Pächtersuche Nankendorf Interessent für Polster-Bräu abgesprungen

Sie wartet nach wie vor auf einen Neustart: Der Pächter, der die Gaststätte Polster-Bräu übernehmen wollte, ist abgesprungen. Foto: Archiv/Ralf Münch

NANKENDORF. Das war wohl nichts: Anfang März hätte ein Gastronom aus Bayreuth der seit langem leerstehenden Gaststätte Polster-Bräu zu einem Neustart verhelfen sollen. Das hat nicht geklappt, wie Bürgermeister Edmund Pirkelmann auf Kurier-Anfrage bestätigte. Das Vorhaben scheiterte wohl aus finanziellen Gründen. Es gibt einen zweiten Interessenten – doch auch da ist Pirkelmann nicht gerade zuversichtlich.

Es ist fast schon eine Leidensgeschichte, die dieses einst renommierte Lokal hinter sich hat. Der Bayreuther Unternehmer Edgar Klaus hatte es vor Jahren gekauft, um seiner Frau die Umsetzung eines großen Wunsches zu ermöglichen – eine gastronomische Einrichtung zu betreiben. Das funktionierter am Ende nicht so wie geplant. Dann wurde es spannend: Klaus wollte das Traditions-Wirtshaus weiterveräußern. Und fand auch einen Käufer: Janus Nowak. Das Problem: Der biergeisterte Mann war ein hoher NPD-Funktionär in Baden-Württemberg. Er beteuerte zwar, die Polster-Bräu nicht für politische Zwecke nutzen zu wollen. Ihm gehe es nur um das Braurecht und damit eben um das Thema Bier.

Es formierte sich Widerstand

Doch in der Bevölkerung wollte man diesem Bekunden nur bedingt Glauben schenken, schnell formierte sich Widerstand. Dem zollten dann die Kommune und der Stadtrat ihren Tribut – und so machte die Gemeinde von ihrem Vorkaufsrecht Gebrauch und erwarb die Immobilie selbst. Für rund 135000 Euro. Seitdem herrschte das Prinzip Hoffnung. Die Hoffnung, jemand anzulocken, der die Immobile wieder zu dem macht, was sie einst war: Ein gutbürgerlicher Gasthof mit fränkischer Küche. Zumal die Voraussetzungen durchaus gut sind, wie Bürgermeister Pirkelmann bei so manchem Ortstermin betonte. Die Gasträume seien in Schuss, die Küche auf modernem Stand.

Es fehlt das Geld

Doch die Wartezeit wurde länger und länger. Es tat sich – nichts. Bis ein Gastronom aus Bayreuth einsteigen wollte. Die Abmachung stand, im März sollte es losgehen (wir berichteten). Jetzt das Aus, jetzt die Absage. Dabei spielten wohl finanzielle Gründe die Hauptrolle, so Pirkelmann im Kurier-Gespräch: „Er ging wohl mit einem Minus aus seinen Bayreuther Lokalen raus.“ Damit fehlte das Geld für den Neuanfang in Nankendorf, „daher haben wir davon Abstand genommen“.

Pacht von 300 Euro

Ums Geld geht es auch bei einem zweiten Interessenten, der sich gemeldet hat. Der hätte gerne, dass die Stadt im Obergeschoss, in die dortige Wohnung investiert. Sie ein wenig herrichtet, etwa mit einem neuen Bodenbelag. Das kommt aus Sicht der Kommune nicht infrage, sagt der Bürgermeister. Das könne und wolle sich die Stadt nicht leisten bei einer monatlichen Pacht von gerade einmal 300 Euro: „Wir können da nicht noch 10.000 Euro in die anderen Etagen reinstecken und dann geht der Pächter nach einem oder zwei Jahre wieder.“ Zumal der Betreffende nicht der Jüngste und nicht vom Fach sei. Er habe auch in Bayreuth ein Lokal in Aussicht, „da müssen wir mal abwarten“.

