stets viel von mir und der Mannschaft erwartet haben. Dasselbe gilt jetzt für meine Seminare, Vorträge und Coachings.

Sie haben die Handball-Nationalmannschaft mental auf die Weltmeisterschaft 2007 vorbereitet, die mit dem Titelgewinn endete. Muss man sich Ziele setzen, die auf den ersten Blick fast utopisch scheinen, um Erfolg zu haben?

Löhr: Die Ziele sollten ehrgeizig, aber prinzipiell erreichbar sein. Alles, was sich mehr oder weniger einfach so mitnehmen lässt, motiviert nicht und befriedigt nach dem Erreichen wenig. Ich mache daher einen Unterschied zwischen Visionen, die jeder haben sollte, der hoch hinaus will, und Utopien, die lediglich zur Tagträumerei verführen. Ein Beispiel: Ein 30-Jähriger, der noch nie auf Schlittschuhen stand, wird kein Top-Eiskunstläufer mehr. Dagegen sollte sich ein Vertriebler, der bisher nur durchschnittliche Ergebnisse hatte, durchaus hohe Ziele wie etwa den besten Umsatz im Team setzen. Dazu muss er natürlich an sich arbeiten, aber es ist kein unerreichbarer Wunschtraum.

Gefühlt wächst der Markt für Motivationstraining und Coaching seit Jahren stetig. Warum suchen immer mehr Menschen auf diesem Weg nach Orientierung? 

Löhr: Das hängt stark mit der Zeit zusammen, in der wir leben. Entwicklungen wie die Digitalisierung und die Globalisierung führen dazu, dass sich in nahezu jedem Lebensbereich alles rasend schnell wandelt. Produkte, die gestern voll im Trend lagen, will morgen niemand mehr haben. Natürlich verunsichert das viele Menschen. Sie fürchten, auch ihre Fähigkeiten würden rasch nichts mehr wert sein. In dieser Situation ist Orientierung gefragt. Ich gebe genau diese als Coach zum einen in Form von konkreten Anleitungen zur stetigen persönlichen Weiterentwicklung , zum anderen will ich inspirieren und die Zuversicht stärken. 

Was können die Zuhörer dann aus Ihrem Vortrag in Bayreuth mitnehmen?

Löhr: Meine Intention an diesem Abend ist es, die Teilnehmer zu inspirieren und den einen oder anderen Impuls weiterzugeben. Die Teilnehmer dürfen sich auf einen kurzweiligen, unterhaltsamen sowie informativen Abend freuen. Darüber hinaus werden sie handlungsorientierte Anregungen sowie Tipps erhalten und welche Prinzipien entscheidend für den persönlichen Erfolg sind.


Zur Person

Jörg Löhr (57) ist einer der bekanntesten Persönlichkeits- und Managementtrainer im deutschsprachigen Raum. Er betreut einzelne Spitzensportler, Nationalmannschaften und auch Fußball-Bundesligisten. Seine Referenzliste im Firmenbereich ist umfangreich und umfasst Schwergewichte wie IBM, SAP, Porsche, Deutsche Telekom, Daimler, BASF, Siemens, und BMW ebenso wie renommierte kleine und mittelständische Betriebe.

Löhr gilt heute vor allem als einer der am besten gebuchten Referenten Europas in seinem Bereich. Er hat mehrere Bücher geschrieben und ist Lehrbeauftragter an der Uni Augsburg. In jungen Jahren war Löhr ein erfolgreicher Handballer und feierte vor allem in den 1980er-Jahren Erfolge. Er absolvierte als Kreisläufer 94 Länderspiele, spielte für den VfL Günzburg, den TSV Milbertshofen und die SG Wallau/Massenheim in der Bundesliga und wurde Europacupsieger, Pokalsieger und deutscher Meister.


Das 1. Wirtschaftsforum Bayreuth wird vom Nordbayerischen Kurier in Kooperation mit der Sparkasse und den Stadtwerken am Montag, 25. März, im Porschezentrum in Wolfsbach veranstaltet.

Zunächst findet eine moderierte Innovationslounge statt. Teilnehmer sind Petra Beermann, Leiterin der Stabsabteilung Entrepreneurship und Innovation an der Universität Bayreuth, Kerstin Rank, Geschäftsführerin von Ehrensache/Bag to Life, Sebastian Eiselt, Geschäftsführer Eila Events und Cybex-Chef Johannes Schlamminger.

Anschließend spricht Motivationstrainer Jörg Löhr zum Thema „Erfolg und Motivation in Zeiten der Veränderung“. 

Es besteht auch Gelegenheit, den neuen Porsche 911 kennenzulernen.

Das Wirtschaftsforum startet um 19 Uhr im Porschezentrum in der Wolfsbacher Straße 6, Einlass ist um 18 Uhr. Karten gibt es in den Kurier-Geschäftsstellen für 33 Euro, Kuriercard-Inhaber zahlen 29 Euro

 

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