Ortwin Lowack wird 75

Ortwin Lowack in seiner Kanzlei. Foto: Andreas Harbach

Er hat viel zu erzählen. Von Franz Josef Strauß, von Helmut Kohl, von Begegnungen in Moskau, von Geschäften mit dem Königreich Saudi-Arabien, von Bayreuth. Und: einem großen Fehler, den er einst begangen hat. Von 1980 bis 1994 saß Ortwin Lowak für die CSU im Deutschen Bundestag. Bis er sich über eine Sache maßlos ärgerte.

Natürlich hat der Jurist Ortwin Lowak, der am ersten Weihnachtsfeiertag, 25. Dezember, 75 Jahre alt wird, als Abgeordneter für seine ihm zur Heimat gewordene Stadt Bayreuth viel erreicht, was bis heute nachwirkt. Förderung der Oberfrankenhalle, die Finanzierung des damals neuen Klinikums, die Versorgung vieler Sportvereine mit Mitteln der Zonenrandförderung, womit viele Sportplätze und -hallen errichtet werden konnten. Maßgeblich war Lowack an der Gründung des Bayreuther Instituts für Terrestrische Ökosystemforschung und der Gründung des Instituts für Materialforschung, der späteren Fakultät für angewandte Naturwissenschaft an der Uni Bayreuth beteiligt. Zu seinen bleibenden Verdiensten zählt auch die Errichtung des Lastenausgleichsarchivs in Bayreuth, das Helmut Kohl bereits der Stadt Lübeck versprochen hatte, wie Lowack im Gespräch in seiner Kanzlei in der Friedrichstraße gerne betont. Dass das Archiv noch nicht so richtig im Bayreuther Bewusstsein verankert ist, findet Lowack sehr schade. Schließlich beherbergt das Haus fast zehn Millionen Aktenvorgänge zu den Vertreibungsschicksalen nach dem Zweiten Weltkrieg. „Eine ganz wichtige Materialsammlung von dem, was in Deutschland am Ende des Krieges passiert ist“, wie Lowack sagt. „Ich hätte, wenn ich im Bundestag geblieben wäre versucht, daraus ein Institut für die deutsche Nachkriegsgeschichte zu machen. Da hätten wir nochmal ein gutes geschichtliches Forschungsinstitut nach Bayreuth holen können.“

Der Frust muss groß gewesen sein

Soweit sollte es aber nicht kommen. Doch warum war der CSU-Abgeordnete nicht im Bundestag geblieben? Auf die Frage nach seinem größten Fehler in seiner Laufbahn räumt Lowack ein: „Es war damals schon ein nicht-nachvollziehbarer Schritt, aus der CSU auszutreten. Das musste ich wissen, dass man dann politisch keine Chance mehr hat.“ Der Frust muss groß gewesen sein. Die Kränkung tief sitzend. Im Gespräch um diese Lebensphase fällt irgendwann das Stichwort Staatssekretär im Verteidigungsministerium. Erste Gespräche mit dem damaligen Verteidigungsminister Rupert Scholz habe es bereits gegeben. „Franz Josef Strauß war dafür – am 1. Oktober, am 3. Oktober war er tot“. Scholz sollte bald als Verteidigungsminister abgelöst werden.

Lowack jedenfalls kehrte den Christ-Sozialen den Rücken. In seinem Lebenslauf heißt es offiziell, dass er die CSU 1991 auf dem Höhepunkt seiner parlamentarischen Tätigkeit aus Enttäuschung über die Parteiführung der CSU und ihre mangelnde Vorbereitung auf die Deutsche Einheit, insbesondere auch die akut werdenden Fragen der Regionalförderung verlassen habe. Eine der Folgen: Für Hartmut Koschyk war der Weg in den Deutschen Bundestag bereitet.

Feier am 5. Januar

Ortwin Lowak hat noch viel mehr zu erzählen. Über seine Zeit in der Deutsch-Israelischen Gesellschaft, sein Wirken als Vizepräsident der Gesellschaft der Freunde des Königreichs Saudi-Arabien oder seine Tätigkeit als Präsident der Bundesdelegiertenversammlung der Schlesischen Landsmannschaft. Gelegenheit dazu gibt es am Freitag, 5. Januar, von 11 bis 14 Uhr, im Vereinsheim des Kleingartenvereins Exerzierplatz Bayreuth, Schwedenbrücke 25, wo Ortwin Lowack seinen 75. Geburtstag feiert.

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