Leitungen sind leer

Pirkelmann gibt sich gelassen. Es sei ja nicht so, dass das letzte Wirtshaus in Waischenfeld dichtgemacht habe, auch in Nankendorf existiere noch gute Gastronomie: „Wir sind schon noch gut aufgestellt.“ Deshalb lasse die Stadt das Gebäude so, wie es ist. Geheizt werde nicht, die Wasserleitungen seien entleert – „damit nichts einfrieren kann“. Ob Blitzschlag oder Kurzschluss: Im Falle eines Feuers greife die Brandschutzversicherung. „Mehr machen wir im Moment nicht, da besteht auch kein Handlungszwang.“ Aber die Pächtersuche gehe natürlich weiter.

Was der Verein Bierland sagt

Die Zukunft der Gaststätte könnte sich schwierig gestalten, sagt Bernd Sauer, Geschäftsführer des Vereins Bierland Oberfranken, einem Zusammenschluss aller Brauereien im Bezirk. Das hat vor allem zwei Gründe, sagt er. Zum einen sei Gastronomie in der Fränkischen Schweiz nun einmal ein Saisongeschäft – „im Winter geht da wenig“. Zum anderen passe oft der Zuschnitt der Wirtshäuser nicht, auch wenn wie im Fall Nankendorf „bei der Optik alles passt“. Zu wenige Plätze.Kein Biergarten. Gerade bei einem Saisongeschäft „ganz wichtig“. Denn in der warmen Jahreszeit müsse die Auslastung eines Betriebs mehr oder minder garantiert sein. Und: „Auch wenn die Rahmenbedingungen gut sind, investieren muss ich immer, wenn ich neu anfange.“ Und die Anfangszeit überbrücken, bis der Laden richtig läuft.

Und: „Gute Gastronomen sind Mangelware, wie auch gutes Personal in der Küche und beim Service.“ Das könne natürlich auch damit zusammenhängen, dass die Banken in dieser Branchen nicht unbedingt großzügig bei der Kreditvergabe vorgingen.

Die Person entscheidet

Letztlich „hängt alles von den handelnden Personen ab, sagt Sauer. Und verweist auf den Berghof von Alexander Schütz in Wartenfels: „Der stand lange leer, jetzt ist er täglich voll.“ Durchschnitt genüge nicht, „das zeigen unsere Brauereigasthöfe, die durch die Bank positiv abscheiden“. Das Wirtshaus müsse passen, die „speziellen Angebote“ müssten passen – „dann läuft das an jedem Standort“.

Was der Hotel- und Gaststättenverband sagt

Das deckt sich nur bedingt mit der Einschätzung von Engin Gülyaprak vom Hotel- und Gaststättenverband aus Bayreuth. Er sieht ein gesellschaftliches Grundproblem, das von den Medien noch forciert werde: „An Feiertagen, an Wochenenden, an Brückentagen zu arbeiten, wird als außergewöhnlich, als uncool, ja als lächerlich dargestellt.“ Diese Einstellung sei über Jahrzehnte hinweg gepflegt worden. Da brauche sich dann niemand zu wundern, wenn sich kaum noch jemand fände, der tatsächlich konsequent und damit viel arbeiten wolle. Das bedeute in der Konsequenz: Man bezahle jemand, der eigentlich keine Ahnung habe, nach dem Mindestlohn. Während man an andere, die sehr wohl kompetent seien, gar nicht mehr herankomme. Und, klar, das wirke sich auch auf potenzielle Pächter aus: „Wer ist denn unter diesen Umständen bereit, 80 Stunden die Woche zu schaffen, wenn unter dem Strich 2000 Euro im Monat herauskommen.“ Ganz zu schweigen von den immer strenger werdenden gesetzlichen Vorgaben. Grundsätzlich sei seiner Ansicht nach Arbeiten nicht mehr in, was nicht nur einen Fachkräftemangel, sondern über kurz oder lang auch einen Arbeitskräftemangel zur Folge habe.

 

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